Foto: Ketut Subiyanto | Pexels

Auszeit von der Pandemie: 15 Bücher, die euch auf andere Gedanken bringen

Wir empfehlen euch Bücher, mit denen ihr aus einer Welt voller Corona-Nachrichten zeitweise entfliehen und in andere Realitäten eintauchen könnt. Eine Auswahl feministischer Neuerscheinungen aus 2020.

In einer Zeit, in der wir unsere freien Stunden fast ausnahmslos in den eigenen vier Wänden verbringen, können uns Bücher mit auf Reisen nehmen. Reisen in die kurdische Gesellschaft in der Türkei; auf den Weg eines trans Mannes zu sich selbst; in die Gedankenwelt feministischer Vorkämpfer*innen und politischer Revolutionär*innen sowie in die Werkstätten von Autorinnen wie Zadie Smith und Joan Didion.

„Ein Buch lesen – für mich ist das das Erforschen eines Universums.“

Marguerite Duras

Wir empfehlen euch Lektüre, die in den vergangenen Monaten veröffentlicht wurde und seither ganz weit oben auf unseren Wunschlisten für Weihnachten steht oder bereits ihren Weg in unsere Bücherregale gefunden hat. Eventuell ist da nicht nur die ein oder andere Empfehlung für euch selbst dabei, sondern auch noch ein Last Minute-Geschenk für eure Liebsten.

„Frausein“ von Mely Kiyak

Mely Kiyak erzählt in ihrem autobiografischen Roman von ihrem Weg zu der Person, die sie heute ist. Sie schreibt übers Aufwachsen zwischen Ländern und Klassen als Tochter eines kurdischen Einwanderers aus der Türkei und über die Menschen in ihrer Familie, die sie geprägt haben: zart, poetisch und berührend liebevoll. Immer wieder geht es um einen Weg der Befreiung; sich zu befreien von den Zuschreibungen anderer. Was macht mein Ich aus, was ist Weiblichkeit, wenn es gelingt, den öffentlichen Blick zu überwinden und mit sich selbst zurückzubleiben?

Foto: Hanser Literaturverlage

„The Body Issue“ von Female Photographers Org.

Die „Female Photographers“ sind ein Kollektiv unterschiedlicher Fotografinnen, die sich für mehr höhere Sichtbarkeit von Künstlerinnen in einer männerdominierten Kunstwelt einsetzen. In ihrer ersten bildstarken Publikation „The Body Issue“ befassen sich insgesamt 29 Künsler*innen, darunter Maggie Steber, Oriana Layendecker, Jessica Barthel, Nora Lowinsky, Qiana Mestrich und Haley Morris Cafiero mit der Darstellung von Körpern und deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Das Ziel: Frauenkörper in all ihrer Vielfalt sichtbar machen. 

Foto: Hatje Cantz

„Woman on fire. Alles über die fabelhaften Wechseljahre“ von Sheila de Liz

Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen – die Wechseljahre klingen nicht gerade verlockend. Mit der Menopause und allem, was diese körperliche Umstellung mit sich bringt, ist fast die Hälfte der Menschheit früher oder später im Leben konfrontiert – und doch ist das Thema medial weiterhin unterrepräsentiert. In „Woman on fire“ widmet sich die Autorin und Frauenärztin Dr. Sheila de Liz dem Thema und erklärt, weshalb die derzeitigen Ansätze in Bezug auf die Wechseljahre auf einem ähnlichen Stand sind wie die Aufklärung über die Menstruation in den Fünfzigern. 

Foto: Rowohlt

„Ich bin Linus. Wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war“ von Linus Giese

Ein Buch, geschrieben mit viel Herz, Mut, Offenheit – und allem voran Ehrlichkeit: darüber, wie es ist, ein trans Mann zu sein. In seinem Buch beschreibt Linus Giese, welche Hürden Menschen von der Gesellschaft immer wieder in den Weg gestellt wurden und welche man sich vielleicht selbst baut. Der Autor erzählt vom „ersten Mal“, als er sich selbst einer anderen Person gegenüber als Linus bezeichnete und was daraufhin folgte: Ärzt*innenbesuche, neue Jobs, Schubladen, Vorbilder, Hass von anderen Menschen, aber auch Liebe und Unterstützung von neuen Wegbegleiter*innen.

Foto: Rowohlt

„Me and White Supremacy. Warum kritisches Weißsein mit dir selbst anfängt“ von Layla F. Saad

Layla F. Saad ist Autorin, Podcasterin und Speakerin. Als Schwarze, muslimische Britin mit ostafrikanischen und arabischen Wurzeln spricht und schreibt sie nicht nur als Betroffene mehrerer Diskriminierungserfahrungen, sondern blickt aus verschiedenen Perspektiven auf die von ihr immer wieder besprochenen Themen: Identität, Race, Leadership, persönliche Transformation und sozialer Wandel. In ihrem Buch leitet sie weiße Leser*innen dazu an, sich mit ihren Privilegien und der weißen Mehrheitsgesellschaft auseinanderzusetzen und so rassismuskritisch zu denken und handeln. „Me and White Supremacy“ geht über ein reines Handbuch, bestehend aus Definitionen und Handlungsempfehlungen, hinaus, setzt das Geschriebene in historische und kulturelle Kontexte und bewegt mit persönlichen Anekdoten.

Foto: Penguin Randomhouse

„Schreibtisch mit Aussicht. Schriftstellerinnen über ihr Schreiben“ von Ilka Piepgras (Herausgeberin)

Schreiben beflügelt – und ist zugleich harte Arbeit. „Schreibtisch mit Aussicht“ versammelt die Werkstattberichte zahlreicher Schriftstellerinnen, die Beiträge über die Schnittstelle von Leben und Kunst verfasst haben. Das Buch räumt mit überholten Schriftstellerinnen-Klischees auf und gibt Einblick ins kreative Schaffen von Frauen, die unseren Zeitgeist mit ihren Worten prägen. Mit Beiträgen von Sibylle Berg, Leïla Slimani, Zadie Smith, Elif Shafak, Deborah Levy, Siri Hustvedt, Meg Wolitzer, Elena Ferrante und vielen weiteren Autorinnen.

Foto: Kein und Aber

„Olive“ von Emma Gannon (Englisch)

In ihrem ersten Roman widmet sich die Unternehmerin, Podcasterin und Autorin Emma Gannon dem weiterhin gesellschaftlich stigmatisierten Thema der Kinderlosigkeit. Während Olives Beziehung endet, weil sie im Gegensatz zu ihrem Partner keine Kinder möchte, sind ihre drei besten Freundinnen mit täglichem Kinderchaos und Familienplanung beschäftigt. Emma Gannon erzählt die bewegende Geschichte von vier Freundinnen, die ganz unterschiedliche Bezüge zum Thema Mutterschaft haben und bricht gleich mit mehreren Tabus. Ein Buch übers Erwachsenwerden, Freund*innenschaft, Unabhängigkeit und große Entscheidungen.

„Sei kein Mann: Warum Männlichkeit ein Albtraum für Jungs ist“ von JJ Bola

Mann, wer willst du sein? Die Ära von Trump, #MeToo und Frauenhassern, die zu Attentätern werden wie in Halle oder Hanau, wirft viele Fragen auf, unter anderem diese: Braucht es eine neue Männlichkeit? JJ Bola sucht Antworten auf diese Frage und will den Begriff Männlichkeit aus der Krise holen – anders, vielfältiger, befreiter. Dafür blickt er auf alte Traditionen, auf die Popkultur und die LGBTQ+-Community und erkennt in der neuen Männlichkeit die Voraussetzung für echte Geschlechtergerechtigkeit.

Foto: Hanser Literaturverlage

„Ich hasse Männer“ von Pauline Harmange

Die größte Auszeichnung für ein feministisches Buch? – Es wird dem Patriarchat so gefährlich, dass es verboten werden soll. So geschehen in Frankreich mit dem Essay „Ich hasse Männer“ von Pauline Harmange. Es ist schon jetzt ein Skandalbuch und hat sich gegen den Zensurversuch behauptet. Pauline Harmange schreibt eine Absage an das Patriarchat und die männerdominierten Strukturen – und einen Appell an Frauen: nicht für Gewalt gegen Männer, sondern für mehr weibliche Solidarität.

Foto: Rowohlt Verlag

„Hallo, hört mich jemand?“ von Sibel Schick 

Wer nach poetischer Sprache, ehrlicher Wut, Rassismuskritik und Feminismus fragt, kommt um Sibel Schick nicht herum, mehr noch: wird den Namen entgegengeschrien bekommen. Denn manche Menschen müssen schreien – so laut es nur geht – um in unserer Gesellschaft gehört zu werden. Und das tut die Autorin und Journalistin Sibel Schick in ihren Kolumnen über Rassismus, Klassismus, Sexismus, Identität und Sprache. Ihr neues Buch „Hallo, hört mich jemand?“ ist eine Sammlung ihrer Texte . 

Foto: Edition Assemblage

„Sex und so. Ein Aufklärungsbuch für alle von Lydia Meyer 

Sex und Körper sind heute überall: Ein Bild bei Instagram, ein Video bei YouTube, das Plakat an der Litfaßsäule. Doch statt superaufgeklärt ist – wer heute heranwächst – oft vielmehr superverunsichert: Bin ich zu dick? Bin ich zu schüchtern? Zu prüde? Zu spät dran? Was ist eigentlich ein richtiger Mann und wie werde ich diesen Liebeskummer los? Lydia Meyer hat ein Aufklärungsbuch für wirklich alle geschrieben, ohne Wertung – dafür mit Orientierungshilfe bei Themen wie Gender, gesellschaftliche Normen, Sex und Selbstbestimmung. 

Foto: Ullstein Verlage

„Generation Haram. Warum Schule lernen muss, allen eine Stimme zu geben“ von Melisa Erkurt

Bildung wird nach wie vor weitervererbt, Ungerechtigkeit im Bildungssystem schreibt sich fort. Wie kann sich das ändern? Mit dieser Frage befasst sich die Lehrerin und Journalistin Melisa Erkurt in ihrem Buch. Sie kam als Kind mit ihren Eltern aus Bosnien nach Österreich, hat studiert und ist beruflich erfolgreich. Sie hat es also „geschafft“. Im Gegensatz zu vielen anderen Kindern, die in unserem System abgehängt werden. In ihrem Buch leiht Melisa Erkurt ihre Stimme den Verlierer*innen des Bildungssystems. Nicht sie müssen sich ändern, sondern das System Schule muss neue Wege gehen.

Foto: Hanser Literaturverlage

„Starting a Revolution. Was wir von Unternehmerinnen über die Zukunft der Arbeitswelt lernen können“ von Lisa Jaspers und Naomi Ryland

Die Gründerinnen Lisa Jaspers und Naomi Ryland wollen den Ideen von Unternehmerinnen eine Bühne geben. In ihrem Buch schreiben sie sehr ehrlich über die Herausforderungen, die eine Unternehmensgründung mit sich bringt, über die Hürden, die vor allem Frauen in der Wirtschaftswelt nehmen müssen und darüber, welche unternehmerische Zukunft sie sich wünschen. Für „Starting a Revolution“ haben sie mit Unternehmerinnen über deren Gründungsreise und Gedanken zu unserem Wirtschaftssystem gesprochen. Das Buch stellt konventionelle Business-Wahrheiten auf den Kopf und macht Lust auf eine Revolution der Arbeitswelt. 

Foto: Naomi Ryland | Lisa Jaspers

„Das Neue Land“ von Verena Pausder

Verena Pausder setzt sich seit Jahren leidenschaftlich für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ein. In ihrem Buch stellt sie die Frage: Welche konkreten Ideen für die Zukunft gibt es, wieso setzen wir sie nicht einfach mal um? Und vor allem: Wie könnte es aussehen, das Neue Land der Zukunft? Ihre Antwort verfasst sie als eine Art Rede in Buchform. Sie spricht über die richtige Aufteilung von Verwaltung und Gestaltung in der Politik und von einer Frauenquote in der Nachwuchsförderung. Die Autorin arbeitet sich dabei an den großen Pfeilern unserer Gesellschaft ab: Bildung, Arbeit, Familie und Politik. Und sie entwirft ein Bild von einem Neuen Land für unsere Zukunft, das mehr ist als nur ein Fantasiegebilde.

Foto: Murmann Verlag

„Die Schule meines Lebens. Weisheiten und Lebenstricks von ziemlich außergewöhnlichen Menschen von Matze Hielscher

Wie lässt man Ideen los, wieso sind Auszeiten wichtig und wie kann man auf Knopfdruck kreativ sein? Häufig wird gesagt: Die wichtigsten Lektionen lernt man nicht in der Schule, sondern im Leben selbst. Oder eben von den Gäst*innen in Matze Hielschers Podcast „Hotel Matze“. Sein neues Buch vereint all die Weisheiten, die er im Gespräch aus den interessantesten Köpfen der Nation herausgekitzelt hat. Mit Kübra Gümüşay, Anne Will, Doris Dörrie und vielen mehr. 

Foto: Piper Verlag

Mit dem Bücherkauf macht ihr nicht nur euch selbst oder eurem Umfeld eine Freude – ihr könnt damit auch lokale, kleinere Läden unterstützen. Viele Buchhandlungen bieten die Möglichkeit, Bücher direkt bei ihnen statt bei den Online-Riesen zu bestellen. Fragt einfach mal nach. Oder schaut auf Seiten wie geniallokal.de vorbei, einer Gemeinschaft aus über 700 Buchhändler*innen.

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Von Basel nach Berlin, vom SRF zu EDITION F, vom Social Media-Job zur Redakteurinnen-Stelle. Als Redakteurin bei EDITION F widme ich mich all den inspirierenden Geschichten und Persönlichkeiten, die mir jeden Tag begegnen. In meiner Kolumne „Wann hören wir endlich auf ... ?“ schreibe ich über all die Dinge, die mir so richtig auf den Keks gehen.

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Carmen Maiwald hat Bekleidungstechnik an der HAW in Hamburg studiert, um dort zu merken, dass sie neben der Kleidung vor allem die Geschichten dahinter interessieren. Bis Januar 2020 war sie Schülerin an der Deutschen Journalistenschule. Aktuell unterstützt sie die Redaktion von Edition F als freie Redakteurin.

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