Foto: Esther Merbt | Pixabay

„Könnte die unsichtbare Hand des Marktes bitte ihre Finger aus den Schlüppern menstruierender Menschen lassen“

Mit der Senkung der Mehrwertsteuer auf Hygieneprodukte sollten Tampons und Binden günstiger werden. Doch zeitgleich mit der Steuersenkung haben Hersteller*innen die Preise für Menstruationsartikel erhöht. Unter dem Hashtag #Tamponsteuer äußern Konsument*innen nun ihren Unmut.

Die Unternehmen versuchen, aus der Preisersparnis Profit zu schlagen

Die Freude war groß, als der Bundestag im Herbst 2019 entschied, den für Hygieneprodukte geltenden Mehrwertsteuersatz von 19 auf sieben Prozent zu senken. Ab 2020 sollten Tampons, Binden und Co. dadurch günstiger respektive für manche Menschen überhaupt erst bezahlbar (Stichwort Periodenarmut) werden. Vonseiten der Politik, des Handels und der Hersteller*innen hieß es eigentlich, dass die dadurch erreichte Preisersparnis direkt an die Kund*innen weitergegeben werden solle. Umso größer ist nun die Enttäuschung bei den Konsument*innen, seit der „Tagesspiegel“ und die „Lebensmittelzeitung“ publik machten, dass einige Hersteller*innen zeitgleich zur Steuersenkung die Preise ihrer Menstruationsartikel gegenüber dem Handel erhöht haben.

Durch die Senkung der Mehrwertsteuer könnten die Menstruationsprodukte im Verkauf eigentlich etwa zehn Prozent günstiger angeboten werden. Einen Teil dieser möglichen Preisersparnis für die Endverbraucher*innen möchten einige Unternehmen nun in die eigene Tasche stecken, indem sie die Preise der Produkte erhöhen. Welche Marken den Steuervorteil dementsprechend nun nicht an die Konsument*innen weitergeben werden, sondern für die Steigerung ihres eigenen Profits nutzen, ist noch nicht ganz klar. Die „Lebensmittelzeitung“ hatte explizit das Unternehmen Johnson & Johnson genannt, zu dem die Tampon-Marke „ob“ gehört. Der US-Konzern sagte auf Anfrage des „Tagesspiegel“ jedoch, man habe „zum Jahreswechsel“ die Hersteller*innen-Abgabepreise nicht erhöht. Procter & Gamble, zu dem „Always“ gehört, teilte mit, man habe im Vorfeld der Steuersenkung keine Preiserhöhungen durchgeführt und das „in diesem Zusammenhang“ auch nicht vor.

Auf Twitter machen die Konsument*innen ihrem Ärger Luft

Auf Anfrage des „Tagesspiegel“ bestätigte Kaufland hingegen, dass man Preiserhöhungen für Menstruationsprodukte erhalten habe. Jedoch könne man die höheren Forderungen der Lieferant*innen nicht nachvollziehen: „Aktuell ist uns nicht bekannt, dass die Preise für Rohstoffe erhöht wurden.“ Kaufland sei deshalb nicht bereit, die Preiserhöhungen zu akzeptieren und derzeit mit den Hersteller*innen in Verhandlungen darüber. Auch weitere Drogerien und Supermärkte wie dm und Rewe haben angekündigt, die Preise nicht anheben zu wollen. Auf die Nachfrage des „Tagesspiegel“, ob die Hersteller*innen denn höhere Preise von ihnen fordern würden, wollten beide Unternehmen jedoch keine Auskunft geben. Die Drogeriemarktkette dm versicherte gegenüber der „Lebensmittelzeitung“, die Preise in den nächsten vier Monaten nicht erhöhen zu wollen.

Bei welchen Marken es schlussendlich zu Preiserhöhungen kommt, hängt vermutlich vom Ausgang der Verhandlungen zwischen den Hersteller*innen und Händler*innen ab. Spannend ist nun, welche Hersteller*innen sich dadurch hervortun, dass sie ihre Preise nicht erhöhen. In den vergangenen Jahren ist der Markt deutlich diverser geworden, kleinere Hersteller*innen von Menstruationsprodukten bieten eine Alternative zu großen Konzernen wie Johnson & Johnson. The Female Company, Organyc, Ooshi, Einhorn und MyLily haben bereits angekündigt, die Steuerersparnis direkt an die Kund*innen weiterzugeben. 

Auf Twitter machen die Konsument*innen ihrem Ärger nun Luft. Unter dem Hashtag #Tamponsteuer fordern sie beispielsweise zum Boykott jener Marken auf, die die Preisersparnis für mehr Profit nutzen oder lenken sich kurzfristig mit Humor von der frustrierenden Lage ab. Hier eine Auswahl der besten Tweets: 

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