Ragnhild Struss: „Die Hälfte der Menschen ist unglücklich mit ihrem Job“

Kund*in
She's Mercedes
Autor*in
Edition F studio
GesponsertShe's Mercedes

Für den Newsletter von She’s Mercedes hat EDITION F-Gründerin Nora sich mit Ragnhild Struss darüber unterhalten, wieso wir nur dann erfolgreich und glücklich sein können, wenn wir im Einklang mit unserer Persönlichkeit arbeiten.

Den Stärken und Fähigkeiten entsprechend handeln

Ragnhild Struss war 24, gerade am Ende ihres BWL-Studiums, als sie eine Freundin zur Berufsberatung begleitete und ihr klar wurde: Der Prozess, einen Job zu finden, der zu einem passt, müsste ganz anders funktionieren. Sie beschloss, selbst Berufsberaterin zu werden. Karrierecoach, wie man heute vielleicht eher sagt.

2003 gründete sie ihre Beratungsfirma und hilft seitdem Menschen, ihren individuellen Stärken und Fähigkeiten entsprechend zu leben und zu handeln – beruflich und persönlich. Dabei macht sie etwas, was wir selbst gar nicht mehr können – sie sieht ihre Kund*innen als „unbeschriebenes Blatt“. Wie ein Origami-Papier, das sich zu einer Vielzahl an Formen entwickeln kann.

Ihre jüngsten Kund*innen sind gerade mal 15 Jahre alt. Aber es kommen auch viele Mittdreißiger oder Mittvierziger in unterschiedlichsten Positionen, die sich verändern wollen, sowie ganze Unternehmen zu ihr. Sie alle eint eines: die Suche nach dem Job, der ganzheitlich zu ihrer Persönlichkeit passt.

Herausfinden, in welchem Beruf sich eine Person entfalten kann

„Innerhalb unserer Persönlichkeitsanalyse nutzen wir eine Kombination verschiedener psychodiagnostischer Testverfahren sowie ein tiefgreifendes Interview unserer Kund*innen. So decken wir ganz viele unterschiedliche Facetten eines Menschen auf, die alle zusammen sein individuelles Wesen ausmachen: Eigenschaften, Talente, Temperament, Werte, Motivatoren und viele weitere. Es ist diese einzigartige Mischung, die offenbart, in welchem Beruf sich eine Person am besten entfalten kann.“

Interessen werden in ihrem Ansatz außen vor gelassen: „Interessen sind immer eine Frage der Gelegenheit. Kommt ein musikalisch begabter Mensch beispielsweise niemals mit Instrumenten in Berührung, wird er womöglich diese Neigung nie an sich entdecken. Oft ergeben sich Interessen einfach durch den Einfluss des sozialen Umfelds.“ Sicherlich, erklärt Ragnhild, könnten da auch mal ,Zufallstreffer‘ dabei sein, aber vermutlich gebe es andere Themen, die einen noch viel mehr interessieren würden. „Deshalb blicken wir tiefer: auf den Wesenskern, der weniger abhängig von äußeren Einflüssen ist und somit eine viel größere Aussagekraft besitzt.“

Foto Florian Wenningkamp
Nichts soll ablenken: Ragnhild konzentriert sich ganz auf den Menschen, der vor ihr sitzt. Foto Florian Wenningkamp

Einen Raum für eigene Gedanken

Die Hamburger Räumlichkeiten von Struss & Claussen sind unheimlich aufgeräumt. Corporate-Gebäude, Fahrstuhl, zweites Stockwerk, nahezu steril sieht es aus. Empfangstresen, lange Flure, Clean-Desk-Policy, kaum Kunst – wenig, das mir etwas über die Menschen erzählt, die hier arbeiten.

Schon binnen Minuten wird aus meinem ersten Eindruck eines unterkühlten Büros etwas ganz anderes. Ragnhilds Empathie und ihre Gesprächsführung verwandeln die vermeintliche Kälte in Konzentration. Nicht einmal fühle ich mich während des Treffens durch ein Detail abgelenkt. Alles hier ist auf die Persönlichkeit des Gegenübers fokussiert, diese Haltung erklärt die Gestaltung des Büros. Jedes Bild erzeuge Assoziationen, sagt Ragnhild, sie aber wolle für sich, das Team und die Kund*innen vor allem einen Raum für eigene Gedanken ohne Befangenheit möglich machen.

Einzig ein Bücherregal in ihrem Büro verrät, was Ragnhild häufig macht: Lesen. Keine Romane, sondern Coachingliteratur, Ratgeber, Bücher rund um Psychologie. Ragnhild ist ständig auf der Suche nach neuem Input. Konferenzen, Bücher, Gespräche. Alles, was sie tut, sagt sie, sei auch ein großes Hobby. Anderen zu helfen, ebenso den Beruf zu finden, der zu ihnen passt, darum geht es ihr.

Der eigenen Intuition zu vertrauen, ist zu einer Herausforderung geworden

Wer hier zu einem Gespräch kommt, hat den ersten Schritt schon gemacht, hat sich getraut, intensiver zu hinterfragen: Welche Persönlichkeit habe ich? Ein Schritt, den viele nie machen, erzählt mir Ragnhild: „Es ist laut um uns herum, denn unzählige Stimmen prasseln jeden Tag auf uns ein. Auf sich selbst zu hören und der eigenen Intuition zu vertrauen, das ist zu einer Herausforderung geworden.“

Wenn wir jung sind, meinen unsere Eltern oft genau zu wissen, was das Beste für uns ist. Und wenn wir erstmal Abitur haben, ist ein Studium die einzige logische Konsequenz. Haben wir dann mal einen Status erreicht, ist es unüblich, den persönlichen Sinn dem sicheren Gehalt vorzuziehen. Aber wie es ihnen selbst dabei geht, das fragen sich wohl nur wenige Menschen wirklich konsequent. „Über 50 Prozent der Menschen sind meiner Einschätzung nach unglücklich mit dem, was sie machen. Doch viel zu wenige machen sich auf den Weg, herauszufinden, ob ihr Job wirklich zu ihrer Persönlichkeit passt“, sagt Ragnhild.

Mit 30, spätestens 40 stelle sich meist das Gefühl ein, wir seien „fertig“, erzählt sie, wir haben uns für einen Job entschieden, sind da angekommen, wo wir wohl ungefähr bleiben werden. Doch nicht nur seien wir viel zu fremdbestimmt, wenn es um die Job-Wahl gehe, sondern auch unsere Werte würden sich oftmals mit den Jahren wandeln:

„Es lohnt sich, sich regelmäßig und bewusst Zeit zu nehmen und sich zu fragen, ob wir das machen, was wir gerne tun. Ganz einfach ist das nicht. Wenn du dein inneres Betriebssystem kennenlernen möchtest, mach dich auf den Weg. Es kostet Zeit und Kraft, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.“

Für jeden Menschen gibt es den perfekten Job

Ragnhild wirkt in allem, was sie sagt, sehr aufgeräumt. Kaum vorstellbar, dass sie auf eine Frage keine Antwort weiß. „Mein größtes Geschenk ist, dass ich innerlich sehr klar bin, das war immer so. Auch meine Visionen und Werte haben sich kaum verändert.“ Doch so gehe es den wenigsten Menschen, weiß sie. Diesen Weg mit ihren Kund*innen zu gehen, das treibt sie an. Ihre Überzeugung: „Für jeden Menschen gibt es zu jedem Zeitpunkt den perfekten Ort und Job.“

Ragnhild Struss: „Mein größtes Geschenk ist, dass ich innerlich sehr klar bin.“ Foto Florian Wenningkamp

Ragnhilds professioneller und analytischer Blick scheint nie zu pausieren. Von der ersten Minute an habe ich das Gefühl: Sie liest mich. Nicht auf eine unangenehme Weise, sondern auf eine wertvolle. Eigentlich sitze ich ihr gegenüber, um mehr über sie zu erfahren, aber ihr Job passt so sehr zu ihrem Wesen, dass sie auch jetzt im Analysemodus bleibt.

Für die 40-Jährige ist das Nachforschen, ob andere gerade da stehen, wo sie aufgrund ihres Wesens hinpassen, Beruf und Berufung geworden: „Wir können nur dann erfolgreich und glücklich sein, wenn wir in Kongruenz mit unserer Persönlichkeit arbeiten, weil wir in keinem anderen Setting effizienter sein können. Es ist ein selbst-anregendes System, wenn wir etwas tun, was uns beflügelt und wir uns zusätzlich weiterentwickeln können. Das wünschen sich doch alle Menschen für sich.“

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Fünf Tipps von Ragnhild Struss: Wie finde ich heraus, was zu meiner Persönlichkeit passt?

1. Zeit. Ohne Zeit geht gar nichts. Es ist ein bewusster Prozess, bei dem du dich selbst hinterfragen musst. Dabei hilft es vor allem, Gedanken schriftlich festzuhalten. Leitfragen können sein: Wer bin ich, wenn andere nicht hinsehen? Worauf bin ich stolz? Was fällt mir leichter als anderen? Was und wen brauche ich, um mich wohlzufühlen?

2. Vision. Es hilft, sich immer wieder über die eigene Vision Gedanken zu machen. Groß zu denken. Frage dich: Was könnte ich tun, wenn alles möglich wäre? Wenn weder Angst noch Geld eine Rolle spielen? Wenn ich jeden Support hätte, den ich mir wünsche? Was verleiht meinem Leben Sinn – beruflich, privat, spirituell?

3. Messbare Zahlen. Leite aus deinen Visionen konkrete Schritte und Ziele ab, um den Weg vor Augen zu haben. Zu einem späteren Zeitpunkt kannst du dann sehen, welche Milestones du bereits erreicht hast.

4. Thema des Jahres. Wir tendieren dazu, uns viel zu viel aufzuladen, wenn wir Dinge „schon mal anpacken“. Um das zu vermeiden, kannst du das nächste Jahr unter ein Dach von drei Themen stellen. Dies sind dann deine drei Fokusthemen oder Werte, die dich durch das Jahr leiten können.

5. Rückschau und Kontinuität. Wenn wir aufschreiben, was uns durch den Kopf geht, können wir auch gut zurückblicken. Was lief super? Wo habe ich mich noch nicht wohlgefühlt? Wir sollten kontinuierlich dranbleiben, wenn wir glücklich mit uns bleiben wollen.

Alle Fotos von Florian Wenningkamp

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