In der neuen Staffel der Serie PUSH verkörpert Schauspielerin Lydia Amasko die junge angehende Hebamme Greta, die im Berliner Klinikalltag gegen strukturelle Missstände kämpft. Im Interview spricht sie darüber, wie sie sich auf diese Rolle vorbereitet hat und warum eine echte Revolution in der Geburtshilfe nur durch gesellschaftliches Umdenken gelingen kann.
Da ist diese grandios gespielte Szene: Die Hebamme Anna stellt ihrer Kollegin Elke eine harmlose Frage zu einer vergangenen Geburt – und Elke bricht unter der Last der Erwartungen zusammen. „Ich bin einfach nicht mehr ich selbst“, gesteht sie entkräftet. „Ich bin so müde.“ In diesem Moment kulminiert alles, was das System Hebammen und Gebärenden gleichermaßen abverlangt: chronische Erschöpfung, Personalmangel und der enorme Zeitdruck in einem maroden Gesundheitswesen.
Die Serie PUSH von Luisa Hardenberg hat bereits mit der ersten Staffel einen Nerv getroffen, indem sie die Realität von Geburten in ihrer emotionalen und physischen Vielfalt zeigt – was auf dem Bildschirm lange unterrepräsentiert war. Mit zehn neuen Folgen kehren nun die Hebammen Nalan, Anna und Greta zurück, um die komplexen Facetten des Elternwerdens weiter zu beleuchten. Dabei wird deutlich, dass Themen wie Pränataldiagnostik, Leihmutterschaft, Kinderwunsch oder Erwartungen an Mütter eine gesamtgesellschaftliche Relevanz besitzen, die weit über den Kreißsaal hinausreicht.
In der Serie verkörpert Lydia Amasko die junge Hebamme Greta, die als idealistisches Korrektiv fungiert und die Missstände im unterfinanzierten System klar und deutlich hinterfragt. In unserem Interview erzählt Lydia von ihrer intensiven Vorbereitung auf diese Rolle. Außerdem sprechen wir darüber, warum eine wirkliche Reform der Geburtshilfe nur gelingen kann, wenn am Ende auch die Männer als Teil des Systems Verantwortung übernehmen. Und was die Integration queerer Lebensrealitäten im Film für den gesellschaftlichen Diskurs bedeutet.
Da ist diese grandios gespielte Szene: Die Hebamme Anna stellt ihrer Kollegin Elke eine harmlose Frage zu einer vergangenen Geburt – und Elke bricht unter der Last der Erwartungen zusammen. „Ich bin einfach nicht mehr ich selbst“, gesteht sie entkräftet. „Ich bin so müde.“ In diesem Moment kulminiert alles, was das System Hebammen und Gebärenden gleichermaßen abverlangt: chronische Erschöpfung, Personalmangel und der enorme Zeitdruck in einem maroden Gesundheitswesen.
Die Serie PUSH von Luisa Hardenberg hat bereits mit der ersten Staffel einen Nerv getroffen, indem sie die Realität von Geburten in ihrer emotionalen und physischen Vielfalt zeigt – was auf dem Bildschirm lange unterrepräsentiert war. Mit zehn neuen Folgen kehren nun die Hebammen Nalan, Anna und Greta zurück, um die komplexen Facetten des Elternwerdens weiter zu beleuchten. Dabei wird deutlich, dass Themen wie Pränataldiagnostik, Leihmutterschaft, Kinderwunsch oder Erwartungen an Mütter eine gesamtgesellschaftliche Relevanz besitzen, die weit über den Kreißsaal hinausreicht.
In der Serie verkörpert Lydia Amasko die junge Hebamme Greta, die als idealistisches Korrektiv fungiert und die Missstände im unterfinanzierten System klar und deutlich hinterfragt. In unserem Interview erzählt Lydia von ihrer intensiven Vorbereitung auf diese Rolle. Außerdem sprechen wir darüber, warum eine wirkliche Reform der Geburtshilfe nur gelingen kann, wenn am Ende auch die Männer als Teil des Systems Verantwortung übernehmen. Und was die Integration queerer Lebensrealitäten im Film für den gesellschaftlichen Diskurs bedeutet.
„Ja, ich glaube, der Autorin Luisa Hardenberg und uns allen ist die Verantwortung für dieses Thema sehr bewusst. Mit Push haben wir die Möglichkeit, ein Berufsbild sichtbar zu machen, das vorher kaum Sichtbarkeit erfahren hat. Gleichzeitig wurden Geburten im deutschsprachigen Raum vorher noch nie so explizit körperlich, aber vor allem emotional porträtiert, ohne dabei sexualisiert oder objektifiziert zu werden. Dass wir Frauen hinter der Kamera haben – Frauen, die Regie führen, die Geschichten schreiben, recherchieren und intensiv mit Hebammen ins Gespräch gehen – das zahlt intensiv auf diese Erzählweise ein.“
„Ja. Die Romantisierung entspringt ja oft dem ,Male Gaze’. Alles, was mit dem weiblich gelesenen Körper zu tun hat, wird oft dramatisiert oder beschönigt. Bilder haben eine große Macht über uns und die Gesellschaft. Das größte Anliegen dieser Serie ist es, diese Bilder zu dekonstruieren und aus einem ,Female Gaze’ heraus von Körpern zu erzählen, die aus ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten und Situationen kommen.“
„Die Tabuisierung der Geburt vielleicht nicht unbedingt, aber das Sprechen über die Emotionen. Das war mir vorher natürlich nicht so bewusst, da ich selbst keine Mutter bin. Mich hat vor allem bewegt, dass wir uns als Privatpersonen oft nur in einem sehr kleinen Zeitfenster mit Geburten beschäftigen. Das hört nach der Entbindung oder der Nachsorge auf. Schnell verschwindet das Thema wieder aus den Köpfen. Was aber bleibt, sind die Emotionen der Mütter, oder der gebärenden Personen. Das können Glücksgefühle sein, aber eben auch Trauer, Traumata oder Verletzungen. Push stellt eine große Bandbreite von Charakteren dar, in denen man sich als Zuschauer*in oder Mutter wiederfinden kann – fast wie Gesprächspartner*innen, wenn man im echten Leben niemanden zum Reden hatte. Das finde ich ganz bedeutsam.“
„Ein erster Schritt ist, überhaupt über Geburten zu sprechen. Viel wird über Körper gesprochen, aber es fehlt an Räumen, in denen diese Gespräche differenziert stattfinden können. Dort kann sich dann vielleicht auch die tiefsitzende Unsicherheit lösen. Der weibliche Körper ist so stark und jede Geburt ist individuell. Es gibt nicht die eine ,Beispielgeburt’. Diese Vielfalt sichtbar zu machen, kann Orientierung schaffen, ohne Angst zu verstärken. Die Serie ist vielleicht ein Anfang.
Luisa war am Anfang mit dem Drehbuch ziemlich allein. Diesen Themen gegenüber gab es erstmal viel Skepsis. Ich freue mich, dass wir uns diesen Raum erarbeitet haben. Und ich wünsche mir, dass die Gespräche, die die Serie auslöst, dazu führen, dass insgesamt viel mehr darüber gesprochen wird.“
„Ja. Und es geht auch um den Blick: Wer schaut auf die Körper? Wir erzählen zwar auch Männer oder männlich gelesene Personen, aber es ist nie ihr Blick. Es bleibt die Perspektive aus einer weiblichen Sozialisation heraus.“
„Zur Vorbereitung auf das Projekt konnte ich selbst im Krankenhaus bei einer Hebamme im Schichtdienst mitlaufen. Das war unglaublich wertvoll für das Verständnis dieses Berufs: Vor dem Hintergrund dieses enormen Zeitdrucks immer wieder in den Raum hineinzugehen, Empathie zu zeigen, Ruhe und Sicherheit zu vermitteln – und im nächsten Moment wieder auf den Flur zu rennen zur nächsten Geburt. Dass Hebammen diese immense körperliche Leistung und Empathie unter konstant hohem Druck erbringen, hat mich zutiefst beeindruckt.
Danach habe ich viele Gespräche mit Hebammen ganz unterschiedlicher Generationen geführt. Ich habe gemerkt, dass es ein großes Mitteilungsbedürfnis gibt, weil ihre Geschichte endlich mal erzählt werden.“
„Ja. Die älteren Hebammen konnten mir erklären, unter welchen Bedingungen sie arbeiten und wie sie innerhalb des Systems agieren, auch um sich selbst zu schützen. Die jungen Hebammen organisieren sich schon anders untereinander, tauschen sich vor allem auch über Arbeitsbedingungen aus und kritisieren das Bestehende lautstark. Es gibt zum Beispiel die Organisierung der JuWeHen, ‚Junge und werdende Hebammen im Deutschen Hebammenverband‘. Ich hoffe sehr, dass diese neue Generation Veränderungen bewirkt.“
„Weil sie sieht, wie gewaltsam dieses System zurückschlagen kann. In der Nacht vor dem Gespräch wird von einer Hebamme eine sogenannte ,Cord Traction’ (Anm. der Red.: Zug an der Nabelschnur) vorgenommen. Greta erlebt, wie Entscheidungen in Zeitfenstern getroffen werden müssen, die vielleicht nicht richtig sind, weil einfach die Zeit für Rückversicherungen fehlt. Greta benennt das als einen Moment von Gewalt.
Wo zieht man die Grenze? Eine Frau unter der Geburt kann diese Grenze oft nicht selbst ziehen. Greta gerät an moralische Fragen: Sie will keine Gewalt ausüben, aber es passiert in ihrer Anwesenheit. Sie möchte von der diensthabenden Hebamme wissen: Wann ist ein Eingriff zu viel? Für Greta war es eine Grenzüberschreitung, die sie als Teil des Systems hinterfragt.“
„Greta hat diesen Außenblick. Sie ist für mich wie das Publikum. Wir bewegen uns mit ihr in einer Position, in der wir mitlernen. Sie hinterfragt die Entscheidungen der anderen Figuren und das gesamte System. Greta hat quasi zwei Augen: Das eine ist das des Publikums, das andere ihr eigenes, weil sie ja auch ihren persönlichen Erzählstrang hat.“
„…oder alte Wahrheiten hinterfragt. Greta hat keine Angst, Dinge infrage zu stellen, die schon seit Jahren so laufen. Dass sie einfach nachfragt, sorgt oft für Irritation, aber sie lässt sich davon nicht beeindrucken. Sie findet ihren eigenen Weg, auch wenn das bedeutet, dass sie sich zwischendurch zurückzieht, um genau zu überlegen, ob sie als Hebamme weitergehen will.“
„An manchen Tagen schon. Das Besondere ist: Der Hauptcast – also die Hebammen – sind die ganze Zeit da. Dann bekommen wir ,Besuch’ von den Schauspielerinnen, die die Gebärenden spielen. Die sind oft nur zwei Drehtage da, obwohl sie die viel größeren Emotionen spielen. Nach einer solchen Geburtsszene lagen wir uns manchmal in den Armen und dachten nur: ,Wahnsinn, was wir da gerade zusammen erlebt haben.’
Es ist viel emotionale Arbeit. Man trägt auch Verantwortung, zum Beispiel für die echten Babys am Set, wenn eine Schauspielerin schreit und es laut und stressig ist. Wir sind ein eingespieltes Team, aber die anderen Schauspielerinnen spielen die Geburten, und wir tragen das emotional mit.“
„Ich habe durch die Serie überhaupt erst einen Blick für die Arbeit von Hebammen bekommen, den hatte ich vorher gar nicht. Ich wünsche mir, dass wir für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, gegen ein System der Ausbeutung.“
„Utopisch sein… Also: Wir brauchen auch die Männer. Wir brauchen Männer auf unserer Seite, die diese Serie sehen, die sich selbst hinterfragen, zur Therapie gehen und für eine Revolution mitkämpfen. Im Denken beginnt nämlich die Revolution. Im Alltag, in unserer Sprache, in der Erinnerung und im Sichtbarmachen von dem, was lange unsichtbar gemacht wurde. Revolution ist auch eine Bewegung gegen das Vergessen und gegen das Vereinfachen. Revolution heißt auch, die Erzählungen zu verschieben, weg von Geschichten, die Armut oder Care-Arbeit individualisieren, und hin zu einem Verständnis der Strukturen, die sie erzeugen. Es geht dann darum, dass diejenigen, die den Alltag tragen, auch die Deutungshoheit über den Alltag bekommen. Ich wünsche mir, dass Männer ihren Teil dazu beitragen, dass sich alle Menschen organisieren, informieren, belesen – und gemeinsam kämpfen. “
„Wir leben im Auge des Faschismus. Queere Perspektiven sind massiv bedroht. Das ist eine Katastrophe. Queere Menschen sind keine Ausnahme – wir sind Teil der Gesellschaft. Es macht einen riesigen Unterschied, ob man sich in Geschichten vertreten sieht. Film und Fernsehen haben eine enorme Macht darüber, wie eine Gesellschaft sich selbst wahrnimmt.“
„Mir ist es wichtig, lesbische Liebe zu erzählen. Allerdings werden vor allem die Geschichten gezeigt, die gut in vertraute und weiße Vorstellungen von Familie und Beziehung passen. Lebensweisen, die diese Normen wirklich infrage stellen, kommen dagegen kaum vor. Wenn etwas ‚normal‘ wirkt, heißt das oft, dass es sich an bestehende Vorstellungen anpasst. Queere Lebensrealitäten werden also eher akzeptiert, wenn sie anschlussfähig sind.
Gleichzeitig merke ich auch durch das Feedback zur 1. Staffel, dass junge Frauen das Thema im deutschsprachigen Fernsehen sehr brauchen.
Formate wie Push können helfen, Sichtbarkeit zu schaffen und neue Bilder zugänglicher zu machen. Sie ersetzen aber nicht die strukturelle Auseinandersetzung damit, warum viele queere Lebensrealitäten weiterhin an den Rand gedrängt werden.“
„Ja, das merke ich in vielen Situationen. Man sieht es daran, welche Drehbücher gefördert werden, wo das Geld hinfließt und welche Türen für bestimmte Personen verschlossen bleiben. Mit öffentlichen Geldern wird ja auch immer festgelegt, welche Realitäten als erzählenswert gelten. Und in einer Zeit, in der Faschismus wieder verstärkt Vielfalt zurückdrängt, ist es entscheidend, für welche Erzählungen wir kämpfen. Wenn Serien wie ,Schwarze Früchte’ kein Geld für eine weitere Staffel bekommen, finde ich das dramatisch. Wir brauchen eine starke Film-Community in Deutschland, um uns gegenseitig zu unterstützen und Türen offen zu halten.“
„PUSH schafft einen niedrigschwelligen Zugang zu diesen Themen. Es ist wichtig, dass im Fernsehen darüber gesprochen und ,educated’ wird – über alle Generationen hinweg. Ein Beispiel: Meine Oma hat im ganzen Dorf stolz erzählt, dass ihre Enkelin in dieser Serie spielt. Und das ganze Dorf hat zugeschaut, auch die Männer zwischen 60 und 80. Da stehen dann plötzlich Fragen im Raum, die vorher nicht da waren.
Dieser Austausch zwischen den Generationen, auch durch die Figuren Anna, Nalan und mich, ist extrem wichtig.“
„Ich drehe gerade jetzt ein internationales Projekt für Netflix auf Französisch, Englisch und Deutsch in Berlin und Marseille. Danach noch einen französischen Film. Und dann bleibt mir am Ende des Jahres ein bisschen Zeit für das Schreiben eines eigenen Drehbuchs.“
Streaming: Ab Freitag, 22. Mai 2026, 10.00 Uhr
Bei ZDFneo: Ab 27. Mai 2026, 21.45 Uhr, an drei Mittwochen in Folge, drei Folgen.