Foto: Halina Hildebrand

Dr. Heike Hartrath: „Mutterschutz und Teilzeit dürfen nicht zum Karriereknick führen“

Kund*in
She's Mercedes
Autor*in
Stella Pfeifer für EDITION F studio
Gesponsert

Mit dem 25 Frauen Award hat EDITION F dieses Jahr Frauen ausgezeichnet, die mit ihrer Stimme die Gesellschaft verändern. Dr. Heike Hartrath, Mitglied der Geschäftsleitung bei Mercedes-Benz Cars Vertrieb Deutschland, saß in der Jury – wir haben sie zum Interview getroffen.

Nehmt euch Großes vor!

Auf einer langen Autofahrt hört sie am liebsten Hörbücher; bei der Arbeit erzählt sie selbst gerne Geschichten, um nüchterne Fakten verständlicher zu vermitteln: Dr. Heike Hartrath ist seit Januar 2019 Mitglied der Geschäftsleitung bei Mercedes-Benz Cars Vertrieb Deutschland – und dort zuständig für den Personal-Bereich. Davor verantwortete sie als Leiterin der Personalentwicklung die gesamte Bandbreite der Nachwuchsentwicklung des Vertriebs Deutschland: von der Berufsausbildung bis hin zur Führungskräfteentwicklung. Daneben initiierte sie mit Erfolg verschiedene Programme, um weibliche Führungskräfte im traditionell männlichen Automobilvertrieb zu fördern. Sie findet: Wir sollten jungen Mädchen noch viel mehr zuhören und sie dazu ermutigen, sich Großes vorzunehmen. Die Initiative She’s Mercedes unterstützt den Gedanken auch. Wir haben Heike 25 Fragen gestellt.

1. Mit wem würden Sie gerne mal ein Vorstellungsgespräch führen?

„Vorstellungsgespräch – das ist mir eigentlich zu fokussiert, zu zielorientiert. Aber ein Gespräch würde ich gerne führen, zum Beispiel mit Hillary Clinton: Um sie zu fragen, was die verschiedenen schwierigen Situationen, beispielsweise die Niederlage bei der letzten Präsidentschaftswahl in den USA, mit ihr gemacht haben und was sie antreibt, trotzdem weiter zu machen.“

2. Welche persönliche Leidenschaft können Sie beruflich ausleben?

„Geschichten erzählen. Wenn ich ein Thema, vor allem ein neues und unbekanntes, umsetzen möchte, brauche ich dafür den Rückhalt der Geschäftsleitung. Und den bekomme ich nur, wenn ich die Story und die Idee hinter einer oft nüchternen Entscheidungsvorlage gut erzählen kann. Im Übrigen gilt das als Führungskraft genauso – wobei es dann häufig eher darum geht, verständlich erklären zu können, warum eine gute Idee vielleicht erstmal nicht umgesetzt werden kann.“

3. Was ist die wichtigste Maßnahme im Unternehmen, damit Frauen und Männer gleiche Chancen haben?

„Puh, es ist schwierig, das auf eine Maßnahme zu reduzieren. Eine ganz konkrete und grundlegende Maßnahme ist natürlich die gleiche Bezahlung – ein Grundprinzip, das wir bei Daimler in unseren Vergütungsrichtlinien fest angelegt haben. Aber um beispielsweise den Anteil an Frauen in Führungspositionen zu erhöhen, muss man auch dafür sorgen, dass eine temporäre Abwesenheit vom Job durch Mutterschutz, Elternzeit und vor allem die vielfältigen – zum Großteil von Frauen genutzten – Teilzeitmodelle letztlich nicht zum Karriereknick führen. Am wichtigsten aber ist für mich der Dialog mit Männern in Führungspositionen. Denn die positive Haltung von Männern zum Thema Diversity ist der beste und nachhaltigste Weg zur Chancengleichheit, schließlich sitzen noch immer mehrheitlich Männer in Entscheider*innen-Positionen.“

4. Stichpunkt New Work: Wann arbeiten wir endlich weniger?

„Dann, wenn die Automatisierung stärker Einzug gehalten hat. Wobei ich nicht glaube, dass wir dann weniger arbeiten. Vielleicht arbeiten wir weniger in der klassischen Erwerbsarbeit und mehr in den Bereichen, die uns Spaß machen. Beispielsweise im Sport, in der Kunst oder im sozialen Bereich.“

5. Was war die letzte (Not-)Lüge, die Sie erzählt haben?

„Konkret kann ich mich nicht erinern, aber vermutlich eine, um meine Verspätung bei einem Meeting zu entschuldigen – manchmal brauche ich zwischen zwei Terminen mal fünf Minuten Verschnaufpause für einen Kaffee und ein Gespräch, das nichts mit der Arbeit zu tun hat.“

6. Welches Talent fehlt Ihnen für Ihren Beruf?

„Das ist einfach: Langmut.“

7. Welches Album hören Sie auf einer langen Autofahrt und wer säße auf dem Beifahrer* innensitz?

„Es wäre eher ein Hörbuch, aktuell zum Beispiel „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Und neben mir sitzt meine Partnerin.“

8. Was haben Sie zuletzt für Ihre Freund*innen gekocht?

„Meine Freund*innen sind froh, wenn ich nicht für sie koche – das kann meine Partnerin sehr viel besser. Für einen sehr netten Abend mit Freund*innen habe ich mir zuletzt ein thailändisches Curry von ihr gewünscht.“

9. Berge oder Meer oder ganz woanders?

„Je nach Jahreszeit: Im Herbst die Berge, im Sommer und Winter dann Sonne und Meer – und gerne auch noch viel fremde Kulturen, Menschen und Orte.“

10. Sie bekommen 2,5 Stunden geschenkt. Was machen Sie damit?

„Wenn ich mir noch Sonnenschein dazu wünschen kann, dann verbringe ich die Zeit auf der Terrasse eines netten Cafés mit einem guten Buch.“

11. Was haben Sie zuletzt gelernt?

„Da ich vor fast vier Monaten meine neue Funktion als Personalleiterin für den deutschen Vertrieb von Mercedes-Benz übernommen habe, lerne ich grade jeden Tag unglaublich viel Neues dazu. Was ich dabei wieder merke, ist, dass mir das Lernen sehr viel Spaß macht.“

12. Was ist die eine Sache, die Sie in Ihrem Leben noch lernen möchten?

„Richtig gut zeichnen zu können.“

13. Was inspiriert Sie?

„Aufregende Reisen, der Austausch mit intelligenten Menschen, ein gutes Buch und Kinder, mit ihren vielen und noch ungebremsten Ideen.“

14. Haben Sie schon mal im Büro geweint?

„Ja. Das ist zwar schon 20 Jahre her, aber mir noch gut in Erinnerung. Ich arbeitete damals als Redenschreiberin und unsere Arbeitszeiten waren maximal flexibel und so anspruchsvoll wie der Chef. Eine Kombination aus Wut, Erschöpfung und der gefühlt zum 27. Mal geänderten Rede führte dann dazu, dass ich einmal nachts weinend im Büro saß – ein in jeder Hinsicht nicht erstrebenswerter Zustand.“

15. Wo kommen Frauen noch immer viel zu kurz?

„In Deutschland leider an vielen Stellen – und zwar nicht nur in der Wirtschaft, die ja oft im Fokus steht, sondern beispielsweise auch in kulturellen Bereichen wie Kunst und Theater.“

16. Auf welche Aufgabe freuen Sie sich dieses Jahr am meisten?

„Meine neue Rolle als Personalleiterin bringt viele Aufgaben und Herausforderungen mit sich – darauf freue ich mich.“

17. Wann waren Sie zuletzt zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

„Ich stecke mittendrin: Mit meiner Energie und Erfahrung den Kulturwandel hin zu einer neuen Führungskultur und einer zukunftsfähigen Unternehmenskultur zu gestalten und nachhaltig umzusetzen.“

18. Worüber regen Sie sich auf?

„Illoyalität und nicht eingehaltene Versprechen.“

19. Was macht Sie stolz?

„Wenn ich mit dem, was ich mit viel Herzblut und harter Arbeit tue, erfolgreich bin.“

20. Wenn Kolleg*innen über Sie lästern würden – wie würde sich das anhören?

„Sie würden mit Sicherheit über meine große Klappe und meine Direktheit sprechen – ich bin für klare Worte und rede nicht gerne um den heißen Brei herum. Das ist sicher vor allem für Menschen, die mich nicht so gut kennen, erstmal befremdlich.“

21. Wann ist es an der Zeit, aufzugeben?

„Wenn eine Situation verfahren ist und nur noch Energie frisst, einem aber nichts zurückgibt.“

22. Welche Frau hat Sie besonders geprägt?

„Eine Germanistik-Professorin, für die ich in den USA gearbeitet habe. Sie hat es geschafft, dass ich freiwillig nochmal ein Mittelhochdeutsch-Seminar besucht habe, obwohl ich Mittelhochdeutsch hasste. Ihr ist es gelungen, uns zu vermitteln, welche Bedeutung die Sprache, ihre Entwicklung und Geschichten für die damalige Gesellschaft hatten – vielleicht ist mir damals auch zum ersten Mal die Wichtigkeit von Storytelling klargeworden.“

23. Welcher jungen Frau sollten viel mehr Menschen zuhören?

„Jedem jungen Mädchen. Mütter und Väter sollten ihren Töchtern zuhören, sie dazu ermutigen, sich Großes vorzunehmen und ihnen dabei helfen, ihre Wünsche zu realisieren.“

24. Wofür oder wogegen haben Sie zuletzt Ihre Stimme erhoben?

„Gegen den rechten Sumpf.“

25. Auf welche Frage hätten Sie gerne geantwortet?

„Auf eine witzige Frage, die noch mehr an die persönlichen Eigenschaften rangeht.“

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