Foto: Redaktion

Praktikum, ade! Wie du es schaffst drei Monate lang nicht gekündigt zu werden

Drei Monate Praktikum bei EDITION F sind einfach verflogen. Und obwohl mir die Zeit so kurz erscheint, habe ich einiges gelernt!

Auf Wiedersehen!

Irgendwann in den ersten Wochen meines Praktikums wurde die Frage in das Büro der Redaktion geworfen, was wir unserem 18–jährigen Ich gern mit dem auf den Weg geben würden. Mein recht alberner Rat war, mir eine gute Handyhülle zuzulegen und gewisse Typen nicht zu treffen. Die anderen sprachen darüber, welche Unsicherheiten sie sich rückblickend gern genommen hätten oder was sie bei ihren redaktionellen Praktika gern schon gewusst hätten: Niemand würde sich an kleine Fehler erinnern, die einem selbst wie ein riesiger Fauxpas vorgekommen waren, man solle sich selbst nicht unter so viel Druck setzen und keine Angst haben, nicht gut genug zu sein und jede Möglichkeit, jede Chance solle man ruhig ergreifen, denn: Was könne schon schief gehen?

Das waren alles ziemlich kluge, ermutigende Gedanken. Trotzdem fragte ich mich, ob das gerade ein rhetorischer Kniff war, eine versteckte Botschaft an mich, mir nicht so viel Stress zu machen. Hatte ich diese Worte gebraucht? Wirkte ich so unsicher? Die Sätze, die in dem Moment ein geistiges Stirnrunzeln bei mir auslösten, sind jetzt genau die Ratschläge, die ich meinem drei Monate jüngerem Ich gerne mitgeben würde.

Das habe ich in den vergangenen drei Monaten gelernt:

Bring dich ein

Vielleicht kommst du schon mit lauter Ideen ins Praktikum und weißt ganz genau, worüber du schreiben willst. Vielleicht begegnet dir auch mit der Zeit ein Thema, an dem du unbedingt arbeiten willst oder ein Mensch, mit dem du gern einmal sprechen würdest. Mach das! Die Redaktion von EDITION F hat mir die Möglichkeit dazu gegeben, mich auszuprobieren und meine Ideen unterstützt. Und du kommst ja auch mit einem bestimmten Wissen oder einer besonderen Leidenschaft her – trau dich ruhig genau das anzugehen, finde kleine Lücken und füll sie mit deinen Worten!

Beweg dich aus deiner Bubble heraus und lass dir ruhig neuen Input geben

Im ersten Moment kann es ganz schon überfordernd sein mit der gesamten Wucht an Mails und Themen in deinem Postfach umzugehen. Da werden sicherlich Begriffe fallen, die du noch nie gehört hast … Endometriose, was bist du? Themen, in die du dich noch nie so recht eingelesen hast und Dinge, zu denen du noch keine richtige Meinung hast. Lass dich davon nicht abschrecken. Es ist eine tolle Möglichkeit selbst neue Perspektiven einzunehmen, auch wenn das manchmal nicht deine Expertise ist. Nimm dich Themen an, die dich interessieren und lern etwas dazu. Es gibt so viele gute Texte und Bücher zu lesen und ein Teil davon wird sich in deinem Postfach und im Bücherregal tummeln. Nutze das!

Lass dir Zeit für manche Themen, arbeite an anderen mit Deadline

Es ist cool die Zeit zu haben, sich intensiv in ein Thema einzuarbeiten, richtig viel Herzblut mit hinein zu schreiben oder sogar den ganzen Text nochmal umzukrempeln und neu aufzusetzen. Daran lernst du ganz viel für dich und deine eigene Schreibpraxis. Aber man kann Sätze auch zerdenken. Probiere dich auch an Themen aus, die eine Deadline haben. Es kann unglaublich produktiv sein, wenn du ein wenig Zeitdruck im Nacken hast. Klar, das braucht man nicht immer – aber wenn etwas fertig werden muss, kann man so kleine Schreibblockaden wegschreiben.

Hör zu und lass dir Feedback geben

Du bist von ziemlich vielen wahnsinnig klugen Menschen umgeben. Das ist ein Einfluss, den du auf jeden Fall wahrnehmen solltest. Sei es in Gesprächen über ihre Berufserfahrung, ihren Werdegang oder bei spannenden Diskussionen. Hör zu, es gibt so viel zu lernen! Nimm auch das Feedback an, das du für deine Arbeit bekommst. Ein anderer Blickwinkel lohnt sich immer und bringt dich nur weiter! Und auch wenn du immer noch ein wenig kryptisch schreibst und deine Überschriften nicht so richtig fetzen wollen: Teamwork ist Dreamwork! Lass dir da ruhig helfen – und erinnere ich dich vielleicht bei jedem neuen Schreiben wieder daran, was Silvi, die Redaktionsleiterin, dir mal gesagt hast: Schreib so, als würdest du mit deiner besten Freundin sprechen!

Nutze Möglichkeiten und spring über deinen Schatten

Trau dich aus deiner Komfortzone zu gehen. Manchmal ist das im Kleinen auch mal ans Telefon zu gehen, manchmal ist das aber auch ein Interview, das du dir vielleicht auf den ersten Blick gar nicht zu getraut hast. Ein bisschen Herzklopfen hier und ein bisschen Nervosität da ist ja nicht unbedingt etwas Schlechtes!

Fehler zu machen ist überhaupt nicht schlimm

In deinem Praktikum wurde dir kein Mal der Kopf abgeschlagen, noch lag irgendwann die Kündigung auf dem Tisch, obwohl du ein, zwei Mal gedacht hast: „Jetzt ist es soweit.“ Weißt du, warum das nicht passiert ist? Weil es vollkommen in Ordnung, ist Fehler zu machen. Du bist schließlich Praktikantin und hier, um etwas zu lernen. Dass dabei nicht immer alles glatt läuft, ist vollkommen normal. Und während für dich ein Weltuntergang dem nächsten folgt – weil mal hier die Schriftart nicht stimmt oder weil du dies vergessen hast oder diese eine Frage im Interview irgendwie doch nicht ganz so klug war – haben deine Kolleg*innen das bereits vergessen. Klar, willst du zuverlässig sein und eine Bereicherung fürs Team, aber ihnen liegt ja auch viel daran, dass du einen Lernprozess im Praktikum hast und der geht eben nicht ohne kleine Fehlerchen hier und da.

Fragen, Fragen, Fragen

Stell Fragen, wenn du dir unsicher bist. Hake nochmal nach, wenn du das Gefühl hast, irgendetwas nicht richtig mitbekommen zu haben oder wenn du etwas einfach noch nicht verstanden hast. Auch das gehört dazu. Dabei musst du dir auch überhaupt nicht dumm vorkommen oder schwer von Begriff – viele Abläufe sind bei deinen Kolleg*innen einfach schon drin und dass es Zeit braucht, bis du dich auch reinfindest, ist nur natürlich. Deswegen nimm dir die Zeit, die du brauchst und lass dir Dinge ruhig zwei oder drei Mal erklären!

Und

Zerschlag das Patriachat, egal wo du bist.

Die letzten drei Monate waren mit lauter Erfahrungen gespickt, die ich so noch nie gemacht habe. Ich durfte mich kreativ einbringen, mich ausprobieren und eben genau das machen, worauf ich Lust hatte. Wenn Praktika nicht aus Kaffee kochen und Kopieren gehen bestehen, sondern eche Verantwortung auf die Praktikantin übertragen wird, hat das natürlich auch Momente, die etwas unsicher zurücklassen. Das gehört dazu. Aber ich habe gelernt mich nicht von meiner eigenen Unsicherheit einschüchtern zu lassen.

Neben dem vielen Grübeln über Worte, Sätze und Grammatikfehlern, habe ich – und das ist vielleicht irgendwie doch das wichtigste – viel gelacht. Es ist so viel wert, sich in einem Team wohl zu fühlen.

Und auch wenn ich mich manchmal wie eine etwas peinliche Journalistin einer Romcom gefühlt habe, hatte ich nie das Gefühl in der Redaktion von Miranda Priestly aus der Teufel trägt Prada zu sitzen.

Liebe EDITION F, danke für die schöne Zeit bei euch! Vielleicht lest ihr ja nochmal was von mir (und wenns ein Kommentar auf eurer Facebook-Seite ist <3)!

Hinweis der Redaktion

In unserer Redaktion ist ab dem 1.2.2019 wieder eine Praktikumsstelle frei. Um mehr
zu erfahren oder dich zu bewerben, wende dich gern über editorial@editionf.com an unsere Chefredakteurin Teresa Bücker.

Mehr bei EDITION F

Das Ende der „Generation Praktikum“? Weiterlesen

Praktikum? Was für ein unbezahlter Schwachsinn. Weiterlesen

Die 8 besten Arbeitgeber für Praktikanten. Weiterlesen

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.