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Sophie Chung: „Aufgeben ist keine Option“

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Sophie Chung denkt die Gesundheitsbranche neu: Mit ihrem E-Health-Startup Qunomedical verbindet sie Patient*innen mit Ärzt*innen und macht so mehr Unabhängigkeit und Gerechtigkeit möglich – bei Beratungs-, aber auch Behandlungsleistungen. Nora-Vanessa Wohlert von EDITION F hat mit Sophie Chung darüber gesprochen, warum es so wichtig ist, die eigene Komfortzone immer wieder links liegen zu lassen.

Aufgeben ist keine Option

Minus 33 Grad, 15 Kilo auf dem Rücken, 15 Kilo auf dem Schlitten hinter ihr, 6.168 Höhenmeter. In diesem Sommer bestieg Sophie Chung den Gipfel des Denali, den höchsten Berg Nordamerikas und nördlichsten Berg der Welt über 5.000 Meter. Er befindet sich in Alaska. Sophie war nur 250 Meter vom Polarkreis entfernt.

„Zwei Mal einatmen, zwei Mal ausatmen, ein Schritt. Die Luft ist fast zu dünn, um überhaupt noch zu atmen”, erzählt mir Sophie. Die meisten Bergsteiger nutzen jetzt ein Sauerstoffgerät, Sophie nicht, ihre Lunge muss es allein schaffen. Dort oben gibt es nur sie und unglaubliche Weiten von Eis, Schnee und Gletschern. Niemand unmittelbar neben ihr, mit dem sie reden könnte. Und das für Stunden. 17 Tage lang. Mit ihrer Bergsteiergruppe lagert sie auf schmalem Raum, für Trinkwasser wird der Schnee geschmolzen. Alles, was sie hier oben braucht, trägt sie selbst auf dem Rücken: die Ausrüstung, Essen, Gaskocher. Der Berg ist sehr schwierig zu besteigen, hier darf nur hoch, wer viel Erfahrung hat.

Sophie wuchs in Linz auf, die Berge immer um sich herum. Doch hier oben ist die 34-Jährige eine Seltenheit, denn der Denali wird meist von Männern bestiegen. Nur die Hälfte der Bergsteiger*innen schafft es überhaupt zum Gipfel. Viele kehren um. Schon über 100 Menschen verloren beim Aufstieg ihr Leben. Als während der Expedition einer von den drei Bergführern plötzlich aufgeben muss, schluckt auch Sophie. „Es war ein eigenartiges Gefühl, zu sehen, dass einer unserer Bergführer die Höhenkrankheit erwischte und er sich nicht davon erholen konnte. Aber diese Weite und Ruhe hier oben gaben mir zu viel, um jetzt aufzugeben. Aufgeben ist für mich keine Option. Und wenn es keine Option ist, dann geht es auch immer irgendwie weiter.“

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Monatelang trainierte sie für den Aufstieg, nahm zu, um die Ausrüstung tragen zu können. Wenn Sophie vom Berg spricht, hat sie eine unglaublich ansteckende Energie. Während unseres Gesprächs glaube ich sogar einmal kurz, ich könnte das auch. Dabei geht mir in der Regel schon beim Drei-Kilometer-Lauf die Puste aus.

Herausforderungen annehmen und meisten

Sophie kennt das Gefühl, unterschätzt zu werden. Ihre Eltern kamen in den 80er Jahren aus Kambodscha nach Österreich, in der Schule war sie das einzige Kind aus Asien. Als erwachsene Frau bildete sie eine Ausnahme in den Männerdomänen der Medizin, Unternehmensberatungen und Startups. Doch das spielte für sie nie eine Rolle, sie sieht es eher als positive Herausforderung: „Ich weiß, wo ich stehe und was ich kann. Ich steige sehr sachlich in Diskussionen ein und versuche, fachlich und inhaltlich zu überzeugen. Wenn ich es schaffe, einen einzigen Mann zum Hinterfragen seiner Vorurteile und zum Umdenken zu bewegen, dann habe ich für dieses Meeting das erreicht, was ich erreichen wollte.“

Als Klassenbeste macht sie ihre Matura, das österreichische Abitur, und studiert anschließend Medizin in Wien, mit Aufenthalten in China und den USA. Danach arbeitet sie vier Jahre in der Beratung bei McKinsey, wo sie auch ihre Bergsteigertruppe kennenlernt. Anfang 2013 zieht es Sophie nach New York in die Startup-Welt, sie wird die rechte Hand des CEO von ZocDoc, einem erfolgreichen E-Health-Unternehmen. Zwei Jahre später folgt dann der Schritt zum eigenen Unternehmen: Mit ihrem Startup Qunomedical verbindet sie heute weltweit Patient*innen und Ärzt*innen miteinander. Auf ihrer Seite fragen monatlich 7.000 Menschen Ärzt*innen an, um weniger zu zahlen, als in ihrem Umfeld üblich – oder um Spezialist*innen zu finden, die es in ihrer Region nicht gibt. Sophies Erfolgsrezept? „Um am Ball zu bleiben, telefoniere ich jeden Tag persönlich mit Nutzer*innen. Nur so versteht man als Gründerin, was die Kund*innen wirklich beschäftigt.”

Sophie fordert: Mehr Gerechtigkeit im Gesundheitssystem

Sie möchte ein gerechteres Gesundheitssystem schaffen: „Viele Menschen warten lange auf Termine bei Ärzt*innen und können einige Leistungen gar nicht erst bezahlen. Das wollen wir ändern.“ Das Spektrum sei breit, sagt mir Sophie. Haartransplantationen in der Türkei seien beliebt, aber auch Zahnarzttermine in Polen oder Herzklappen-Operationen. Das Geschäftsmodell ist simpel: Nicht die Patient*innen, sondern die Ärzt*innen und Kliniken zahlen eine Bearbeitungsgebühr.

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Um die Finanzierung für Qunomedical zu bekommen, musste Sophie mit über 100 Investor*innen sprechen. „Man sollte den Mut nicht verlieren, weil es allen Gründer*innen so geht. Ich weiß von vielen, die mit noch viel mehr Geldgeber*innen sprechen mussten. Es tut gut, zu wissen, dass man nicht alleine ist. So funktioniert einfach das Spiel des Gründens.“

Wie sie dabei mit Herausforderungen und Rückschlägen umgegangen ist, möchte ich von ihr wissen: „Mir hat es immer geholfen, dass ich zu 100 Prozent von unserem Produkt überzeugt war. Investorensuche ist wichtig – als Gründer*in sollte ich mich aber auch immer fragen, ob ich meine Zeit in etwas investiere, das die Welt wirklich braucht. Baue ich da etwas, womit ich Menschen helfen kann? Jeden Tag zu sehen, dass wir Anklang finden, das hat mir immer viel Energie gegeben. Und das ist auch nach wie vor mein Hauptantrieb und der Grund, warum ich den Mut nie verloren habe.

Das Dranbleiben zahlte sich aus: Zu ihren Investor*innen zählen heute unter anderem das Berliner Venture-Capital-Unternehmen „Project A“ und die bekannte Startupschmiede „500 Startups“ aus Kalifornien. In der letzten Finanzierungsrunde sammelte Qunomedical 1,8 Millionen Euro ein. Sophie ist Hauptgründerin.

Vor Sophies Expedition waren es vor allem die Geldgeber*innen, die sich sorgten, was wohl passieren würde, wenn sie so lange weg sei. Für den Notfall kam deshalb ein Satellitentelefon mit nach Alaska. Minutenlang dauerte die Übertragung kürzester Nachrichten. Der Notfall blieb glücklicherweise aus. Ganz im Gegenteil: Der diesjährige Mai, der Monat von Sophies Expedition, war einer der besten Monate in Qunomedicals Geschichte. Aufatmen.

Und trotzdem liegt der Grund für Sophies Bedürfnis, regelmäßig aus der Komfortzone auszubrechen, auf der Hand. Normalerweise kreisen ihre Gedanken permanent um ihr Unternehmen: „Ich sage immer: Gründerin zu sein ist der beste Job, den ich je hatte. Aber es ist auch der härteste, den ich mir vorstellen kann. Ich bin pausenlos unterwegs und muss an alles denken.“

Ständige Reflexion als Weg zu sich selbst

Diese Verantwortung ist nicht immer leicht: „Du bist die letzte Person, die alle Entscheidungen trifft. Auf dich schauen alle. Deine Mitarbeiter*innen haben hohe Erwartungen an dich, ebenso wie deine Investor*innen und dein soziales Umfeld. Und nicht zuletzt ist da auch noch dein eigener Anspruch an dich selbst. Das ist ein unheimlich großer Druck und es ist kein Zuckerschlecken. Es gibt auch viele schlechte Tage, an denen ich mich selbst und das, was ich mache, infrage stelle.“

So ist Sophie auf ihren Abenteuern auch immer die Sophie, die hinterfragt, ob das Leben Zuhause noch das ist, das sie so liebt. Für das es sich lohnt, jeden Morgen aufzustehen und zu kämpfen. Wenn man wochenlang so abgekoppelt von der Welt ist, ohne Laptop, bei minus 30 Grad, mit 30 Kilo Gepäck, man stundenlang nicht spricht, dann denkt man anders nach über die Dinge.

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„Als der Empfang während des Rückflugs vom Basislager auf dem Kahiltna Gletscher zum Ausgangsort Anchorage zurück war, fing mein Handy an zu piepsen. Ich entschied mich ganz bewusst, erst im Hotel einen Blick darauf zu werfen. Die letzten Minuten weit weg von meinem Leben zuhause gehörten nur mir und dem Eis. Als ich dann spürte, wie ich mich wieder auf die Arbeit und Zuhause freute, wusste ich, dass ich gerade alles richtig mache.“

Fünf Tipps von Sophie Chung: Wie finde ich neue Inspiration?

1. Direkt mit den Kund*innen sprechen. Wer täglich im Austausch mit seinen Kund*innen ist, merkt am besten, was diese wollen und bekommt viel Inspiration für die Produktentwicklung.

2. Private Zitate festlegen. Die sind bei jedem sehr individuell. Bei mir ist es das Bergsteigen und das Training als Ausgleich zur geistigen Aktivität.

3. Sich mit Dingen umgeben, die außerhalb der eigenen Blase sind. Wenn man sich in einer bestimmten Branche oder Szene bewegt, bekommt man wenig neuen Input. Deshalb lohnt es sich, über den eigenen Horizont zu blicken, um die Realität da draußen zu sehen.

4. Zeit mit der Familie. Meine Familie holt mich immer zurück, indem sie Dinge hinterfragt, die für mich normal sind, wie beispielsweise mein hohes Arbeitspensum.

5. Grenzsituationen ausprobieren. Im Alltag leben wir meistens in unserer Komfortzone. Für mich ist es jedoch enorm wichtig, regelmäßig an meine Grenzen zu gehen, um das Leben zu kalibrieren.

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