Foto: Nora Tabel

Beate Wedekind: „Der Burnout war für mich ein Zeichen dafür, dass ich noch viel mehr gestalten will“

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She's Mercedes
Autor*in
EDITION F studio
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Für den Newsletter von She’s Mercedes sprechen die EDITION F-Gründerinnen Nora und Susann mit Frauen, die sie inspirierend finden, die bei ihnen einen Eindruck hinterlassen haben und von denen sie etwas lernen wollen. Eine von ihnen ist Beate Wedekind – und Susann hat sich mit ihr getroffen.

Ein Gespräch über Veränderung

Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Oft gehört, oft bejaht. Und doch fällt es nicht immer leicht, die eigene Komfortzone zu verlassen, die eingeschliffenen Routinen aufzugeben und ein neues Kapitel aufzuschlagen. Mir geht es zumindest so. Denn die richtige Balance zwischen Abenteuer und Sicherheit im Leben zu finden, scheint mir eine Fragestellung, die ich immer wieder aufs Neue beantworten muss und will.

Eine Frau, die in ihrem Leben der Veränderung den größten Raum einräumt, ist Beate Wedekind. Sie ist Journalistin, Äthiopienexpertin, Societyfrau und Lebenskünstlerin. Eigentlich lässt sie sich kaum beschreiben und ihr Leben klingt, als hätte sie mindestens schon fünf gelebt. Wie sie es schafft, sich immer wieder neu zu motivieren, sich zu trauen und sich dabei selbst nicht zu verlieren, hat sie mir in einem ganz persönlichen Gespräch bei ihr zu Hause verraten. Abwechselnd porträtieren Jessie von Journelles, Stefanie von OhhhMhhh, Nora und ich, Susann, von Edition F, starke Frauen für den She’s Mercedes Newsletter. Frauen wie Beate Wedekind, die uns dazu ermutigen, der Veränderung mit offenen Armen zu begegnen.

Beate Wedekind in ihrer Wohnung in Berlin-Neukölln. (Foto: Nora Tabel)

Eine Wohnung voller Erinnerungen

Es ist Montagmorgen, als ich Beate in ihrer Wohnung treffe. Ein Altbau in Berlin-Neukölln. Vierter Stock, ohne Aufzug. Während ich leicht aus der Puste in ihre Welt eintauche, sitzt sie bereits seit Stunden am Schreibtisch. „Ich wache auf und gehe online. Ich bin geradezu süchtig nach einem Informationsvorsprung, ich bin ein Medien- und Social-Media Junkie“, sagt sie und lehnt sich in ihrem Stuhl zurück. Ihre Wohnung besteht vor allem aus einem: dem riesigen Arbeitszimmer. Es ist bis unter die Decke vollgestopft mit Büchern, Fotos und Lebensmomenten. Denn ihr Leben hat Beate unzählige Male auf den Kopf gestellt.

 „Meine Neugier ist mein Lebenselixier. Der Drang, Neues in Erfahrung zu bringen und zu erleben.“

Beate Wedekind ist eine Getriebene. Im besten Sinne. Sie bezeichnet sich als „Permanent Traveller”. Und sie ist tatsächlich ständig unterwegs. Drei Tage hier, drei Wochen oder drei Monate dort. Ihr Leben findet seit Jahrzehnten zwischen ihrer Wohnung in Berlin, dem idyllischen alten Hirtenhaus in den Bergen von Ibiza und ihrem Zimmer in einer herrschaftlichen Villa im Rotlichtbezirk der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba statt. Wie ihr ständiger Wechsel zwischen den verschiedenen Wohnorten, so ist auch ihr beruflicher Hunger unersättlich.

Dabei ist sie bürgerlich aufgewachsen. In Duisburg. Mit zwei Geschwistern in einer Werkssiedlung. Es ist Nachkriegszeit. Und während den meisten Menschen die Reihenhausidylle Sicherheit gab, wuchs in Beate die Sehnsucht, auszubrechen. Schon mit 16 verließ sie auf Drängen ihrer Eltern trotz bester Noten das Gymnasium. Der Grund: nicht-regelkonformes Verhalten. „Es ist nicht so, als könnte ich mich nicht an Regeln halten. Aber die Freiheit, meinen eigenen Weg zu suchen, zu finden und zu gestalten, bedeutet auch, Regeln zu hinterfragen. Und neue, eigene Realitäten zu schaffen.“

Susann Hoffmann inmitten all der Souvenirs aus dem Leben von Beate Wedekind (Foto: Nora Tabel)

Wurzeln in Duisburg, Herz in Äthiopien

Nach einer Banklehre, die ihr Vater ihr besorgte, folgte nach seinem frühen Tod ein Intermezzo als Stewardess. Sie verliebte sich in einen älteren, wohlhabenden Mann. Er zeigte ihr eine andere Welt: Sie eröffneten gemeinsam eine Kunstgalerie, reisten viel, trafen an der Côte d’Azur Pablo Picasso und tranken Champagner mit Fürstin Gracia Patricia. „Der Glamour hat mich nicht angezogen. Das war einfach eine neue Facette in meinem Leben, die das Duisburger Grau in ein Bunt verwandelte und mich frei gemacht hat für das Abenteuer Zukunft.“ Wenn sie davon erzählt, strahlen ihre Augen. Sie wirkt so jung, wie sie es damals war. Die Liebe sollte nicht ewig halten, dafür aber die Lust, Neues auszuprobieren. Ohne viel über Afrika zu wissen, ging sie mit Mitte 20 nach Äthiopien, um als Logistikassistentin für eine Entwicklungsorganisation zu arbeiten.

„Ich bin damals in Addis Abeba aus dem Flugzeug gestiegen, habe tief eingeatmet und von diesem Moment an gewusst, dass meine Lust auf Veränderung mein Leben bestimmen würde. Da war es, dieses Gefühl von Stärke, von Eigenständigkeit, das ich seither tief in mir spüre.“ Beate arbeitet immer wieder vor Ort, seit fast 20 Jahren steht sie jungen Frauen als Mentorin, Coach oder Vertraute zur Seite: „Frauen dort haben genau zwei Berufe vor Augen. Sie wollen Ärztin oder Lehrerin werden. Ich bin da, um mit ihnen auch andere Möglichkeiten zu erkunden.“

Vom „Mädchen für alles“ zur Journalistin

Andere Wege, darin ist Beate Expertin. Nach knapp zwei Jahren in Äthiopien – es war die Zeit des Umsturzes vom Feudalismus zum Kommunismus, gefährliche Zeiten für viele ihrer äthiopischen Freunde – kehrte sie nach Deutschland zurück und floh vor dem Kulturschock erst einmal für ein paar Monate nach Indien. Anschließend arbeitete sie als „Mädchen für alles“ in einer Werbeagentur und schließlich als Sekretärin eines Berliner Universitätsprofessors. Hier begegnete Beate dem Publizisten Dr. Peter Glotz.

Der erkannte ihr Kommunikationstalent und gab ihr den Rat: „Hören Sie auf mit der Büroarbeit. Werden Sie Journalistin.“ Das war eindeutig. Mit 29 Jahren und 35 Bewerbungen später fing sie bei der Berliner Tageszeitung „Der Abend“ an, die gerade ein in der Hauptstadt ansässiger persischer Unternehmer, ein Quereinsteiger wie sie, erworben hatte. „Ohne das Vertrauen und den Rat von starken Menschen in meinem Umfeld – zugegeben waren es meist Männer –, hätte ich mich nicht so weiterentwickelt. Ich brauche Impulse von außen. Und manchmal auch den Ansporn, dass jemand mir noch mehr zutraut als ich mir selbst.“

Beate Wedekind hat sich mit 29 Jahren dazu entschieden, als Journalistin zu arbeiten. (Foto: Nora Tabel)

Die meisten kennen Beate Wedekind aus ihrer Zeit als Klatsch-Kolumnistin von „Bunte“ und von ihren Auftritten in Fernsehtalkshows. „Ich war eine Vorzeigefrau, Typ erfolgreicher Single, der sich in der Welt der Reichen und Schönen auskannte.“ Der Verleger Hubert Burda selbst war es, der mehr in ihr sah und ihr die Chefredaktion des Modemagazins „Elle“ antrug. Überzeugen musste sie allerdings die „Elle“-Chefriege in Paris persönlich. Ohne große Französischkenntnisse sprach sie mit der Herrenriege im schicken Büro auf der Champs-Élysées einfach Englisch. „Es hätte ein Fauxpas werden können, aber ich ließ mich nicht einschüchtern, entwickelte meine Visionen für die deutsche ‚Elle‘ spontan in dem Gespräch. Ganz schön forsch war ich, aber ich hatte nichts zu verlieren.“ Der Plan ging auf. Das Magazin wurde aus dem Stand erfolgreich und Beate Wedekind zum Liebling bei Burda. Auch als 1992 der Posten der Chefredakteurin von „Bunte“ winkt, sagt sie ja.

„Ich bin süchtig nach Chancen, die eine Herausforderung sind und mir die Gelegenheit zur Veränderung eröffnen. Ich kann nur sehr schwer nein sagen. Das ist Fluch und Segen zugleich. Aber das ist mir eigentlich erst nach meiner ‚Bunte‘-Zeit bewusst geworden.“

Das Experiment „Bunte“ endete für sie nach nur einem Jahr mit einem Burnout. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich dem Machtkampf um eine solche Spitzenposition in der Medienbranche nicht gewachsen war. Ich war nicht diplomatisch genug für diese Rolle.“

Einsamkeit als Privileg, nicht als Bedrohung

Ein Burnout. Heute ist er das Symbol für die Notwendigkeit von Veränderung. Irgendetwas war zu viel. Ich frage mich, ob dies nicht ein Moment war, in dem der Wunsch nach einer Familie hätte aufkeimen können. „Nein, für mich war Familie nie ein Thema“, antwortet sie. „Ich habe meine Freiheit immer einer Bindung vorgezogen. Ich war lieber die Geliebte als die Lebensgefährtin. Das hört sich krass an, aber es ist die Wahrheit. Ich hatte nie etwas gegen das Alleinsein, empfinde selbst das gelegentliche Gefühl von Einsamkeit als ein Privileg und nicht als Bedrohung. Das ging mir auch in der Zeit des Burnouts so. Für mich war es kein Warnsignal für Überarbeitung, sondern vielmehr ein Zeichen dafür, dass ich noch mehr selbst gestalten will.“

Mit 43 Jahren machte sie sich selbstständig, schrieb kurz hintereinander drei Bücher, fing dann an, große Fernsehshows wie die Goldene Kamera zu produzieren und Events wie das Grand Opening von Sony am Potsdamer Platz. 30 Jahre nach ihrer ersten Galerie in Duisburg eröffnete sie ihre Berliner Galerie PICTUREshow, die sehr erfolgreich war, aber eine Geldverbrennungsmaschine. Mit 55 erfindet sich Beate wieder neu, schließt die Galerie und verkleinert ihre Produktionsfirma zu einer One-Woman-Show. Seitdem berät sie internationale Organisationen wie die Bill and Melinda Gates Stiftung oder Bono’s Kampagnenorganisation ONE. Ihre Erfahrungen weitergeben: Das ist die Rolle, die ihr jetzt am meisten liegt und am besten gefällt.

Mit 68? Ist es höchste Zeit für neue Ziele

Im April dieses Jahres wird Beate Wedekind 68, eigentlich ist sie Rentnerin. Stillstand will sie dennoch nicht. Zurzeit entwickelt sie eine Online-Initiative namens The New Africa – Chances, Challenges and Changes. „Mit über 60 Jahren war ich die älteste Teilnehmerin des Startup-Accelerators Hubraum von der Deutschen Telekom. Ich war im Großraumbüro umringt von den Kreativen, Entwicklern und Gründern der IT-Szene. Umgekehrt generationenübergreifend zu arbeiten, hat mir einen neuen Kick gegeben,“ sagt sie.

„Inzwischen sehe ich mich nicht mehr nur als Mentorin, sondern auch wieder als Mentee. Ich lerne von jungen Leuten, die jetzt so alt sind wie ich damals, als ich durchstarten konnte. Mittlerweile fühle ich mich als Teil der digitalen Bewegung.“

Aber trotz all ihrer Leidenschaft, dem Mut, auch im „hohen“ Alter von fast 70 Jahren neu zu gründen und ihrem unermüdlichen Frohsinn, kennt auch Beate Angst. Die Angst vor Altersarmut. Als sie das Wort ausspricht, wird es kurz still. „Ich habe seit meinem 17. Lebensjahr gearbeitet. Mal viel, mal wenig verdient. Geld war mir nie wichtig. Mit meiner Rente allein kann ich nicht so leben, wie ich möchte.“      

Sie bereut dennoch keine ihrer Entscheidungen. Ein innerer Reichtum scheint sie zu tragen. Und wenn sie über die vermeintlich letzte große Etappe ihres Lebens nachdenkt, dann ist auch die, natürlich, von einer Veränderung geprägt. Denn das kann sie und das will sie: etwas Neues machen. Wenn ihre Biografie, an der sie gerade schreibt, erschienen ist, will sie auf einer Weltreise den Spuren von anderen Frauen ihres Alters nachgehen und darüber berichten. Das letzte Ziel dieser Reise steht schon fest: „Dann werde ich in Addis Abeba bleiben. Dort ist so viel mehr Lebensfreude um mich herum als irgendwo sonst. Und alte Menschen werden dort verehrt, gehegt und gepflegt. Das sind doch gute Aussichten.“

Als ich mich im Treppenhaus wiederfinde und in den kalten Berliner Winterwind hinaustrete, habe ich das Gefühl, alles ist möglich. Und die Veränderung ist eine Freundin, die das Leben nur spannender macht.

Beate Wedekinds Tipps für einen mutigen Umgang mit Veränderung:

1. Gebe Deiner Neugier nach. Stelle Fragen.

2. Vernetze Dich mit Menschen, die einen anderen Erfahrungshorizont haben als Du selbst. Schenke Ihnen Deine Aufmerksamkeit.

3. Bleib auf der Suche. Jede Veränderung bringt Dich ein Stück weiter auf Deinem Weg.

Die tollsten Frauen in dein Postfach

Frauen, die uns nachhaltig inspirieren und eine wichtige Rolle in unserem Leben einnehmen, treten manchmal ganz unverhofft in unser Leben, auch wenn sie nicht Teil der Familie oder des engen Freund*innenkreises sind. Im neuen Newsletter von She’s Mercedes porträtieren Jessie von Journelles, Stefanie von Ohhh…Mhhh und wir von EDITION F abwechselnd genau solche Frauen, die uns im Kopf bleiben und deren Geschichten gehört werden wollen.

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