Foto: Kelly Sikkema | Unsplash; Collage: EDITION F

#CoronaEltern stellen Rechnungen an die Politik

Eltern leisten in der Corona-Krise noch mehr unbezahlte Arbeit als sonst. Drei Mütter stellen ihre Arbeitskraft jetzt der Politik in Rechnung und starten unter dem #CoronaElternRechnenAb eine Protestaktion.

Für Karin Hartmann ist es ganz logisch. „Ich bin eine unternehmerisch denkende Frau“, sagt die 47-Jährige. Seit Wochen kümmert sie sich neben ihrer Lohnarbeit um ihre drei Kinder. Kocht, beschult, putzt. Alles alleine. Dann hat sie gerechnet.

„Ich erwarte, dass die Schule stattfindet“, sagt sie mit Verweis auf die Schulpflicht. Diese werde gerade ins Private delegiert. „Als ehemalige Unternehmerin weiß ich, dass ich Dienstleistungen zwar in in Anspruch nehmen kann, aber nicht auf Kulanz. Ich bekomme irgendwann eine Rechnung gestellt.“ Und genau das macht Karin Hartmann jetzt. Sie schreibt ihrer Landesregierung eine Rechnung über all die Tätigkeiten, die sie seit Wochen übernimmt.

„Übernahme Betreuung und Beschulung meiner Söhne“ steht über der Rechnung. Durch den Wegfall der Schule „entfällt für meine drei Söhne die Betreuung, Mittagsverköstigung, Beschulung und OGS“, heißt es weiter in der Rechnung.

„Als erwerbstätige Steuerzahlerin bin ich bis dato davon ausgegangen, dass die Kinder gemäß Schulpflicht beschult werden und die Schulen auch die Aufsicht gewährleisten. Den Ausfall der Schulpflicht durch die Pandemie ist bedauerlich, jedoch nicht von meiner Seite zu vertreten. Für den mir dadurch entstehenden Aufwand stelle ich wie folgt in Rechnung:“

Es folgt eine Auflistung der unbezahlten Tätigkeiten zu den Punkten Betreuung, Beschulung und Versorgung. Als Grundaufwand sieht Karin Hartmann ihren Bereitschaftsdienst. „Bereitschaftsdienst zählt als Arbeitszeit, wie bei andere Berufen auch“, erklärt sie. Also kommen neun Stunden Bereitschaft mit auf die Rechnung.

Rechnung von Karin Hartmann

Außerdem steht auf der Rechnung auch die Mehrwertsteuer. „Durch Care-Arbeit entsteht im Sinne der Definition von Wirtschaft ein Mehrwert – nämlich Leben“, sagt Karin Hartmann und bezieht sich damit auf das Buch „Equal Care“ von Almut Schnerring. Als ein Ziel ihrer Rechnung beschreibt Karin Hartmann, Care-Arbeit sichtbar zu machen. Sie möchte dazu auffordern, Care im Bruttoinlandsprodukt zu berücksichtigen und damit auf die gleiche Stufe wie Erwerbsarbeit zu heben.

Das Ziel teilt sie mit Rona Duwe und Sonja Lehnert. Die drei Mütter stellen ihre Rechnungen nicht nur an die Politik, sondern sie auch öffentlich auf Ihre Blogs. Gleichzeitig rufen sie andere Eltern unter dem Hashtag #CoronaElternRechnenAb dazu auf, es ihnen gleichzutun. Auf ihren Blogs gibt es Rechnungsvorlagen zum Herunterladen.

Dem Aufruf der drei Frauen gefolgt ist auch die Autorin Patricia Cammarata. Sie kommt in ihrer Rechnung auf die Gesamtsumme von 22.296 Euro und schreibt dazu: „Über eine Verdopplung der Rentenpunkte freue ich mich.“

Karin Hartmann will ab sofort alle sechs Wochen eine neue Rechnung stellen und später monatlich, „bis sich etwas tut“, wie sie sagt. Ihr Ziel sei ausdrücklich nicht, dass die Schulen überstürzt öffnen. „Aber die Regierung kann nicht einfach – wie im Vertragsrecht – davon ausgehen, dass ich den zusätzlichen Aufwand stillschweigend und unentgeltlich übernehme.“

Am Ende der Rechnung steht Karin Hartmanns Kontoverbindung mit dem Hinweis: „Die Leistung ist bereits vollständig erbracht. Ich bitte ich um zeitnahe Überweisung an meine Bankverbindung.“

  1. Wenn ich sowas lese. Was passiert denn, wenn die Rechnung in die andere Richtung aufgestellt wird? Es wird sich doch jetzt schon über jegliche Gebühr beschwert!
    Ich frage mich, wie es die Frauen nach dem Krieg geschafft haben, die sich nicht nur um die Kinder und den Haushalt gekümmert haben, sondern auch auf dem Feld arbeiten waren und sie haben sich trotzdem um ihre Kinder gekümmert. Es scheint nicht so, dass aus dieser Generation nur dumme Menschen hervorgegangen sind.

    1. Also dient die Nachkriegszeit jetzt als Maßstab oder wie darf ich das verstehen? Wenn ich meine Eltern frage, wie die so erzogen wurden, dann heißt es viel, dass sich nach oder bei der Arbeit fleißig einen hinter die Binde gekippt wurde, weil die Guten selbst chronisch überfordert waren. Erziehung gab es in Form von Schlägen, Schreien oder Mithilfe bei der Feldarbeit. Da wir hier aber nun mal den Bezug zur Nachkriegszeit haben: Die Kinder wurden nicht erzogen, die haben selbst gearbeitet. Nein, die sind nicht dumm, aber frag die Leute mal, ob sie ihre Kindheit weiterempfehlen würden. Sollen wir unsere Kinder jetzt nebenbei auch irgendwo Steine schaufeln oder auf dem Feld Kartoffeln klauen lassen?
      Erziehung braucht Zeit! Ansonsten wären Berufe wie Erzieher/in oder Lehrer/in vollkommen obsolet.
      Es geht doch gar nicht darum, jeden Monat 3.000 Euro für die Betreuung der eigenen Kinder ausgezahlt zu bekommen, sondern Aufmerksamkeit auf das Problem von Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu lenken und leider erreicht man das mittlerweile ohne Provokation nicht mehr, wie die letzten Wochen gezeigt haben.
      Ich, jedenfalls, bedanke mich für diesen Artikel und diese Idee.

    2. @Alfina:

      Das ist sicherlich eine clevere Idee, jetzt den Vergleich mit der Nachkriegszeit auf zumachen.
      Wenn die Nachkriegszeit der Standard ist, dann müssten hier ziemlich viele Menschen sehr große Abstriche machen.

      Es bleibt tatsächlich zu bewundern, wie die Menschen das damals geschafft haben, es ändert aber nichts an der Tatsache, dass Care-Arbeit deutlich mehr respektiert werden muss.

    3. Liebe Alfina, man kann leider nicht vergleichen. Die Zeiten ändern sich, wie die Kinder, die Frauen… Meine Oma hat immer gesagt (mit 11 Kinder damals und Hof) ,dass sich Frauen damals nicht beschweren konnten. Ihre Arbeit war selbstverständlich und nicht geschätzt. Und unglücklich waren sie auch. Sie können aber gerne eine Reise in die Vergangenheit machen und dort bleiben wenn sie sich wohl fühlen.

    4. Liebe Alfina,
      nach dem Krieg konnten die Kinder sich mit anderen Kindern treffen, von Nachbarn betreut werden, Großeltern sehen…Kinder streunerten auch viel herum, derzeit alles nicht möglich, und wirklich „geschafft“ haben die Frauen das auch nicht einfach so. Es herrschte eine ziemlich harte Erziehung (gesellschaftliche geprägt, aber auch aus Überforderung resultierend). Und was die Rechnung angeht…die w i r d doch auch in die andere Richtung gestellt. Wir zahlen Steuern. Und leider wird mit unseren Steuern auch Zeug finanziert, dass ich ganz und gar nicht finanziert sehen möchte. Und in Anbetracht der Summen, die in Wirtschaftsunternehmen fließen, die NICHT systemrelevant sind, sollte man mal auf die Prioritäten schauen.

    5. Puh, bei dem ganzen Schwachsinn weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Ja, die Mütter sind nicht an den Schulschließungen Schuld. Die Politiker aber auch nicht wirklich, für Kinder ist die Gefahr vielleicht kleiner, aber trotzdem noch vorhanden und sie können die Krankheit übertragen. Wenn man sich nicht um Kinder kümmern möchte, sollte man keine kriegen. Es wird niemand dazu gezwungen, sich fortzupflanzen. Bis auf die unglücklichen Fälle, wo eine trotz Verhütung entstandene, ungewollte Schwangerschaft erst zu spät entdeckt wird, ist das heutzutage eine Entscheidung.
      Statt sich aufzuregen, dass man seine Kinder einmal selbst erziehen muss, sollten sie sich lieber für bessere Bedingungen an Schulen, besonders im technischen Bereich einsetzen. Und wo ist der Vater in dieser Berechnung?
      Wenn die einen Stundenlohn ausrechnen, sollten sie den Stundenlohn einer Lehrkraft nehmen und durch 30 teilen, natürlich mit Abzügenaufgrund von fehlender Qualifizierung. Wollen sie als nächstes wie ein Chefkoch bezahlt werden, weil sie sich ein Brot geschmiert haben? Klempnerlohn, weil sie eine Dichtung gewechselt haben? Oder vielleicht einfach den Virus verklagen?

    6. Empfindest du die Umgang mit die Frauen nach dem Krieg richtig? Wenn nicht, ist deine Kommentar absolut überflüssig und hat sich von alleine beantwortet.
      Wenn ja, du findest die Umgang damals richtig dann empfehle ich dich das du die Augen aufmachst. Diese Generation von Frauen hat stark gelitten, Miese Rente abkassiert, war zum Großteil vollkommen von ihre Männer abhängig und leider kaum zu sehen in der Politik, Wirtschaft oder als Rolemodels.
      Ja, die haben vieles geschafft, und zum Großteil Überlebt, aber die Umgang mit ihnen ist kleinste weise erstrebenswert. Ich hatte mir gehofft das wir 2020 weiter sind. Die Beschwerde heute im Land ist Gott sei Dank ein Zeichen das wir weiter sein wollen.

    7. Das beste ist immer noch – Rechnung an den Staat stellen. Der Staat – das war mal ein Begriff für das, was es eigentlich ist: Die Gesamtheit der Menschen die dauerhaft in enem bestimmten Gebiet zusammen leben. Jetzt scheint es nur noch eine obskure Einrichtung die sich gefälligst um mich kümmern soll, wenn ich schon an „Den Staat“ Steuern bezahle. Ich bin auch dafür, dass alles und jeder seine Wünsche „Vom Staat“ erfüllt bekommt. Schließlich leben wir doch jetzt! Lasst uns den imaginären Wert namens Geld solange mit der Gießkanne verteilen bis dem letzten klar wird, dass der Krug nun mal so lange zum Brunnen geht, bis er bricht. Und jetzt noch was zu dem Thema ich als Mann behaupte WIR SIND SCHULD! Einmal die Woche den Müll raus bringen und mal am tropfenden Wasserhahn drehen und sich dann dafür auf die Schulter klopfen. Ja es gibt Männer, die wirklich für ihre Familie da sind genauso wie es Politiker gibt, die wirklich nur für das Volk denken und handeln. Aber mit beiden wird man wohl keine Stadien füllen können.

  2. Mir ist das ständige aufrechnen in Geld zuwider. Die Zeiten sind schwierig. Zugegeben. Aber nicht apokalyptisch. Die Kurzarbeit wird öffentlich finanziert, um die Existenz zu sichern. Als Nächstes wird der BR der ungenutzte Beitrag für den Fitnessclub berechnet. Und die Kosten für die Fahrradreparatur, weil man ja den Bus nicht mehr nehmen wollte. Während die BR Hilfspaket für Hilfspaket raushaut, werden die Erwartungen immer größer. Ein Virus ist ein Virus ist ein Virus …

    1. Ich schließe mich Ariane an. Selbstverständlich sind die Zeiten für uns alle grad schwierig, aber ein Virus ist ein Virus ist ein Virus. Und es wird von Seiten der BR viel getan um zu unterstützen, alles geht aber leider nicht. Der Vergleich mit den Frauen nach dem Krieg finde ich auch gelungen. Ich bin Lehrerin mit einem 2 jährigen Sohn und einem schwerbehinderten Mann und ich muss sagen, ich bin froh, dass die Schulen noch nicht vollständig geöffnet haben, denn man muss doch auch eine gewisse Sicherheit gewährleisten können (für die Schüler*innen aber auch für uns Lehrkräfte, denn wir sind auch Menschen, was manchmal vergessen wird). Leider haben unsere Schulen platzmässig gar nicht die Kapazität komplett bspw in getrennten Klassen aufzumachen. Das wird auch oft vergessen. Wo soll das zweite Schulhaus her, das man dann bräuchte?
      Diese Situation ist eine Herausforderung für die Menschheit, aber es bringt nichts, jetzt eine/n Buhmann/-Frau zu suchen, sondern man muss nun leider alle Kraft, die man hat, zusammensammeln und es versuchen. Es ist eine harte Zeit, aber der Vergleich mit den Frauen nach dem Krieg hilft mir sehr. Es sind kriegsähnliche Zustände (selbstverständlich nicht komplett!!), aber ein absoluter Ausnahmezustand! Wir müssen lernen mit dieser Situation umzugehen lernen (die nicht ewig wären wird) und nicht nur immer zu jammern.. (und ich sage dir, ich könnte auch jeden Tag heulen und verzweifeln, aber es hilft ja einfach nichts). Liebste Grüße

  3. Und das ist doch immer noch nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist, jetzt zu SEHEN, jeden fucking Tag hier zu Hause, WAS dieses Schule eigentlich bedeutet. Welch unglaublich veraltetes System wir da haben. Wir werden zugeschwemmt mit schlechten Kopien, Arbeitsblättern mit multiple-choice-Antwortmöglichkeiten, langweiligen Texten, völlig uninspirierenden Aufgaben. Auf die hat man schon in der Schule keine Lust. Zu Hause alleine über Wochen ist das wie eine einzige Strafe. Dazu Lehrer, deren Arbeit in mails besteht die lauten „Lies S. 47 und 48, erarbeite Dir den Text und die Vokabeln, mach dazu im Arbeitsheft S. xyz, Aufg. 1-3 und die Zusatzaufgabe 4“. (1. Fremdsprache, 8. Klasse, Französisch). Wer da keine Eltern mit Sprachkenntnis hat, ist nach spätestens zwei Wochen nicht mehr dabei. Die Krönung dann diese Woche, als die Schulleitung Druck machte, mehr „digital“ einzubauen. „Erarbeitet zu zweit einen Dialog zum Thema ABC und nehmt ihn auf. Ihr könnt ihn dann hier in der Lernplattform aufnehmen.“ MIT WEM? Mit Mama? Mit dem Freund per Handy? What the fuck!

    1. Ganz ernstgemeinte Frage: Welche Aufgabenformate würden Sie sich wünschen? Ihrem Text entnehme ich, dass Sie Arbeitsblätter, Texte, Buchaufgaben und kollaborative Aufgaben ablehnen.

    2. Also ich finde man hat kein Recht etwas in Rechnung zu stellen. Jeder der ein Kind in die Welt setzt hat erst mal alleine die völlige Verantwortung und sollte sich im Klaren sein, sich auch um sein Kind zu kümmern und es nicht anderen zu überlassen! Man sollte die eigenen Ansprüche runter Schrauben und eben nicht fünf mal im Jahr in Urlaub wollen, oder ähnliches … dann muss man nämlich auch nicht zwingend arbeiten was die meisten als Ausrede da her bringen. Man sollte froh sein dass in unserem Land Schule bzw Bildung überhaupt angeboten wird. Natürlich kann es für einige ein Spagat sein, aber wer es nicht schafft mit seinen Kindern in so einer Situation klar zu kommen … arme Kinder.
      Und jene die jetzt Geld fordern wären die die als erst schimpfen würden wenn weniger Schutzmaßnahmen vorgenommen werden würden. Es ist für alle in irgendeiner Form eine Herausforderung aber dieser sollte man sich stellen und nicht andere dafür in die Verantwortung nehmen!

  4. Haha! Ein schöner Gedanke! Ganz unternehmerisch scheint Frau Hartmann hier nicht zu denken. 15 oder auch 25 EUR pro Stunde ist wohl kaum eine auskömmliche Kalkulationsbasis, wenn man im Handwerk schon mindestens 1EUR pro Minute rechnet und der KFZ-Mechaniker auch schnell 80EUR die Stunde kostet. ABER vielleicht hat Frau Hartmann hier einen Sozialbonus mit einkalkuliert, weil es IHRE EIGENEN Kinder sind?! So oder so sollte sie bei dieser Rechnung extrem vorsichtig sein, denn das Pendel könnte zurückschlagen und die „Dienstleistung Schule und Kindergarten“ könnte mal umgekehrt „vom Staat“ angemessen in Rechnung gestellt werden. Schön ist aber, dass diese Rechnung zu Gedanken über den Wert von Schule und Kinder anregen und darüber, wer davon profitiert und wer ihn daher auch bezahlen sollte. …

    1. Ich möchte noch in die Runde bringen: mein Partner, der als Erzieher arbeitet und entsprechend wie die Rechnungsstellerin betreut und beschult, bekommt 12,50 € die Stunde, nicht 40 €. …

    2. Dass Karin Hartmann den Betrag so niedrig ansetzt, sollten wir eher würdigen. Bei jedem höheren Betrag würde man ihr umgehend vorwerfen, dass sie sich auf Kosten des Staates auch noch bereichern will. Das würde ihr legitimes Anliegen schwächen.
      Außerdem ist es sowieso ein vermintes Terrain. Welche Stundensätze sind im sozialen Bereich denn schon auskömmlich? Ist denn allgemein bekannt, dass die Kirchen im Auftrag des Staates in den von ihnen betriebenen Schulen, Kitas, Krankenhäusern und Altenheimen ganz legal Sozialdumping betreiben?

  5. 100% Zustimmung!! DANKE, dass Ihr diesen dringend notwendigen Schritt gegangen seid und damit den Weg frei gemacht habt!!
    Ich werde morgen das Dokument herunterladen und mit einsteigen. (Bin Juristin, (nicht Erwerbstätige Vollzeit)Mutter von fünf Kindern (6-21 Jahre), klassisches Alleinverdienermodell).
    Ich unterstütze die #frauenpetition
    Eine Vernetzung wäre super.
    Anmerkung: Den Rechnungsbetrag bei der nächsten Zahlung einbehalten, bis die Rechnung gezahlt ist. Zug um Zug.

  6. Im März bin ich schon zu der gleichen Schlussfolgerung gekommen und habe ebenfalls dem Kultusminister in Hessen eine Rechnung für das Home-Schooling geschrieben. Meine Beweggründe kannst du auf meinem Blog nachlesen:
    https://gut-alleinerziehend.de/familie/der-wert-der-muetter-in-der-krise/

    Ich frage mich, wo geschrieben steht, dass ich als Mutter jederzeit unbezahlt als staatlicher Notnagel herhalten muss? Während alle anderen sich aus der Verantwortung für die zukünftigen Steuerzahler / Kinder herausnehmen dürfen und sogar noch Gelder für nicht erbrachte Leistungen beziehen können!

    Frauen, Mütter und vor allem Alleinerziehende sind heute nicht mehr nur schmückendes Beiwerk, sondern eine eigene Wirtschaftskraft und können die Care-Arbeit nicht einfach so 24 Stunden am Tag auf unbestimmte Zeit unentgeltlich leisten. Wir haben selbst laufende Kosten u.a. für Miete, Haushalt, Lebensmittel, Kleidung, Kinder, Altersvorsorge, Versicherungen, Gesundheit etc. zu tragen.

    Daher möchte ich ebenfalls auf meinen kurzerhand vernichteten wirtschaftlichen Wert hinweisen.

    Aus diesem Grund habe ich mir selbst einmal vor Augen geführt, wie viel meine Arbeitszeit wert ist, die alleine für das Home-Schooling und die gleichzeitige Betreuung eines Kindergartenkindes drauf geht, damit das Schulkind in Ruhe seine Aufgaben machen kann:

    Pro Werktag sind es 3 Stunden Arbeitszeit. Mein Stundenlohn liegt bei 65 Euro/h.

    3 Stunden x 5 Wochentage x 65 Euro/h
    = 975 Euro pro Woche!

    So viel ist meine Arbeitskraft wert. So wertvoll sind die von mir geleisteten Arbeitsstunden! So groß ist mein Verdienstausfall als Alleinerziehende und Selbständige. Und das lässt sich nicht anderweitig ausgleichen.

    Dazu sei noch gesagt, dass die laut Gesetz mögliche Entschädigung des Verdienstausfalls durch die Schul- und Kitaschließungen BIS HEUTE in Hessen noch nicht möglich sind. 2 MONATE nach dem Lockdown. Seitdem habe ich fast kein Einkommen mehr und lebe nur noch von meinem Notgroschen!
    https://ifsg-online.de/antrag-schul-und-kita-schliessung.html

    Viele Grüße
    Silke Wildner

  7. Die Wunschsumme wird leider nicht funktionieren, denn wie die meisten Eltern fehlt die nötige Berufserfahrung um überhaupt 15 Euro in Anspruch nehmen zu dürfen 😂 wenn so etwas durch gehen soll, dann höchstens mit einem Baby sitter Gehalt, wobei das jeder für sich bestimmt und meist nur unter der Hand läuft, sprich es gibt keine Zahlen dafür… Materialien sind sonst auch zu zahlen und zu besorgen auch ohne corona krise🤔 solang der Schuss nicht nach hinten geht ist es ziemlich lustig zu lesen und irgendwie auch nachvollziehbar, doch man sollte nie vergessen warum man Kinder hat und wemn es die aktuelle Lage verlangt, dann sollte man auch für sie da sein und sie beim lernen „selbstverständlich“ unterstützen und leiten. Die heutige Zeit ist verwöhnt
    … Früher wurden fast alle Kinder zuhause unterrichtet, versorgt und umsorgt. Das war selbst verständlich und das bis ins hohe Alter heute sind 3 Monate schon ein riesiges Problem 🤷‍♀️ es gibt viele allein erziehende Eltern, deren Lage ich gut nach vollziehen kann… Es ist schwer, doch es gibt immer einen Weg wenn man will, den gab es früher auch…

    1. Schade, viele scheinen das Problem garnicht greifen zu können. Es gibt viele Berufe die KEIN Homeoffice machen können. Meine Frau und Ich arbeiten beide im Handwerk. Um unsere drei Kinder zu betreuen gibt es aktuell keine Lösung – im Gegenzug wird von unseren Arbeitgebern erwartet, dass wir unseren Job machen. Wir sind aktuell kur davor die Großeltern zu fragen, weil uns politisch nicht viel Handlungsspielraum gelassen wird.

  8. Hallo zusammen, finde auch einige Sachen in Bezug auf die Rechnung kritisch, aber eins ist doch ganz hervorragend! Es wird mal gezeigt bzw. pointiert, dass diverse Wirtschaftsunternehmen, die in Größenordnungen subventioniert und von der Politik unterstützt werden, Rechnungen an den Staat stellen.
    Bisher wird wenig thematisiert, dass all diese vermeintlich wichtigen Unternehmen, nur arbeiten können, wenn ihre Arbeitnehmer(innen) sich auf den Kopf stellen und die Kinder irgendwie parallel betreuen!
    Es ist wichtig, dass die Damen (und Herren), die dazu beitragen, dass diese ganzen Leistung überhaupt erbracht werden kann, auch mal mehr von der Politik ordentlich gehört werden!

    Mit freundlichen Grüßen
    MG

  9. Betrachten wir die Kindeserziehung wie ein Unternehmen, dann muss der Unternehmerin auch klar sein, dass der Ausfall staatlicher Leistungen – zum Beispiel Läuse in der Schule oder volle Kitas – zum unternehmerischen Risiko gehören, in dessen Erlebensfall sie die Kosten selbst zu tragen hat. Sie kann eventuell Gebühren zurückverlangen für Leistungen, die nicht erbracht wurden, da Gebühren zweckgebunden sind. Von solchen Gebühren hat der Staat die Unternehmerin allerdings weitgehend befreit. Bei Steuern entfällt die Zweckbindung und Eltern werden steuerlich nicht anders belastet als andere Erwachsene, weshalb eine Erstattung von Abgaben wegen nicht erbrachter staatlicher Leistungen nicht möglich ist. (Ebensowenig können Arbeitslose Abgaben zurückverlangen, wenn ihr Antrag auf Arbeitslosengeld abgelehnt wurde.) Die Annahme staatlicher Kinderbetreuungsleistungen als selbstverständliche Gegebenheit ist in Anbetracht dessen, dass ihre Erbringung trotz allem immer noch an die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft gebunden ist, eine unternehmerische Fehlkalkulation und von der eigenen Haftung und Verpflichtung zur Fürsorge für ihre Kinder kann sich die Unternehmerin nicht wegen implizierten Störungen an einer Vertragsgrundlage befreien. (Artikel 6 Absatz 2 Satz 1 Grundgesetz)

  10. Wenn es noch eines Beweises für den durchschlagenden Erfolg des neoliberalen Modells bedurfte (die marktförmige Zurichtung sämtlicher Lebensbereiche), dann hat die famose, unternehmerisch denkende Frau Hartmann ihn hiermit erbracht. Man sollte dann eine Elternschaft in Form von GmbH direkt beim Finanzamt anmelden. Jetzt müsste Frau Hartmann nur noch verraten, an wen die Care-Leistungsträger ihre Rechnungen adressieren sollen – die „Gesellschaft“ als solche ist dann doch etwas unspezifisch.

  11. Kinder zu betreuen sollte generell entlohnt werden, da die Person in dieser Zeit gar nicht arbeiten kann respektive weniger. Was hat das zur Folge? Kleine Renten für Frauen, große für Männer – da die „Person“ in den meisten Fällen eine Frau ist. Also, Entlohnung bitte auch ohne Corona.
    Unser jetziges Schulsystem ist sowieso veraltet und basiert auf einer Menge Zwang und Gehorsam anstelle von Vertrauen und Kreativität. Der demokratische Rechtsstaat verschwendet so viel Geld für Unsinn anstelle es in eine funktionierende Infrastruktur zu investieren (hier möchte ich auch auf den Zustand mancher Schulen hinweisen). Ein Grundeinkommen ist die Zukunft und darüber hinaus bei Petitionen, welche die Kriterien einer Mindestanzahl an Unterschriften erfüllen, demokratische Online-Abstimmungen, die aktiv mitwirken bei politischen Entscheidungen, die uns ALLE betreffen. So kann moderne Demokratie funktionieren und alte ausbeuterische Systeme können aufgelöst werden.

  12. Warum beschweren sich Eltern, wenn sie sich um ihre eigenen Kinder kümmern müssen!? Zumeist waren diese doch sicherlich gewollt und dann sollte man es gefälligst ertragen, sein Kind nicht in die Kita oder Schule abzuschieben.

  13. Schade, dass immer davon ausgegangen wird das Eltern immer faul zu Hause sitzen und sich zum Kaffeeklatsch treffen sobald die lieben Kinder in den Einrichtungen verwart sind. Wir Eltern wollen und müssen heutzutage arbeiten gehen um unseren Kindern alles notwendige selbst zu bezahlen und nicht vom Staat Geld zu verlangen. Dies können wir zur Zeit aber nicht tun, da es keine Möglichkeit der Betreuung gibt. Ja es ist möglich selber auf unsere gewünschten Kinder aufzupassen. Wenn ich demnächst auf den Pressekonferenzen unserer lieben Politiker sehe, wie sie alle ihre Kinder mit bringen und sie ihre Arbeit noch im gleichen Umfang gewährleisten, dann ziehe ich den Hut und werde nie wieder etwas sagen. Falls dies nicht funktioniert, dann akzeptiert bitte das wir Eltern nicht faul sind und unsere Kinder nur abschieben wollen. LG eine Mama von 3 Kindern (13, 7 und 5)

  14. Es geht hier doch nicht darum, dass Eltern ihre Kinder nicht betreuen wollen! Es geht darum, dass der Wert den Care-Arbeit für die Gesellschaft (also auch für diejenigen, die KEINE eigenen Kinder haben, denn auch deren Rente wird irgendwann mal durch anderer Leute Kinder gestemmt) hat, gerechter verankert wird.

    Natürlich gibt es hier keine absolute, für jeden faire, rechnerisch ermittelbare, objektive Größe. Gleichzeitig darf es doch niemanden wundern, dass diejenigen, die bekanntermaßen auch vor Corona schon mit den Herausforderungen der Vereinbarkeitsthematik zu kämpfen hatten, unter der zusätzlichen Last an ihre Grenzen stoßen und dafür -genau wie Unternehmen, Kompensationen fordern.

    Ein Tag hat 24h. Mit ca. 4h Homeschooling mit einem Erstklässler + 6h Erwerbstätigkeit + ca. 12h Kinderbetreuung (inkl. Essen machen und Haushalt, wir nehmen mal großzügig an, dass das parallel geht) des 2-jährigen und 7-jährigen nach dem Homeschooling bleiben 2h zum schlafen. Um dieses simple Zeitproblem (und ja, ich weiß, auch diese Rechnung kann jetzt wieder wunderbar zerpflückt werden) zu lösen, gibt es nun folgende Möglichkeiten:
    1) unbezahlten Urlaub nehmen oder due Erwerbstätigkeit kündigen, mit den entsprechenden kurz- und und langfristigen finanziellen Nachteilen sowie diversen Kollateralschäden
    2) sich mit der Diagnose „Z73 – Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“, kurz Burnout, krank schreiben lassen, ebenfalls mit entsprechenden negativen Nebeneffekten
    3) oder irgendwie durchhalten auf Kosten der eigenen physischen und psychischen Gesundheit, der Qualität der Beziehungen zu den Kindern, deren Bildung u.v.a.m.

    Ist das richtig so? Ist es das, was eine moderne Gesellschaft erwartet und denen, die sich für Kinder entschieden haben, zu bieten hat? Und ist es vor dem Hintergrund all der Hilfspakete, die es für die Wirschaft gibt, nicht mindestens legitim mit Aktionen, wie der von Frau Hartmann das Bewusstsein für die Situation der Eltern zu schärfen?

    Ich finde schon und zwar OBWOHL ich ein großer Verfechter von Selbstverantwortung bin und nichts davon halte „den ominösen Staat“ für meine persönlichen Probleme verantwortlich zu machen. Aber Selbstverantwortung ist eben nicht gleich Selbstaufopferung! Und auch wenn ein Virus ein Virus ist und bleibt und dieser Tage sicher jeder seine individuellen Opfer bringt und die Politik sicher „tut was sie kann“ (bzw. Brände löscht, wo es am dringendsten scheint) und ich dafür auch vollen Respekt habe, wird die Problematik (ein weiterer Brandherd also) einer riesige Personengruppe (den Eltern und im übrigen auch den Kindern!, also eigentlich von Familien) gerade noch nicht richtig bewertet. Und dann heißt Selbstverantwortung eben auch, die Aufmerksamkeit der Politik auch auf diesen Brandherd zu richten.

    Eltern sind per se keine organisierte Gruppe und haben als Einzelne nicht die gleiche Durchsetzungskraft, wie Firmen. Die Belastung der Firmen wird schnell transparent, die der Eltern nicht, weil jeder Einzelne versucht sich zusammenzureissen, durchzuhalten, sein Bestes zu geben und finanzielle Einbußen sich eben auf Millionen Haushalte verteilen. Aber irgendwann ist Schluss, die Kraft ist weg und dann bleibt 1) oder 2).

    Bevor es soweit kommt, sind Aktionen, wie die von Frau Hartmann notwendig, weil sie Kräfte bündeln und zu organisiertem, solidarischem Aufzeigen eines Missstandes führen. Darum Danke @Frau Hartmann, @Frau Duwe und @Frau Lehnert für ihren Mut und für Ihre Aktion.

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