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Danger Dan und Igor Levit performen "Keine Angst" im Columbia Theater.  | © Edition F
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22.07.2026 • 12:39
Autorin Anne-Kathrin Heier | © Heike Bogenberger Anne-Kathrin Heier
3 Minuten
Nach Ausladung vom ZDF

Das Sprechen ermöglichen: Danger Dan und Igor Levit performen „Keine Angst“

„Wenn wir euch ,Keine Angst' zurufen, wünschen wir uns, dass wir zusammen einen Weg finden, wie wir die Angst überwinden können.“ Danger Dan und Igor Levit organisieren eine Ersatzveranstaltung an dem Abend, an dem die 100. Sendung von „Die Anstalt“ ausgestrahlt wird. Sie hätten dort eigentlich den Song „Keine Angst“ vorgestellt, wurden aber kurzfristig vom ZDF ausgeladen.

Der Sänger Danger Dan und der Pianist Igor Levit organisierten nach ihrer Ausladung vom ZDF eine Ersatzveranstaltung mit dem Namen „Die Keine Angstalt“. Sie hätten in der 100sten Ausgabe der ZDF-Satire-Show „Die Anstalt“ gemeinsam den neuen Danger Dan-Song „Keine Angst“ vorstellen sollen. Ganz kurzfristig kam die Absage: Der Song sei ein „Aufruf zur Gewalt“. Die „musikalische und politische Ersatzveranstaltung“ wurde am Montag bei Social Media angekündigt und war nach 40 Minuten ausverkauft. 

Wir beginnen beim Ende dieses Abends. Bei dem Moment, als der Bühnenvorhang fällt und das Licht im Saal des Columbia Theaters angeht. Es ist – Überraschung – nicht der Moment, in dem das Publikum mit Sicheln und Macheten in Richtung Innenstadt zieht, um jeden nach Nazi aussehenden Dude „ohne Angst“ auszuschalten. Es ist der Moment, in dem Menschen nachdenklich aus dem Theater gehen und miteinander darüber ins Gespräch kommen, „wie wir mit rechter Gewalt, die explosionsartig anwächst und immer brutaler wird“, umgehen. Das ist genau die Debatte, um die es laut Danger Dan, der eigentlich Daniel Pongartz heißt, gehen sollte. Es ist genau die Debatte, die er und der Pianist Igor Levit mit dem Auftritt und dem umstrittenen Songtext auslösen wollen.  

Das Ende dieses Abends ist der Beweis für das, was Kunst leisten kann. Und es ist der Beweis dafür, dass viele Menschen in Entscheidungspositionen gut daran täten, dieser Kraft mindestens zu vertrauen, statt in vorauseilendem Gehorsam ausgerechnet das unsichtbar, unhörbar, unfühlbar zu machen, was für Menschlichkeit und Rationalität steht. 

Das Gefühl, das nach diesem Abend bleibt, ist nicht Hass oder Bereitschaft zur Gewalt. Das Gefühl setzt sich zusammen aus Bewegung, Aufbruch, Gemeinsamkeit, Ernsthaftigkeit und einem Begreifen dessen, was gerade passiert.

„Wenn wir euch ,Keine Angst' zurufen, wünschen wir uns, dass wir zusammen einen Weg finden, wie wir die Angst überwinden können.“ – Danger Dan, Igor Levit

Auch Mitwirkende der „Anstalt“ waren im Publikum. Die Show wurde unmittelbar nach dem Ersatzabend im linearen TV gezeigt und auch hier ist es das Ende, was alles sagt: „Der Faschismus ist keine Weltanschauung, der Faschismus ist eine Methode. Eine Methode der Emotionalisierung mit dem alleinigen Ziel der Machtergreifung. Das heißt: Die Rechtsextremen setzen gar nicht auf Argumente, sondern auf aggressive Affekte. Dagegen kommt eine Demokratie doch gar nicht an mit ihren Mitteln. Rationalität hat keine Chance gegen Ressentiments.“ Und es wird deutlich gemacht, dass ein Parteiverbot [der AfD] ein legitimes, im Grundgesetz verankertes Instrument der wehrhaften Demokratie ist: 

„Fangt endlich an zu prüfen, wir verlangen nicht viel.
Unsere Rechte, unsere Freiheit, es steht viel auf dem Spiel.“

Der Song „Keine Angst“ von Danger Dan beschreibt das, was übrig bleibt, wenn zu lange nichts passiert. Er beschreibt das Gefühl der Verzweiflung, er stellt sich an die Seite derer, die jetzt und schon lange Zeit von Gewalt und Hass, von Rassismus und Antisemitismus, von Behindertenfeindlichkeit und Klassismus betroffen sind und mit ihren Wunden und ihrer Angst alleingelassen werden. Und genau darüber, sagen Daniel Pongartz und Igor Levit, sei in den letzten Tagen kaum gesprochen worden: über die von rechter Gewalt betroffenen Menschen. 

Es ist bezeichnend, dass während in einem Rechtsgutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) auf 1500 Seiten die Verfassungswidrigkeit der AfD mit harten Fakten belegt ist, ein Song im deutschen Fernsehen erstickt wird, der vor allem das Sprechen ermöglichen soll: Das notwendige Sprechen über notwendiges Aktivwerden jedes*r Einzelnen im Alltag gegen rechte Hetze. Um zu verhindern, was auf den politischen Bühnen gern mit einem formelhaften ‚Nie wieder‘ abgetan wird – während wirksame Maßnahmen ausbleiben.

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