Foto: Rawpixel

Feminismus: Was der Begriff heute bedeutet und wann jemand Feministin ist

Kund*in
Babbel
Autor*in
EDITION F studio
Gesponsert

Vom Wahlrecht bis hin zur #MeToo-Bewegung: Was ist Feminismus eigentlich? Und wie hat sich die Definition von Feminismus über die Jahrzehnte verändert?

Definitionen und Positionen des Feminismus

Innerhalb der letzten Jahre ist der Feminismus immer mehr ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit gerückt. Beyoncé hat ihn 2014 in die Bildsprache ihres fünften, selbstbetitelten Albums und die dazugehörige Welttournee aufgenommen, 2017 sind über fünf Millionen Frauen beim Women’s March für Frauenrechte auf die Straße gegangen, und die #MeToo-Bewegung hat sexuelle Belästigung und Nötigung zu einem Thema gemacht, das öffentlich diskutiert wird und eine hohe Aufmerksamkeit von den Medien bekommt.

All das hat auch eine weitreichende Kontroverse mit sich gebracht, in der besonders die seit Jahren debattierte Frage im Zentrum steht, was Feminismus eigentlich genau ist. Wir alle haben eine bestimmte Vorstellung von Feminismus und bestimmte Erwartungen, wie Feministinnen aussehen sollten. Doch was bedeutet Feminismus eigentlich wirklich?

Was der Begriff bedeutet

Aus der Perspektive der Semantik, der Wissenschaft der Bedeutung von Zeichen, gibt es für jedes Wort eine bestimmte Bedeutung und eine Definition. Auch der Feminismus bildet da keine Ausnahme. Wenden wir uns also zunächst einem Wörterbuch zu, nämlich dem renommierten Merriam-Webster (das „Feminismus“ 2017 passenderweise zum Wort des Jahres erklärt hat). Hier wird Feminismus definiert als „Theorie politischer, ökonomischer und sozialer Gleichheit der Geschlechter; oder organisierte Aktivität im Namen der Rechte und Interessen der Frau.“ Laut diesem Wörterbuch tauchte der Begriff in der englischen Sprache zum ersten Mal im Jahr 1841 auf.

Der Duden definiert Feminismus als „Richtung der Frauenbewegung, die eine grundlegende Veränderung der patriarchalischen Kultur anstrebt“.

Im Duden wird Feminismus definiert als „Richtung der Frauenbewegung, die, von den Bedürfnissen der Frau ausgehend, eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen (beispielsweise der traditionellen Rollenverteilung) und der patriarchalischen Kultur anstrebt“. In den Duden aufgenommen wurde das Wort erstmals 1929. Keine dieser Definitionen klingt besonders kontrovers, aber sie schaffen es auch nicht, die diversen Überzeugungen und Herangehensweisen solch einer dynamischen politischen Bewegung zu erfassen. Dafür müssen wir etwas tiefer graben.

Woher der Begriff stammt

Interessanterweise wurde die Bezeichnung „Feminismus“ 1837 zuerst mit Charles Fourier, einem französischen Philosophen und radikalen sozialen Utopisten, in Verbindung gebracht. Ihm wurde zugesprochen, das Wort „féminisme“ benutzt zu haben, wenn er über das Empowerment von Frauen sprach. Das englische Wort „feminism“ sowie das deutsche Wort „Feminismus“ lassen sich also darauf zurückführen. Aber das französische Ursprungswort können wir auch etymologisch zerlegen: Seine Wurzeln liegen im altfranzösischen „feminin“, was vom lateinischen „femina“ kommt, das „Frau“ bedeutet. Das Suffix -isme wiederum kommt ebenfalls aus dem Lateinischen: Die Endung -ismus zeigt, wie auch im Deutschen, ein Substantiv an, das eine Praxis, ein System oder eine Doktrin bezeichnet.

Im Englischen tauchte der Begriff wie erwähnt erstmals 1841 auf, allerdings zunächst ohne politische Assoziationen. Hier stand er noch für etwas, das sich allgemein auf Frauen bezog. Der politische Bezug kam in England in den 1890er Jahren hinzu, als die Bewegung für das Frauenwahlrecht entstand (nachträglich wird dies als „Erste Welle“ des Feminismus bezeichnet). Die Suffragettenbewegung eignete sich den Begriff für ihre Zwecke an. Im deutschen Kaiserreich hingegen wurde er anfangs oftmals abgelehnt, um sich von Frankreich abzugrenzen, aber auch, weil diese Bezeichnung recht schnell von den Gegnern der Frauenbewegung abwertend in Anschlag gebracht wurde. Das alles sagt uns natürlich wenig über die aktuelle Verwendung des Begriffs. Schauen wir uns daher einmal an, was Feministinnen selbst über Feminismus sagen.

Wie definieren wir Feminismus heute?

Die Standardquellen stoßen bei solch einem komplexen Thema recht schnell an ihre Grenzen – wenden wir uns also den Expertinnen zu. Die meisten Werke feministischer Theorie sind sich darin einig, dass es zwar schwer ist, zu definieren, was Feminismus genau ist, dass sich aber auch zeit- und meinungsübergreifende Kontinuitäten abzeichnen (denn es gibt viele Arten von Feministinnen und Feministen mit verschiedenen unmittelbaren Zielsetzungen). So sieht sich der Feminismus beispielsweise als abseits des Mainstreams. Er ist oft radikal, rebellisch und politisch – daher die Nähe zu Protestmärschen und Demos. Die feministische Theorie im akademischen Feld übt somit Kritik an vorherrschenden kulturellen Auffassungen – nämlich Misogynie.

Für diejenigen, die nicht ganz sicher sind, was genau Misogynie bedeutet: Kein Problem, machen wir einen kurzen Exkurs. Google definiert es schlicht als Frauenfeindlichkeit, also als „Abneigung gegen, Verachtung für oder tiefsitzende Vorurteilen gegenüber Frauen“. Der Begriff ist viel älter als das Wort „Feminismus“: Er kommt von dem altgriechischen Wort „misogunia“ (μισογυνία), was wörtlich „Frauenhass“ bedeutet. Seine Wurzeln reichen bis 150 vor Christus zurück.

Eine der vielen bemerkenswerten feministischen Akademikerinnen, die soziale Machtmechanismen kritisiert haben, ist bell hooks. Ihre Ausführungen als berühmte Zeitgenössin feministischer Theorie können helfen, Licht ins Dunkel derer zu bringen, die noch nicht ganz sicher sind, was sie nun eigentlich für feministisch halten sollen: In „Feminism is for Everybody“ definiert sie Feminismus so: „Einfach ausgedrückt ist [er] eine Bewegung, die Sexismus, sexistische Ausbeutung und Unterdrückung abschaffen will.“ Diese Definition ist schon deutlich politischer.

„Man ist Feminist*in, wenn man an die soziale, politische und ökonimische Gleichheit der Geschlechter glaubt.“

Eine andere Autorin, Chimamanda Ngozi Adichie aus Nigeria, hat immens zum verbreiteten Verständnis von Feminismus beigetragen: Ihr TED-Talk über Feminismus hat zu einem regelrechten Boost des Wortes und der Definition für „Feminist“ beziehungsweise „Feministin“ geführt. Ihre Aussage, das Wort bezeichne „jemanden, der/die an die soziale, politische und ökonomische Gleichheit der Geschlechter glaubt“, wurde sogar in Beyoncés Song „Flawless“ gesamplet. Auch ihr Buch „We Should All Be Feminists“ und das Zitat „Wer auch immer sagt, er/sie sei Feminist*in, ist auch verdammt nochmal ein*e Feminist*in“ sind in den letzten Jahren um die Welt gegangen. Verglichen mit bell hooks stimmen Adichies Definitionen mehr mit denen der Wörterbücher überein – was deutlich macht, dass selbst moderne Feministinnen verschiedene Konzepte von Feminismus vertreten können.

Falls du dich in den letzten Jahren mit Online-Aktivismus beschäftigt hast, bist du bestimmt auch auf die mittlerweile berühmte Zeile „Wenn mein Feminismus nicht intersektional ist, ist er für den Ar***“ von Flavia Dzodan gestoßen. (Abgeschwächte oder „jugendfreie“ Versionen wie „Wenn dein Feminismus nicht intersektional ist, ist es kein Feminismus“ sind auch recht verbreitet.) Diese Aussage beschränkt Feminismus nicht auf den Kampf für Geschlechtergleichheit, sondern erweitert ihn auf andere Aspekte. Sie bezieht also auch andere Diskriminierungen, denen Frauen ausgesetzt sind, mit ein, zum Beispiel Rassismus, Klassismus, Homophobie und Ableismus. Diese fluide, übergreifende Definition von Feminismus ist besonders beim jungen, internetaffinen Publikum populär geworden.

„Feminismus ist die radikale Auffassung, dass Frauen Menschen sind.“

Falls du jetzt immer noch verwirrt bist, was dieses Thema angeht, kannst du stets auf die launige Definition von Marie Shear zurückgreifen: „Feminismus ist die radikale Auffassung, dass Frauen Menschen sind.“

Was Feminismus nicht ist

Bevor wir zum Schluss kommen, noch ein paar Worte dazu, was Feminismus auf keinen Fall ist: Im Feminismus geht es nicht darum, Frauen mit mehr Macht ausstatten zu wollen als Männer (das wäre die Definition des Matriarchats). Feminismus steht auch nicht für Männerhass (der korrekte Begriff hierfür wäre Misandrie). Wenn du also das nächste Mal auf Zitate wie dieses hier von Pat Robertson stößt: „[Feminismus] ist … eine sozialistische, antifamiliäre politische Bewegung, die Frauen dazu ermutigt, ihre Ehemänner zu verlassen, ihre Kinder zu ermorden, Hexerei zu praktizieren, den Kapitalismus zu zerstören und lesbisch zu werden“ – sei ganz beruhigt. Denn jetzt weißt du, dass das definitiv Unsinn ist.

Auch wenn wir keine einfache, konkret festzunagelnde Bedeutung von Feminismus gefunden haben, hat sich doch ein bündiges Konzept herauskristallisiert. Feminismus ist politisch und zielt darauf ab, das Leben von Frauen in der Gesellschaft zu verbessern. Adichie sagt, wir alle sollten Feminist*innen sein, und hook erklärt, dass Feminismus etwas für alle ist – wer kann dagegen schon etwas sagen?

Unser Kollaborationspartner Babbel hat diesen Artikel eigens für EDITION F verfasst. Ihr könnt auf dem Babbel Magazin weitere Texte zu verwandten Themen lesen.

Mehr bei EDITION F

Warum es in Zeiten von #MeToo so wichtig ist, Monica Lewinsky zuzuhören. Weiterlesen

Robin Wright: „Feminismus heißt doch einfach nur Gleichberechtigung.“ Weiterlesen

14 Frauen erklären, wie es nach #MeToo weitergehen muss. Weiterlesen

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.