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Ich kann nicht schlafen

In ihrer Twentysomething-Kolumne schreibt Silvia über alles, was ihr gerade durch den Kopf geht. Und diese Woche über Schlafmangel.

Nenn mich Schwester Insomnia

Was soll ich sagen, ich bin eine schlechte Schläferin. Und ich habe weitgehend akzeptiert, dass ich in meinem Leben nicht viel schlafen werde, dass ich mit ein paar Stunden Schlaf einen langen Tag, und dann noch einen und dann noch einen überstehen muss. Und das ich dann auch so aussehe. Aber wen kümmert das? Außer vielleicht mein Umfeld, dass sich möglicherweise im tiefen Blau meiner Augenringe verlieren wird. Schreckliches Schicksal.

Dabei schlafe ich doch eigentlich so wahnsinnig gerne. Die Vorfreude auf den Samstagmorgen ohne Wecker, ist mein Disneyland-Besuch, den ich als Kind nie hatte. Ausschlafen. Bis in die Puppen! Unter der Woche aber, sieht das anders aus. Warum? Ich komme nicht dahinter.

Schlaf? Ich habe da Alternativen

Einst habe ich geschlafen wie ein Baby. Zu jeder Tageszeit und an jedem Ort. Im Sitzen, im Stehen, im Bus. Ganz egal. Was für eine unverschämt fantastisches Privileg das ist, hab ich damals natürlich noch nicht verstanden. Seit zehn Jahren darf ich mich nun Schwester Insomnia nennen, die froh ist, wenn sich ein paar Stunden bewusstlosen Ruhens aneinanderreihen. Aber, was tun?

Während ich die schlaflosen Stunden in der ersten Zeit noch mit herumwälzen, ärgern und noch mehr herumwälzen verbrachte, habe ich heute ein ausgeklügeltes System an Alternativ-Beschäftigungen aufgebaut. Denn nutzlos herumliegen ist nicht so richtig meine Stärke. Außer an verregneten Wochenenden. Die können gerne mal im Bett verbracht werden – und zwar komplett. Carpe Diem für richtig Faule.

Aber zurück zu den Nächten: Wenn ich merke, es geht nicht mehr, dann wird heutzutage aufgestanden, der Abwasch gemacht, Radio am Fenster gehört (und neidisch in die dunklen Fenster der Nachbarn gelinst), auch gerne mal aufgeräumt (der Staubwedel kommt grundsätzlich nur in dieser gottlosen Zeit zum Einsatz) oder ein Spaziergang durch die Nacht gemacht. Wer jetzt denkt: So kommt man doch erst recht nicht zur Ruhe: Falsch. Bei mir haben diese kurzen (wichtig ist ein Zeitfenster von etwa 20 Minuten) Aktionen eine einschläfernde Wirkung. Weil: wenn der Körper in Aktion ist, hat der Kopf seine Ruhe.

Den Kopf ausmachen? Eher schwierig

Denn erschwerend zu meiner Beziehung zum Schlaf kommt hinzu, dass ich eine Eule und keine Lerche bin. Ich funktioniere nachts bestens. Morgens eher so mittel. So kommen mir oft die tollsten Gedanken und Ideen, wenn andere schon längst die Füße unter der warme Bettdecke austrecken. Und diese Gedanken – sicher eine Berufskrankheit – müssen sofort aufgeschrieben und zumindest anrecherchiert werden. Nicht auszudenken, wenn sie am nächsten Morgen mit dem Dunkel der Nacht verschwunden wären.

Hach, es ist eine Krux. Und auch wenn ich mich eigentlich schon längst damit arrangiert habe, so versuche ich doch immer mal wieder den ein oder anderen Trick, um besser zur Ruhe zu kommen. Neulich etwa las ich von der 4-7-8-Methode. Totsicher soll das sein, machte mich die Autorin, die das Ganze einem Test unterzogen hat, glauben. Na dann los: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen. Und während ich noch darauf warte, wie mein Puls runtergeht und mich die eigenartige Atem-Methode endlich in den Schlaf zieht, habe ich nur noch Zahlen im Kopf, bekomme Schnappatmung und will einfach, dass es vorbei ist. Das ist es dann auch. Allerdings sind die Augen noch weit offen.

Bei mir: Alles nach Plan

Sprechen wir es aus, es liegt einfach an mir. Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Statt auf Bahnen zu warten, laufe ich lieber eine Station. Menschen, die nicht in meinem Tempo gehen, müssen überholt werden und wenn Pläne für den Tag gemacht sind, will ich sie auch umsetzen. Und so ganz generell kann ich ziemlich schlecht abschalten. Bei mir hat alles seine Zeit, außer das Schlafen.

Nun ja, manchmal gelingt es dann doch. Allerdings nicht in –wie mancher vielleicht vermuten würde – ruhigen Arbeitsphasen, sondern eher in denen mit richtig viel Stress. Wahrscheinlich holt sich mein Körper dann was er braucht. Und wahrscheinlich ist das auch vorher so. Mag ja sein, dass ich gerne schlafe, mein Körper hat aber offensichtlich entschieden, dass er nicht so viel braucht, wie ich gerne hätte.

In ein Schlaflabor soll ich? Ja kann sein, aber für so einen Ergebnismarathon und all diese Messungen, dafür bin ich ja viel zu ungeduldig. Und außerdem passt das nicht in den Zeitplan.

Für andere Ideen bin ich aber sehr zu haben! Her damit!

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