Foto: Greg Rakozy

Mehr Dates für Eltern – warum Zeit zu zweit so wichtig ist

Nur wenige Dinge sind für eine Paarbeziehung so wunderbar und gleichzeitig katastrophal wie das Kinderkriegen. Denn nichts verbindet zwei Menschen mehr als ein gemeinsames Kind. Und nichts kann die beiden mehr voneinander entfernen.

Liebesleben nach dem Baby

Wenn man mal genau drüber nachdenkt, ist es ziemlich nachvollziehbar: Babys erfordern nahezu konstant Aufmerksamkeit und Betreuung. Und in der Sekunde, in der sie einschlafen, legen wir uns dazu, weil wir todmüde sind. Und selbst wenn sie älter werden, stehen die Kinder häufig im Fokus des Lebens ihrer Eltern und haben maßgeblichen Einfluss auf die Wochenendplanung, den Kontostand und natürlich ihr Ausgehverhalten.

Demnach überrascht es nicht, dass Paare mit Kindern laut einer aktuellen Studie von Betreut.de deutlich weniger Zeit zu zweit verbringen als solche ohne, und dass sie viel seltener miteinander ausgehen als vor der Geburt der Kinder. Während knapp 40 Prozent der befragten Eltern immerhin zweimal im Monat ohne Kinder Zeit miteinander verbringt, gaben 25 von Hundert an, eigentlich fast gar nicht mehr auszugehen. Bei einem Fünftel der Befragten lag der letzte gemeinsame Abend sogar über ein Jahr zurück!

Ich bilde da keine Ausnahme: Meine letzte „Date Night“ allein mit meinem Freund liegt so lange zurück, dass ich mich gerade beim besten Willen nicht mehr daran erinnere. Dabei hatten wir uns ursprünglich vorgenommen, regelmäßig mindestens zwei Mal im Monat einen Babysitter zu bestellen, um gemeinsam ins Kino, Restaurant oder sonst wohin zu gehen, wo wir unsere Ruhe haben und auch die Möglichkeit, Dinge zu besprechen, die im Alltag gerne mal untergehen. Stattdessen waren wir im vergangenen Jahr wahrscheinlich ganze zweimal gemeinsam unterwegs – wohl bemerkt: zweimal im JAHR, nicht im Monat!

Warum ist das so?

Als Top Fünf Gründe dafür, nicht mehr oder nur selten miteinander auszugehen, wurden in der besagten Studie folgende Punkte genannt:

1. Wir haben keinen passenden Babysitter

2. Wir können es uns nicht leisten

3. Berufliche Verpflichtungen

4. Wir wollen unsere Kinder nicht allein lassen

5. Es ist einfach zu anstrengend/aufwendig

Kommt Euch das irgendwie bekannt vor? Mir schon.

Die finanzielle Frage ist natürlich für viele ein wichtiger Aspekt. Babysitter sind nicht günstig und wenn man nach einem Abend mit Essen, Getränken und Kinotickets noch weitere 40 Euro abdrücken muss, kann die ganze Nummer extrem kostspielig werden. Aber vielleicht muss es ja auch nicht immer das ganze Programm sein. Oder man sachfft sich Alternativen: Mein Sohn ist beispielsweise mittlerweile in dem Alter, in dem er auch mal bei einem Freund übernachten kann.

Zudem tappen viele von uns allzu leicht in die Falle und hängen folgender Logik an: Wir haben jetzt Kinder. Wir lieben unsere Kinder. Folglich haben sie für uns Priorität, weil sie uns brauchen und wir für sie verantwortlich sind. Außerdem sehen sie einfach zu süß aus in ihren kleinen Schlafanzügen… Leider hat diese Fürsorge häufig zur Folge, dass die Liebesbeziehung, die das Kind ja erst hervorgebracht hat, immer mehr ins Hintertreffen gerät.

Wo ist der Fehler?

Das kann ja eigentlich nicht angehen: Wir haben uns für gemeinsame Kinder entschieden, weil wir uns lieben und – im Idealfall – anziehend finden und nun tun wir alles dafür, dass das immer mehr in Vergessenheit gerät. Rund 70 Prozent der befragten Eltern stellten fest, dass gemeinsames Ausgehen dazu beiträgt, den Partner wieder attraktiver zu finden.

Ich bin davon überzeugt, dass sich durch das Pflegen der Beziehung viele gemeinsame alltägliche Situationen einfacher gestalten lassen und ein respektvoller, liebevoller Umgang eine sichere Basis für ein gutes Miteinander in der gesamten Familie bildet – nicht nur innerhalb der Paarbeziehung.

Denn das Verhalten der Eltern wirkt sich in erheblichem Maß auf ihre Kinder aus. Sie ahmen nach und lernen, wie Liebe aussieht, wie sie sich anfühlt, wie sie sich zeigt. So investieren wir mit der Arbeit an unserer Beziehung auch immer in das Verhalten unserer Kinder.
Soll heißen: Dass wir unsere Kinder nicht alleine lassen wollen, ist die Hürde, die wir am leichtesten überwinden können: Tut es einfach! Es wir euch und den Kindern nicht schaden.

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