Foto: Pietra Schwarz | Unsplash

Ich habe es satt, es immer allen recht zu machen!

Unsere Community-Autorin hat Angst vor Konflikten, will ihre Wut aber endlich nicht mehr ständig runterschlucken und fragt sich: Wie steht man eigentlich für sich selbst ein?

Die Suche nach mir selbst

Seit kurzem mache ich mir mehr Gedanken über mich und mein Leben: Wer ich bin und warum ich das tue, was ich tue. Ich denke nach über meine rebellischen Teenager-Jahre oder die Zeit, in der ich mich total erwachsen gefühlt habe, aber dennoch nicht reif genug war, um viele Situationen abzuschätzen. Die vergeblichen Versuche mich anderen und der Welt zu erklären, die leider meist schief liefen. Immer wieder haben andere Menschen meine Art nicht verstanden. Und, um ehrlich zu sein, habe ich das auch selbst nicht.

Ich war und bin vielleicht immer noch: „schwierig“. Ein wenig theatralisch und dramatisch – zumindest innerlich. Nach außen bin ich stets bemüht ein Lächeln im Gesicht zu haben und versuche ständig, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Ich wollte nie, dass man mich als schwach oder verletzlich wahrnimmt. Denn wenn ich mich verletzlich gezeigt habe, dann immer den falschen Menschen gegenüber. Und habe damit am Ende nur mir selbst geschadet.

Ich versuche Auseinandersetzungen und Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Ich finde es anstrengend und es belastet mich am Ende gefühlt mehr als das es etwas gebracht hat. Selbst, wenn ich mich in einer Situation über eine andere Person sehr doll ärgere, versuche ich meine Gefühle runterzuschlucken  anstatt ausführlich darüber zu sprechen. Meine Wut zerfrisst mich dann innerlich und trotzdem tue ich in der Gegenwart dieser Personen so, als ob nichts wäre. Bin ich also unehrlich? Ich versuche doch nur mich selbst zu schützen. Doch ich merke immer deutlicher, dass dieser vermeintliche Selbstschutz nichts bringt. Am Ende bin ich schließlich die, die nicht ehrlich zu sich selbst ist.

Bis ich explodiere …

Ich bin wütend. Ich habe es satt, die Frau zu sein die immer jeder und jedem gegenüber freundlich und nett gegenüber ist. Ich habe keine Lust mehr, mich in einem Dauerzustand zu befinden, in dem ich mich für etwas entschuldige, für das ich überhaupt nicht die Verantwortung tragen. Schuldgefühle zu empfinden für Dinge, für die ich gar nichts kann. Ich habe es satt, ständig für alle und alles ansprechbar zu sein. Ich habe es satt, erst zehn Mal auf mir herumtrampeln zu lassen, bevor ich es beim elften Mal nicht mehr aushalte und meine Gefühle rauslasse. Und dann fragen sich alle, warum ich nicht schon früher etwas gesagt habe.

Das hat übrigens nichts damit zu tun, dass ich das netteste Mädchen von nebenan bin – ganz und gar nicht. Es gibt viele Momente in meinem Leben, in denen ich das Gegenteil des netten Mädchens war. Immer dann, wenn ich eine sehr lange Zeit meine Wut in mich reingefressen habe, um am Ende doch zu explodieren. Und wenn ich an diesem Punkt angekommen bin, sage ich Sachen, die ich möglicherweise überhaupt nicht so meine. Und dieses Bild von mir festigt sich dann bei anderen.

Wie verändert man den eigenen Umgang mit Konflikten?

Aber wie soll ich damit umgehen? Wie schafft man es, von heute auf morgen sein Verhalten zu ändern und das dem eigenen Umfeld auch klarzumachen? Sicherlich habe ich mich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Ich bin ganz sicher nicht mehr die Person, die ich mit 18 oder 20 war. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und bin an meinen Entscheidungen gewachsen. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, noch nicht so weit zu sein, wie ich gerne wäre. Ich will mich von dieser Person verabschieden, die immer wieder versucht, es allen Recht zu machen und bloß die Harmonie zu bewahren.

Und deshalb habe ich mir Regeln aufgestellt, die ich von jetzt an befolgen will, damit es der Person gut geht, die am wichtigsten ist: ich selbst.

1. Wenn mir etwas nicht passt, dann spreche ich es sofort an. Damit vermeide ich auch die Gefahr einer Explosion, die nur negative Folgen für mich hat.

2. Ich muss versuchen, Konflikte auszuhalten.

3. Ich höre auf, mich zu rechtfertigen.

4. Ich übe „Nein” zu sagen.

5. Ich mache mir immer wieder bewusst, dass ich mich niemandem erklären muss oder jemandem Rechenschaft schuldig bin, wenn ich das nicht möchte.

Wenn jemand mich nicht mag, weil ich ehrlich sage, was mich stört, dann sollte das nicht mein Problem sein. Ich will es einfach nicht mehr tolerieren, dass man mich respektlos behandelt. Ich werde aufhören ständig das Gute in einer Person zu suchen. Jetzt bin ich dran!

Dieser Text ist zuerst auf Oh Zone erschienen. Wir freuen uns, ihn auch hier veröffentlichen zu können.

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