Foto: Ilya Yakover | Unsplash

Ich hab mehr gefühlt als sie – vom Schmerz, nicht zurück geliebt zu werden

Es ist vorbei, ohne das wir jemals richtig zusammen waren. Und trotzdem tut es so verdammt weh, dass du nicht mehr da bist.

 

Online fing alles an 

Fünf Monate ist es jetzt her, dass du mir dein erstes „Ahoi” geschenkt hast: „Deine Fotos machen voll Lust auf Urlaub”, hast du geschrieben. Klassische erste Worte, wenn man sich online kennenlernt. Ein erstes „Ahoi”. Das erste von vielen, unzähligen. All unsere Nachrichten. Von Beginn an besonders, ehrlich, wahrhaftig, humorvoll, smart, charmant, anders. Anders als all die belanglosen Gespräche mit unzähligen Frauen. In all den Apps dieser Welt. Lust auf mehr. Lust aus der Anonymität herauszukommen. Das echte Leben einzuschalten. 

So hat es begonnen, vor fünf Monaten. Ein erstes „Ahoi”. Der Beginn eines Abenteuers. Eines der bereicherndsten, buntesten, schönsten, sonnigsten, aufregendsten, atemberaubendsten Abenteuer meines bisherigen Lebens. Die Tatsache, dass du in Berlin lebst und ich in Wien, hat keine Rolle gespielt.

Dieser verdammte Schmerz 

Nun blicke ich zurück, weil es nicht mehr ist. In Wehmut, mit Tränen in den Augen. In den unmöglichsten Momenten. Einer Flut an Emotionen, Chaos, Überwältigung, Trauer, Schmerz, die mich verfolgen. Tag und Nacht. Es gibt ein simples Wort: Liebeskummer. Ein so lächerliches Wort. Ein Hohn. Ein Wort, das nicht annähernd an all jene Gefühle herankommt, die auf einen hereinbrechen können.

Das „wir” zwischen uns haben wir nie definiert. Nicht weil ich das nicht wollte, sondern weil es einfach zu früh gewesen wäre. Damit wäre von Anfang an eine Schwere da gewesen. Zu richtig hat sich alles angefühlt, zu sehr nach Ankommen, als dass ich Angst gehabt hätte, dich so schnell wieder zu verlieren.

Ich hatte keine Angst 

Dass man dich nicht besitzen kann war mir sehr schnell klar. Dass du ein Freigeist bist, der nicht zwangshalber an „den einen” Menschen glaubt, der einen glücklich macht. „Es gibt da noch eine andere, die ich date.”, hast du mir bald gesagt. Für mich kein No-Go. Denn wir leben nicht in derselben Stadt. Und solange man nichts definiert hat, gibt es keine Regeln. Von einer Sache war ich jedoch überzeugt. Dass es einen Unterschied zwischen rein Körperlichem und Nähe, Verbundenheit, Vertrautheit gibt. Ich dachte, dass wir genau das haben. 

Über Wochen haben wir uns beinahe täglich gehört, in Nachrichten verloren, uns Romane erzählt, das Leben geteilt, uns Geschichten erzählt. Nie wusste ich, wie deine nächste Nachricht lauten würde. Es war immer eine Überraschung. Jedes Mal ein Lächeln auf meinem Gesicht, sobald dein Name auf meinem Display aufleuchtete. Wir haben stundenlang telefoniert, ganze Abende miteinander am Telefon verbracht. Es gab kein Gesetz, wann wir voneinander hörten. Du warst dauerpräsent. All das waren jedoch Hintergrundgeräusche, Background-Gesang zu dem, was eigentlich das Schönste an unserer gemeinsamen Zeit war: die geteilten Wochenenden. Unsere wahrhaftige gemeinsame Realität. 

Wir waren uns so nah 

Du bei mir. Ich bei dir. Tagelang in den Armen liegen, eine ganze Nacht lang umarmen. So dicht, dass kein Blatt dazwischen passt. So dicht, dass einem fast der Atem wegbleibt. Kind sein, Erwachsen, echt, schmutzig, heiter, traurig, gemeinsam. Teilen, das Bett, den Humor, die Liebe zum Leben, die Ängste, den Hang zum Düsteren. Ich weiß nicht, bei welchem Menschen ich jemals so wenig Sorge hatte, all meine intimsten Gedanken auszusprechen. 

Ich habe mich geöffnet. Ein Blick von dir, ein Lächeln, ein herzhaftes Lachen, all das war mein Lebenselixier. Du warst das Buch, das ich nicht weglegen konnte, mein neues Lieblingsbuch. Ich wollte immer genau eine Seite mehr lesen, nicht aufhören. Mehr, mehr von dir.

Und plötzlich war es vorbei 

Nun ist es so mit den schönsten Büchern: Irgendwann sind sie zu Ende. Bei einem Buch weiß man aber, wie viele Seiten man noch vor sich hat. Wie viele Kapitel. Wie viele Fortsetzungen. Bei dir jedoch hat die Geschichte ein plötzliches Ende gefunden. Eines, mit dem ich nicht gerechnet habe. Nicht so abrupt, nicht so unerwartet. 

Du hast keine Gefühle für mich. Das hast du bereits beim ersten Treffen gespürt. Und bei unserem letzten. Da ist es dir klargeworden. Geschrieben hast du mir das, am Ende einer langen, humorvollen, charmanten Nachricht – ganz am Ende. Du schriebst, dass es dir am Herzen liege, offen und ehrlich zu mir zu sein. Mir ist mein Atem weggeblieben. Ich habe die letzten Worte immer und immer wieder gelesen. Es hat eine Minute gedauert, bis mein Herz immer schneller pochen begonnen hat. Und mir die ersten Tränen heruntergelaufen sind. Das ging stundenlang so. Bis ich erschöpft eingeschlafen bin.

Wir waren nicht zusammen und trotzdem schmerzt es 

Drei Wochen ist das jetzt her. Kein Tag ohne Tränen. Wir waren nie im herkömmlichen Sinne zusammen. Wir haben nie offiziell definiert, was das zwischen uns ist was es sein könnte. Das macht es jedoch nicht kleiner, einfacher, besser, damit umzugehen. 

Eine Beziehung muss nicht als solche bezeichnet werden, um eine zu sein. Sie fängt dann an, wenn sich die Wege zweier Menschen treffen. Immer und immer wieder. Über Wochen, Monate, intensiv und intim. Der Schmerz, der einen überrollt, wenn es vorbei ist, der ist trotzdem da. Er schreit, er nimmt dich ein. Wenn du glaubst du bist ihn für ein paar Stunden los, springt er um die Ecke. Überrascht dich mit neuer Gewalt. Denn, du bist überall: In meiner Wohnung,  auf der Straße, im Büro. In jedem Song, den ich höre. In der Luft, die ich atme. In jedem schönen Moment. Wenn ich einschlafe, wenn ich aufwache, in meinen Träumen – du bist da. 

Kindlich, nicht rational, ich weiß. Durchaus in dem Bewusstsein, dass es auf dieser Welt Schlimmeres gibt, als nicht zurückgeliebt zu werden. Dennoch, ich kämpfe mich durch jeden Tag, jeden Tag ohne dich. Nichts wünsche ich mir mehr, als dass unser Ende nur ein schlechter Traum war. Tausende unbeantwortete Fragen in meinem Kopf. Keine einzige werde ich hier stellen – was bringt es denn?! Was bleibt ist die Hoffnung, dass es irgendwann Sinn macht, warum das mit uns beiden nicht hat sein sollen. Bis dahin werden aber wohl noch viele Tage, Wochen, Monate vergehen.

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