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8 Dinge, die für Frauen auf dem Weg zur Führungsposition wirklich wichtig sind

Autor*in
Kathleen Jaedtke

Die unsichtbare Barriere

Der Frauenanteil in den Vorständen von DAX-Unternehmen hat sich zwar in den letzten fünf Jahren verdoppelt, lag 2018 jedoch immer noch bei lediglich 13,8 Prozent. Als einer der Gründe dafür wird häufig das Phänomen der gläsernen Decke genannt: eine unsichtbare Barriere, die Frauen daran hindert, in Führungspositionen aufzusteigen, obwohl formal alle Voraussetzungen erfüllt sind. Auch wenn vor allem gesellschaftliche und politische Veränderungen notwendig sind, um diese Hürde abzubauen, können Einzelne ebenfalls etwas dafür tun, im Job weiterzukommen:

1. Geht neue Herausforderungen an, bevor ihr bereit dafür seid

Wer sich für einen neuen Job oder eine neue Aufgabe bewirbt, will sich zumeist vorher ganz sicher sein, dass sie die Sache auch mit Bravour meistert. Das ist einerseits natürlich löblich, kann aber auch verhindern, dass sie an Herausforderungen wächst. Ganz gleich, ob es um eine Beförderung geht oder darum, ein neues Projekt zu leiten oder eine Idee vorzustellen: nicht zögern. Denn erfolgreiche Menschen warten nicht darauf, dass die Sterne günstig stehen, um Herausforderungen zu meistern. Keine Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser!

2. Nobody is perfect

Für viele Menschen ist Erfolg die logische Konsequenz von Perfektion – bloß keine Nervosität zeigen. Doch auch herausragende Führungspersönlichkeiten stolpern oder scheitern ab und zu. Der Erfolg einer Führungskraft hängt vielmehr davon ab, wie sie mit solchen Rückschlägen umgeht. Wer keine Fehler macht, kann auch nicht aus ihnen lernen. Und dieser Lernprozess findet nicht nur auf der fachlichen Ebene statt, sondern bildet auch die Persönlichkeit, lässt Menschen selbstbewusster mit schwierigen Aufgaben umgehen und hilft ihnen, herauszufinden, wo ihre Talente liegen.

3. Es ist genug Erfolg für alle da

Wer Diversität und Inklusion in Unternehmen kritisch sieht, unterliegt dem Irrtum, dass es eine begrenzte Menge an Erfolg, Autorität, Wertschätzung und Einfluss gibt und dass zunehmende Chancengleichheit auf Kosten der Männer geht. Doch die Forschungzeigt, dass gemischte Teams bessere Leistungen bringen und Unternehmen mit einer vielfältigeren Belegschaft höhere Umsätze erzielen. Laut der McKinsey-Studie ist der Effekt in Deutschland besonders deutlich: Hiesige Unternehmen mit einem hohen Anteil weiblicher Führungskräfte im Topmanagement sind sogar doppelt so häufig überdurchschnittlich erfolgreich.

4. Eigenes Schubladendenken hinterfragen

Auch im 21. Jahrhundert teilen Menschen andere noch immer unterbewusst in Kategorien und Gruppen ein, davor ist niemand gefeit. Beispielsweise hat sich gezeigt, dass Entwicklerinnen in der Tech-Branche etwa auf Recruiting-Veranstaltungen häufig übergangen werden, wenn es um technische Fragen geht. Und fast jede Frau in einer Führungsposition wurde bereits einmal für eine Assistentin gehalten. Wir greifen alle unterbewusst auf solche Kategorisierungen zurück und es ist schwer, diese zu ignorieren. Viel wichtiger ist es, sich dessen bewusst zu sein und dahingehend die eigenen Entscheidungen und Verhaltensweisen immer wieder zu hinterfragen: bei der Stellenausschreibung, bei der Auswahl von Bewerber*innen oder bei Terminen auf Networking-Events.

5. Die Messlatte hoch legen

Werden Frauen nach ihren Zielen gefragt, erläutern sie häufig den unmittelbar nächsten Karriereschritt. Diese Denkweise steht in einem starken Kontrast zu Männern, die eher langfristige Karriereziele in Führungspositionen benennen. Das ist einer der Gründe, weshalb es Women@HubSpot gibt. Das Programm leitet Initiativen, um Frauen in der Tech-Branche zu unterstützen, bei ihrer Karriereentwicklung zu beraten und auf Vorstandspositionen hinzuarbeiten. Doch was können Frauen darüber hinaus noch tun? Sie können die vielen Beispiele und Vorbilder aufzeigen, die es heute schon gibt und so andere inspirieren und ihren Ehrgeiz wecken. Und vielleicht wandelt sich dann auch die Vorstellung der Menschen, wie eine typische Führungskraft aussieht.

6. Hinfallen, aufrappeln, weitermachen

In jeder Laufbahn gibt es auch einmal stürmische und schwierige Zeiten – harsche Kritik, ungünstige Teamkonstellationen oder auch heikle unternehmenspolitische Situationen. Und obwohl die meisten erfolgreichen Führungspersönlichkeiten von derartigen Geschichten erzählen können, kommt es denjenigen im Auge des Sturms häufig vor, als wären sie allein auf der Welt nicht in der Lage, die aktuelle Herausforderung zu aller Zufriedenheit zu meistern. Das kann verunsichern und zu Selbstzweifeln führen. Darum ist es gerade in solchen Situationen besonders wichtig, sich die Rückmeldung von Vertrauenspersonen einzuholen: Was ist die eigentliche Ursache? Inwieweit sind Schwierigkeiten im Team, der Planung und der eigenen Person relevant? Wer sich in solchen Situationen der Herausforderung nicht entzieht, sondern aktiv daran arbeitet, sie zu überwinden, der gewinnt sowohl an Resilienz als auch an Respekt.

7. Ein starkes Netzwerk aufbauen

Der Ausdruck ,Netzwerk = Nettowert‘ gilt als Klischee, doch es steckt ein wahrer Kern darin. Ein umfangreiches und belastbares Netzwerk hilft nicht nur dabei, das eigene Unternehmen, sondern auch die persönliche Karriere voranzubringen. Dabei zeigt sich, dass Frauen eine intensivere Netzwerkstruktur benötigen, um beruflich voranzukommen. Genau wie ihre männlichen Kollegen brauchen Sie zwar auch möglichst viele und unterschiedliche Kontakte. Doch wer als Frau in Vorstandspositionen gelangen will, benötigt auch einen kleinen Kreis aus engen (weiblichen) Vertrauten.

Warum? Ein großes Netzwerk verschafft Männern und Frauen gleichermaßen schnellen Zugang zu vielfältigen Arbeitsmarktinformationen, beispielsweise wer einstellt, welche Gehälter in verschiedenen Unternehmen angeboten werden oder wie lange es bis zur Beförderung dauert. Doch Frauen, die nach Führungspositionen streben, stoßen noch immer auf eine größere Zahl kultureller und politischer Hürden als Männer. In einem engen Kreis können vertraute Kontakte laut einer aktuellen Studie tiefgehende Informationen über die Einstellung einer Organisation zu weiblichen Führungskräften austauschen, um passende Strategien für die Stellensuche, Einstellungsgespräche und Verhandlungen zu entwickeln. Neben den Kontakten aus Studium und Arbeitsplatz helfen dabei auch spezielle Karrierenetzwerke für Frauen.

8. Zeigt, was ihr draufhabt

Häufig steht das Tagesgeschäft im Vordergrund – zu Recht, schließlich bildet es die Existenzgrundlage. Doch sollten sich Frauen ab und zu Zeit dafür nehmen, die eigenen Erfolge zu kommunizieren und das persönliche Know-how zu bewerben. Wichtig sind dabei vor allem regelmäßig aktualisierte Referenzen, Blogbeiträge über zentrale Themen der Branche und gepflegte Profile in den sozialen Netzwerken. Im Ergebnis positionieren Frauen sich so als Vordenkerinnen und Expertinnen auf dem jeweiligen Gebiet und verbessern zugleich ihre Chancen auf eine Führungsposition.

Fazit

Die gläserne Decke existiert noch immer in vielen Branchen, doch die Generationen vor uns haben bereits dafür gesorgt, dass sie durchlässiger geworden ist. Frauen müssen dabei jeweils einen eigenen Weg finden, damit umzugehen. Doch eine Sache möchte ich allen ans Herz legen: Erfahrungen mit anderen zu teilen, zu zeigen, was funktioniert und was nicht, und dazu zu inspirieren, die gläserne Decke weiter abzubauen.

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