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Frauen stellen sich nur an? Regelschmerzen können genauso schmerzhaft sein wie ein Herzinfarkt

Wir Frauen wissen, dass Regelschmerzen unfassbar schmerzhaft sein können. Dass sie aber so schmerzhaft sein können wie ein Herzinfarkt? Vielleicht ist das jetzt der Punkt, an dem unser Befinden während der Periode einfach mal ernst genommen wird.

Ach komm, das bißchen Unterleibsschmerzen!

Wie oft haben wir schon darüber geschrieben, dass die Schmerzen während unserer Periode alles andere als eine Lappalie sind – für viele Frauen bedeutet sie Krämpfe, die nur mit vielen Schmerzmitteln unterdrückt werden können, einen veränderten Hormonhaushalt und andere Dinge, die zu tagelangem Unwohlsein führen. Jetzt aber hat ein Sexualforscher der University London College einen Vergleich gezogen, der allen, die nicht darunter zu leiden haben, deutlich machen sollte, von welcher Art Schmerz wir hier sprechen. Er sagt: Regelschmerzen können genauso schlimm sein, wie die Schmerzen während eines Herzinfarkts. Und genau deshalb plädiert er nun dafür, das Thema in der Medizin endlich so zentral zu behandeln, wie es notwendig ist. Schließlich reden wir hier über einen Zustand, den gut die Hälfte der Menschheit einmal im Monat durchlebt – aber hey, ist doch alles nur weibliche Hysterie, nicht wahr?

“Men don’t get it and it hasn’t been given the centrality it should have. I do believe it’s something that should be taken care of, like anything else in medicine.”

Nein, ist es eben nicht. Und doch hat sich an dieser kruden Sicht, die direkt aus den 50ern zu uns zu rufen scheint, im Laufe der Zeit kaum etwas verändert. Die Periode ist aber nicht nur ein Thema, das in der Medizin und der Hygiene-Industrie stiefmütterlich behandelt wird, sondern auch im Berufs- und im Privatleben. Schließlich bringen wir unseren Töchtern immer noch bei, verschämt über „die Erbeerwoche“ zu reden, weil es irgendwie doch peinlich ist, das Wort Menstruation einfach auszusprechen. Die wenigsten Frauen im Büro sagen offen, wenn sie während ihrer Tage einfach nicht dazu fähig sind, zu arbeiten, dass es sich um Regelschmerzen handelt – zumindest, wenn es einen männlichen Chef gibt. Also erfindet man lieber schnell Kopf- oder Magenschmerzen, das ist weniger unangenehm. Aber wieso eigentlich?

Die Periode braucht mehr Forschung und mehr Akzeptanz

Weil diese normalste Sache der Welt eben in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft noch immer ein Tabuthema ist. Und damit sollte Schluss sein, denn nennen wir das Kind doch beim Namen: Es geht um den Ausstoß einer Blut-Gewebemischung, um Gebärmütter, einen veränderten Hormonhaushalt, um Veränderungen der Körpertemperatur und des Gewichtes – und um Schmerzen. Jeden Monat aufs Neue. Auch wenn das natürlich bei jeder Frau unterschiedlich ausgeprägt ist. Aber weil hier eben so viele Faktoren zusammenkommen, die Einfluss auf unser (Un-)Wohlbefinden nehmen, ist es  keine Lappalie und kann es auch nicht als Schwäche oder lächerlich angesehen werden, wenn man an diesen Tagen weniger bis gar nicht leistungsfähig ist.

Deshalb ist es auch großartig, dass die Olympische Schwimmerin Fu Yuanhui gerade in Rio ihre Leistung, die hinter dem lag, was zu erwarten war, öffentlich damit erklärte, dass sie in der Nacht zuvor ihre Periode bekommen hat. Und das löste – ganz besonders in ihrem Heimatland China, in dem das ein noch größeres Tabuthema ist – erst Erstaunen und dann Begeisterung aus. Richtig so! Jemand, der andere körperliche Beschwerden gehabt hätte, hätte dies schließlich auch gesagt.

Also sprecht darüber und nehmt die Zeit während der Periode ernst. Sie ist nervig, sie ist schmerzhaft und sie ist alles andere als peinlich.


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