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Lest mehr von Frauen! Diese 7 Bücher solltet ihr in diesem Jahr gelesen haben

Männliche Autoren werden immer noch deutlich häufiger verlegt als Autorinnen – und das völlig zu Unrecht. Diese sieben Bücher von Autorinnen solltet ihr auf eure Leseliste nehmen.

Die kleinen Unterschiede im Buchmarkt 

Eine Studie aus den USA, die vor einigen Wochen medial die Runde machte, hat herausgefunden, dass der nordamerikanische Buchmarkt ein großes Sexismus-Problem hat, das sich zunächst einmal in Geld ausdrückt.  Denn bei Büchern, die dort zwischen 2002 und 2012 erschienenen sind, waren diejenigen von Autorinnen im Durchschnitt 45 Prozent günstiger als die von ihren männlichen Kollegen. Autorinnen wurden seltener verlegt, Bücher aus Genres, die eher von Frauen gelesen werden, wurden günstiger angeboten und selbst wenn Autorinnen im gleichen Segment wie Autoren schrieben, war der Preis für ihre Werke im Schnitt um 9 Prozent niedriger angesiedelt.

Auch der deutsche Buchmarkt wird immer wieder für diskriminierende Strukturen kritisiert: Auch hier werden Frauen weniger verlegt, landen seltener auf Long- und vor allem Shortlists von Literaturpreisen und werden weniger oft besprochen. Die Literatur-Bloggerin Nicole Seifert hat im April im Feuilleton der FAZ und der SZ nachgezählt: Besprechungen für jeweils 47 Autoren gegenüber 16 Autorinnen, trotz ausgeglicheneren Verlagsprogrammen. Wir finden: völlig zu Unrecht und stellen euch deshalb sieben Bücher von Autorinnen vor, die uns in den letzten Monaten begeistert haben. 

Rattatatam, mein Herz

Unter einer Angststörung leidet jede*r 6. Deutsche mindestens einmal in ihrem*seinem Leben – aber darüber sprechen tun die wenigsten. Die Journalistin Franziska Seyboldt kennt die Angst seit ihrer Kindheit und hat nun ein sehr offenes Buch darüber geschrieben. Mit „Rattatatam, mein Herz” ist es der Autorin gelungen, die Angst für Menschen greifbar zu machen, die sich selbst nichts darunter vorstellen können. Sie beschreibt, was ihre Angst im Alltag mit ihr macht, wie sie sich anfühlt. Seyboldt beschönigt nichts und findet immer wieder die richtigen Bilder, für ein Phänomen, über das wir viel mehr sprechen sollten, denn die Angst ist längst ein Teil unserer Gesellschaft. Wir müssen uns mit ihr auseinandersetzen, entweder weil sie uns selbst befällt oder weil wir dadurch mehr Verständnis für die Menschen in unserem Umfeld entwickeln – Familie, Freund*innen oder Kolleg*innen – für die die Angst eine tägliche Begleiterin ist.  

Franziska Seyboldt: Rattatatam, mein Herz: Vom Leben mit der Angst, Kiepenheuer&Witsch, Januar 2018, 256 Seiten, 18,00 Euro 

Beschreibung einer Krabbenwanderung 

Die 22-jährige Protagonistin dieses Buches heißt Sanaa, ist als Kurdin im Nordirak geboren und lebt mit ihrer Familie seit ihrer Kindheit im Ruhrgebiet. Ihre Mutter ist depressiv und spricht kaum, genauso wie Sanaas Vater. Sanaa fühlt sich für ihre Eltern, ihre kleine Schwester und ihre Familie verantwortlich,  gleichzeitig will sie frei sein. Gemeinsam mit ihr kämpft man als Leser*in um die Luft zu Atmen. Das schafft Karosh Taha mit einer wortgewaltigen Erzählung voller intensiver Bilder. Sanaa ist eine unkonventionelle Heldin, die eine Geschichte erzählt, die sehr viel über unsere Gesellschaft offenlegt und eine Perspektive einnimmt, die in der deutschen Literatur bisher schmerzlich gefehlt hat: die Perspektive von jungen Menschen, deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind, die selbst in Deutschland aufgewachsen sind und nun oft im Dazwischen leben. 

Karosh Taha: Beschreibung einer Krabbenwanderung, Dumont Buchverlag, März 2018, 240 Seiten, 22,00 Euro

Super, und dir?

Marlene Beckmann ist 31, hat irgendetwas mit Medien studiert, lebt mit ihrem Freund zusammen und fängt ihr Volontariat in der Kommunikationsabteilung eines großen deutschen Unternehmens an. So weit, so sehr „Millennial-Klischee”. Aber während Marlene nach außen hin perfekt funktioniert, wird immer deutlicher, dass sie innerlich langsam zerbricht. Kathrin Weßling hat nach Meinung vieler Kritiker*innen, den Roman ihrer Generation geschrieben. Ob das wirklich so ist, vermag ich nicht zu beurteilen, aber „Super, und dir?” ist auf jeden Fall ein wichtiges Buch darüber, wie wenig wir gegenseitig wirklich voneinander preisgeben – und wie wenig wir auch voneinander wissen wollen. Das ist keine schöne, aber eine wichtige Erkenntnis.  

Kathrin Weßling: Super und dir?, Ullstein Buchverlage, April 2018, 256 Seiten, 16,00 Euro

Ach Papa: Wie mein Vater und ich wieder zueinanderfanden

Wie schon der Titel verrät, geht es in diesem Buch um die Wiederannäherung der Autorin Mareike Nieberding mit ihrem Vater. Dabei kreist alles um die Frage: Wie findet man sich wieder, wenn man seit langer Zeit nicht mehr wirklich miteinander gesprochen hat? Die Antwort der Autorin besteht vor allem aus Fragen. Fragen, mit denen sie ihren Vater noch einmal ganz anders kennenlernt. Große Fragen, die wir alle einander viel öfter stellen sollten.

Mareike Nieberding: „Ach, Papa: Wie mein Vater und ich wieder zueinanderfanden”, Suhrkamp Taschenbuch, 15. Januar 2018, 187 Seiten, 14,95 Euro.

Fliegende Hunde

Oksana und Lena sind zwei Freundinnen, die gemeinsam in einem Vorort von Sankt Petersburg aufwachsen. Sie sind mitten in der Pubertät, auf der Suche nach sich selbst und gerade dabei herauszufinden, was das zwischen ihnen ist, das immer erst beginnt, wenn das Licht ausgeht. „Fliegende Hunde” ist ein Buch über Freundschaft, Liebe und all das dazwischen. Es ist aber auch ein Buch über den Druck, unter dem junge Mädchen aufwachsen. Ein Buch über Zukunftsperspektiven und dem Mangel an ihnen, über Einsamkeit und Verbundenheit. Nach dem Lesen habe ich mich gefragt, ob „Fliegende Hunde” ein trauriges Buch ist. Es ist vor allem eins: eine aufrichtige Beschreibung des Lebens der beiden Freundinnen. Und vielleicht vermischt sich diese Aufrichtigkeit auch manchmal mit Traurigkeit.

Wlada Kolosowa: Fliegende Hunde, Ullstein Buchverlage, März 2018, 224 Seiten, 20,00 Euro

Das achte Leben (für Brilka)

Sechs Generationen von Frauen einer georgischen Familie begleitet Nino Haratschwili in „Das achte Leben (für Brilka)”, das schon 2014 erschienen ist und mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde,  durch das 20. Jahrhundert. Jeder dieser Frauen ist ein Teil des Buches gewidmet. Alle diese Frauen werden vom Leben verraten und verraten selbst die wichtigsten Menschen in ihrem Umfeld. „Das achte Leben” ist ein Familienepos, der den Fokus auf die Töchter, Mütter und Großmütter legt. Auf 1.280 Seiten ist viel Platz für große Worte, Weltgeschichte, Liebe und Hass. Irgendwann kann man das Buch deshalb nicht mehr aus der Hand legen. 

Nino Haratschwili: Das achte Leben (Für Brilka), Ullstein Buchverlage, Taschenbuch-Ausgabe erschienen im September 2017, 1.280 Seiten, 18,00 Euro

Der Tag, an dem ich meine Mutter wurde. Tochtersein zwischen Liebe und Befreiung

„Wie konnte es passieren, dass ich das Leben meiner Mutter wiederholt hatte?“ – diese Frage stellt sich die Journalistin Nicole Zepter als sie feststellt, dass die Beziehung zu dem Vater ihres Kindes sich sehr stark der Beziehung zwischen ihrer Mutter und ihrem eigenen Vater ähnelt. Sie hatte ein sehr intensives Jahr mit dem Vater ihres Kindes, genau wie ihre Mutter damals. Dann trennt sie sich vom Vater, genau wie ihre Mutter. Sie ist alleinerziehend und hat kaum Kontakt zum Vater ihres Kindes, auch in dieser Hinsicht wird Nicole Zepter zu ihrer Mutter. „Der Tag, an dem ich meine Mutter wurde” ist der Versuch eine Antwort auf die Frage zu finden, warum wir oft ähnliche Wege wie unsere Eltern gehen. Zepter beantwortet diese Frage sowohl aus einer wissenschaftlichen als auch einer ganz persönlichen Perspektive. 

Nicole Zepter: Der Tag, an dem ich meine Mutter wurde: Tochtersein zwischen Liebe und Befreiung, Blessing Verlag, April 2018, 240 Seiten, 17,00 Euro

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