Miriam Junge: „Ich brauchte selbst Hilfe, um meinen inneren Kompass wiederzufinden“

Autor*in
Susann Hoffmann für EDITION F studio
Kunde
She's Mercedes
GesponsertShe's Mercedes

Kennst du das Gefühl, dass das Leben nur so an dir vorbeirauscht? Wir rennen einfach mit, verweilen und reflektieren viel zu selten. So ging es auch Miriam Junge. Sie ist nicht nur Psychotherapeutin, sondern auch Gründerin, Botschafterin der Meditations-App Headspace und seit neuestem Buchautorin.

Es gab in Miriam Junges Leben eine Zeit, da schwang immer dieser Zweifel, dieses unbehagliche Gefühl mit. Doch den wahren Grund konnte Miriam erst sehen, als es ihr mit ihrem eigenen Unternehmen immer schlechter ging und sie von der Gründerin zur Patientin wurde.

Als ich sie in ihrer Praxis in Berlin treffe, sprechen wir ganz offen und persönlich. Sie erzählt, wie sie erst selbst durch viele Tiefen gehen und sich Hilfe nehmen musste, um dann immer mehr bei sich anzukommen. Wie ihr Achtsamkeit und kleinste Gewohnheitsänderungen, sogenannte „Micro Habits“, geholfen haben, sich abzugrenzen. Es lohnt sich, Hilfe anzunehmen, auch mal in der Vergangenheit zu kramen, Visionen für die Zukunft zu kreieren und zu lernen, das Hier und Jetzt bewusst zu leben.

„Du gibst, gibst, gibst – und es kommt wenig zurück,“ erzählt Miriam und erinnert sich an ihre erste Praxis. Voller Elan wollte sie helfen. Menschen einen Ort bieten, an dem sie sich anvertrauen dürfen, sich nicht bewertet fühlen und heilen können. Stattdessen fühlte sie sich getrieben – zwischen Therapiesitzungen, Anträgen, Berichten und Rechnungen für Krankenkassen. Ihr wurde klar, dass sie etwas anders machen wollte, Therapie und das ganze System revolutionieren. So wurde die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit zum Auslöser für einen großen hoffnungsvollen Schritt, als sie von der Therapeutin zur Gründerin wurde.

Gemeinsam mit ihrem Mitgründer startete sie 2014 mit einer großen Vision „Junge & Kollegen“. Die Idee: ein Praxiskonzept, in dem jede*r macht, was sie*er am besten kann. Therapeut*innen sollen therapieren und ein Praxisteam sich um alles andere kümmern. Die Bürokratie zu bezwingen, ist in Praxen häufig etwas, dass die Therapeut*innen selbst übernehmen. So sollten die Patient*innen die Chance für schnelle Hilfe bekommen – von Therapeut*innen, die genau zu ihrer Lebenssituation passen. Oft warten Menschen sonst lange Zeit auf eine geeignete Therapie, obwohl sie akuten Bedarf haben. Im ganzen System sind so viele Hürden für Patient*innen und Therapeut*innen. Miriam und ihr Team versuchten, sie alle auf einmal aus dem Weg zu räumen und den Zugang zu Therapie zu erleichtern:

„Außerhalb unserer Großstadtblase haftet an Therapie noch immer ein Stigma. Dabei sind wir alle ‚krank‘ und Hilfe ist etwas Positives. Es liegt aber auch an strukturellen Problemen wie der Bürokratie der Krankenkassen, fehlenden Kassenzulassungen für Therapeut*innen und einem Mangel an Praxen in ländlichen Gebieten“, sagt Miriam.

Was voller Energie begonnen hatte, änderte sich schleichend. Miriam fand in dem Start-up nicht die Erfüllung, die sie sich so sehr gewünscht und erwartet hatte. Sie und ihr Mitgründer drifteten bei der Frage über die Vorstellungen für ihr gemeinsames Unternehmen immer weiter auseinander. Das große Vorhaben, mit ihrem Praxiskonzept das Therapiesystem ein Stück weit zu revolutionieren, kam viel schneller an einen kritischen Punkt als gedacht, erzählt Miriam. „Am Ende sind wir an der Frage Skalierung versus Qualität gescheitert. Wir beide haben als Mitgründer*innen an unserer jeweiligen Seite festgehalten und keinen Weg gefunden, beides gut zu vereinen. Die Wertebasis und das Vertrauen sind dadurch gekippt. Damit hatte ich vor der Gründung nicht gerechnet.“

Fotos: Nora Tabel

Irgendwann wird Miriams Gefühl im Bauch immer stärker und die Luft zum Atmen immer knapper. „Ich habe mein Postfach aufgemacht und hatte Angst davor, E-Mails zu öffnen, ich konnte nicht mehr schlafen und hatte erste Anzeichen einer depressiven Verstimmung. Mir war klar, dass ich handeln muss.“ Sie verlässt das Start-up, ohne genauen Plan und mit vielen emotionalen Verletzungen, die sie erst einmal verarbeiten musste: „Ich habe so lange in einer Situation verharrt, von der ich wusste, dass sie nicht mehr gut für mich ist. Und habe dabei mein Bauchgefühl, die Idee von dem, was mir wichtig ist und wo ich hinwill, verloren. Ich bin von der Gründerin zur Patientin geworden. Ich brauchte selbst Hilfe, um meinen inneren Kompass wiederzufinden.“

Miriam steht erst einmal vor einem großen Rätsel. Mit externer Hilfe lernt sie, stärker in sich reinzuhören, sich bewusst zu machen, was sie will, wo ihre Erfolge liegen, wie sie arbeiten will. „Nicht so streng zu mir zu sein, also dieser liebevolle Umgang mit mir selbst, das gelingt mir noch gar nicht so lange. Das habe ich nach der Gründungszeit und in der Therapie gelernt. Eine Nachsichtigkeit mit mir zu entwickeln und mich zu fragen: Du handelst doch nach bestem Wissen und Gewissen, warum bist du dann so streng mit dir, wenn etwas nicht funktioniert? Mittlerweile sehe ich immer auch den Grund, warum Dinge nicht funktionieren. Ich habe mir zum Beispiel vorgenommen, drei Mal die Woche laufen zu gehen. Das klappt nicht, weil ich manchmal einfach keine Lust habe. Aber das ist auch völlig ok. Diese Erkenntnis hat mein Leben total entschleunigt.“

Heute sitze ich vor einer Frau, die am 30. März ihr erstes Buch „Kleine Schritte mit großer Wirkung“ veröffentlicht. Es steckt viel drin, was Miriam mit den Jahren selbst erfahren hat. „Ich habe Routinen entwickelt, die mir helfen, mir meine Themen bewusst zu machen. Und die mir heute die Energie geben, mich schneller von Menschen oder Umfeldern zu lösen, die Kraft rauben. Als Therapeutin würde ich sagen, ich habe gelernt mich abzugrenzen. Genau das wollte ich weitergeben in meinem Buch.“

Inzwischen kommen Menschen vor allem zum Coaching zu Miriam und nicht zur Therapie. Warum der Zugang zu Coaching scheinbar vielen leichter fällt, möchte ich von ihr wissen: „Menschen kommen zu einem Coaching, weil sie glauben, dass es sie leistungsfähiger macht. Am Ende machen wir auch hier einen Deep Dive. Aber das Schöne ist, dass es beim Coaching, anders als in der Therapie, weniger um die Vergangenheit als vielmehr um die Zukunft geht. Man verharrt weniger im Schmerz, sondern in der Freude auf Neues – und die haben wir in der Hand.“

Die Zukunft. Ein Sehnsuchtsort, den wir alle in uns tragen. Weil wir mit der Zukunft die Hoffnung verbinden, dass alles dort besser werden könnte. Zumindest, wenn wir aktiv daran arbeiten, wird es stimmen.

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