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Frag nicht, ob du gut genug für den Job bist – sondern ob er gut genug für dich ist!

Was ist die wichtigste Frage vor einem Jobwechsel? Für viele scheint es dabei um Selbstzweifel zu gehen – dabei sollten wir uns etwas ganz anderes fragen.

Bin ich gut genug?

Viele hochqualifizierte Menschen scheinen ihren Fokus bei der Jobsuche auf die Fragen zu richten: „Was kann ich?“, und „Kann ich es gut genug?“. Die eigene Qualifikation wird zu einem entscheidenden Kriterium bei der Jobwahl. Das, was man gut kann, ist allerdings nicht immer das, was man auch will. Kürzlich habe ich in meinem weiblichen Freundeskreis eine Umfrage gestartet: „Welche Frage quälte dich vor deinem letzten Jobwechsel am meisten?” Die häufigste Antwort: „Bin ich überhaupt gut genug für den neuen Job?”

Das hat mich schockiert: Was meine top-ausgebildeten Freundinnen quält, ist die Frage, ob sie gut genug sind, nicht die Frage, ob es der richtige nächste Schritt ist, nicht die Frage, ob ihnen der neue Job Freude machen würde. Meine Freundinnen, davon einige mit Doktortitel, fragen sich, ob sie auch wirklich alle Aufgaben im möglichen Job perfekt bewältigen könnten und messen sich dabei an dem unrealistischen Ideal einer Stellenbeschreibung. Wie kann das sein

Wir reflektieren unsere Schwächen, nicht aber unsere Stärken

Einige Tage lang dachte ich, dass es dieses viel besprochene Frauen Ding ist: Sich nicht gut genug fühlen, sein eigenes Können klein reden, immer schön bescheiden sein. Bis mich ein Kollege nach meiner Einschätzung fragte. Er durchforstete Stellenanzeigen und war auf eine Position gestoßen, die ihn interessieren würde. Es ginge um eine Stelle im Vertrieb mit viel Reisetätigkeit, erklärte er mir und fuhr dann fort mit seiner Frage „Natalie, glaubst du ich kann das gut? Präsentieren und verkaufen?“ Damit war für mich schon mal geklärt, dass die Zweifel am eigenen Können kein reines Frauen Ding sein muss.

„Kann ich das?”, „Bin ich dafür gut genug?” – das sind die Fragen, die hochqualifizierten Leuten anscheinend den Schlaf rauben und die Entscheidung nach einem Job schwer machen. Ich fände ein gute Portion Selbstreflexion sehr hilfreich. Sehr viele Kollegen, die ich schätze und die einen guten Job machen, würde ich als selbstreflektiert beschreiben – was ihre Schwächen angeht. Sich seiner eigenen Fähigkeiten bewusst zu sein, ist aber ein ebenso wichtiger Bestandteil, wenn man sich beruflich weiterentwickeln will.

„Worin bin ich gut?”, „Wie kann ich mich fortbilden?”, „Worin kann ich besser werden?” Niemand würde widersprechen, dass das diese Fragen in der heutigen Berufswelt nicht wichtig sind. Zu einem gewissen Grad geht es immer um Selbstoptimierung. Bei allem Streben nach Weiterentwicklung und Selbstoptimierung bleibt jedoch ein Aspekt außer Acht, die Achillesferse der Jobsuchenden, die Stelle, die nur eine einzige der Befragten genannt hat. Sie sagte: „Für mich war das Wichtigste herauszufinden, was ich durch den Jobwechseln für mich verändern und verbessern will. Zum Beispiel kreativere Aufgaben übernehmen oder Home Office machen können.”

Welchen Job willst du gerne machen?

Nur eine einzige Frau in meinem Bekanntenkreis hat den Blick also nach innen gerichtet, statt nach außen.  Nur eine einzige hat geprüft, wie ihre Vorstellungen und Wünsche mit diesem Job in Einklang zu bringen sind: „Was will ich? Und will ich DAS?”, statt: „KANN ich das?”

Auch in meinem Kolleg*innenkreis zeichnet sich etwas anderes ab: „Gut ausgebildete Menschen, die ihren Job beherrschen. Doch wie viele von diesen Leuten sind wirklich zufrieden mit ihrem Job? Wie viele von ihnen würden sagen: „Das ist genau das, was ich will?” Statistiken belegen, dass die Unzufriedenheit an deutschen Arbeitsplätzen groß ist. Die Wechselbereitschaft ist bei einem Großteil dieser Leute vorhanden. Viele meiner Kolleg*innen machen also einen guten Job – der ihnen keinen Spaß macht. Warum?

Der*die Bewerber*in bewirbt sich, die Unternehmen entscheiden

Wir alle werden im Vorstellungsgespräch gefragt, „Warum sind Sie für die Stelle geeignet? Was sind Ihre Stärken? Was sind Ihre Schwächen? Erzählen Sie uns was Sie bisher gemacht haben.“ Das Können des*der Bewerber*in und welchen Nutzen er*sie für das Unternehmen hat, stehen im Vordergrund, nicht das, was der*die Arbeitgeber*in dem*der Bewerber*in zu bieten hat.

Und so fokussiert sich der*die Arbeitnehmer*in darauf, möglichst gute Antworten auf diese Fragen parat zu haben. Bei der Vorbereitung geraten die Fragen nach der eigenen Motivation und den eigenen Wünschen in den Hintergrund. Aber sie spielen eine große Rolle dabei, wie du den gewählten Job später empfindest und bewertest. Soll dieser Job lediglich deine Miete zahlen? Soll dieser Job sinnstiftend für dich sein? Oder irgendetwas dazwischen?
Im besten Fall besteht, meiner Meinung nach, eine Verbindung zwischen deinem Leben, deinen Zielen und deiner Tätigkeit. Ist dies nicht der Fall wird früher oder später ein ungutes Gefühl entstehen, das sich zu großem Jobfrust entwickeln kann.

Die Frage danach, was du kannst, ist bei der Suche nach einem Job, der wirklich zu dir passen soll, nur in Kombination mit der Frage, was du willst, hilfreich. Vor der nächsten Jobsuche oder dem nächsten Bewerbungsgespräch deshalb unbedingt: „Was will ich von meinem neuen Job? Wie will ich mich hier einbringen? Kann ich was ich will? Und will ich, was ich kann? Nur dann findet ihr einen Job, der euch wirklich zufrieden macht.

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