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„So wie du bist, bist du richtig!“ – Ein Brief an mein jüngeres Ich

In ihrer Twentysomething-Kolumne schreibt Silvia über alles, was ihr gerade durch den Kopf geht. Und diese Woche darüber, dass sich mit dem 30. Geburtstag nichts ändert, in den Jahren davor aber schon eine Menge.

Fast 30, wahrscheinlich nie weise und doch um ein paar Erkenntnisse reicher

Was soll ich sagen: Diese Woche erscheint tatsächlich meine letzte Twentysomething-Kolumne für EDITION F, denn am Wochenende werde ich mich von meinen Zwanzigern verabschieden – und die Dreißiger umarmen. Und nachdem ich nun immer wieder gefragt werde, wie denn so die letzten Tage als offizieller Jungspund sind, hier meine Antwort: In den letzten Wochen und Monaten ändert sich (Überraschung) nicht viel, aber in den letzten Jahren hat sich natürlich einiges getan. Zeit, ein kurzes Resümee zu ziehen. Hier sind ein paar Worte an mein jüngeres Ich Anfang 20 – und an alle, denen es heute vielleicht ähnlich geht:

Immer schon hast du den Mut zu stürmen, zu fragen und zu verlangen – und doch haderst du auch ganz viel. Mit dir, mit der Welt, damit, ob es den richtigen Platz für dich in ihr gibt und ob du so richtig bist, wie du es eben bist. Ob das genügt, was du in Herz und Hirn hast, ob dich das irgendwann erschlägt, was du in deinem kleinen Rucksack mit dir rumschleppst, manchmal abgibst, manchmal eintauschst und manchmal wieder auflädst. Natürlich fragst du dich das alles, denn die Zukunft ist ungewiss, und das bleibt sie auch. Sie ist es aber ganz besonders, wenn man in einer kleinen Welt aufwächst, in der die Grenzen meist nicht viel Platz für Fantasie lassen. Das Gute daran: Das Leben kümmert das nicht und so wird es dich noch ganz oft überraschen.

Es ist gut, dass du immer wieder mit Karacho gegen Grenzen rennst und testet, wie viel sie aushalten und ob du nicht doch stärker bist. Es ist gut, dass du diese tiefe Sehnsucht im Herzen trägst, die dich immer wieder fragen lässt, was es da draußen noch alles zu entdecken gibt, was da hinten, am Horizont, noch wartet, das du von hier nicht sehen kann. Denn irgendwann wirst du losmarschieren, angetrieben von der Neugierde auf Mehr, und deinem Leben so einen neuen, aufregenden Kurs geben. Und das hättest du nicht gemacht, wenn du zuvor nicht dauernd an reale, emotionale und gedankliche Mauern gestoßen wärst, die dich haben so unwohl fühlen lassen.

Denn deine Sorgen, deine Ängste und deine vielen Fragen sind kein Zeichen dafür, dass du falsch tickst oder irgendwo nicht reinpasst, sie sind dein Antrieb, um dahin zu kommen, wo du hingehörst. Richtig zu sein ist ebenso ein Mythos wie falsch zu sein – natürlich wirst du nie allen gefallen, wirst Dinge tun und sagen, die anderen aufstoßen, Dinge, die dir im Nachhinein selbst total idiotisch vorkommen. Du wirst dich tausend Mal auf die Schnauze legen, einstecken müssen, selber austeilen. Aber das gehört zum Spiel dazu. Du bist, wer du bist und das ist ziemlich grandios so. Mit allen Macken, Patzern, mit jeder Laufmasche, jedem Haarwirbel, jedem Talent, jedem unpassenden Wort und Lacher, mit jedem so richtigen Wort und Lacher und mit all den Menschen, die du in dein Leben holst und wieder gehen lässt, und jedem Ort, den du für dich erkundest auf der Suche danach, wo es sich richtig gut anfühlt. Sei dir sicher, auf dich wartet so viel Tolles, so viel Lachen, Liebe und schönes Leben.

Aber wie soll das gehen, fragst du dich, wenn du nun vor so vielen Aufgaben und Herausforderungen stehst, die dir oft fast unüberwindbar scheinen. Nun, du wirst sie alle meistern und erhobenen Hauptes deinen Spielstein ein Feld weiterschieben. Auch dann, wenn du erst einmal eine Runde aussetzen musst. Und nichts, absolut nichts, was du mit Anfang Zwanzig machst, ist unumkehrbar. Du bist genau jetzt zu nichts anderem da, als dich auszuprobieren, zu fallen und wieder aufzustehen – und sollte es dir mal allzu schwer scheinen, dann wird immer eine Hand da sein, die nach dir greift. Genauso, wie du nach vielen Händen greifen wirst, denn schon bald wirst du merken: Genau diese Ängste, Sorgen und Herausforderungen teilst du mit so vielen, die dir wichtig sein werden – weil sie eben dazugehören.

Und diesen Platz, von dem du träumst, den gibt es – denn genau da bist du heute, ein paar Jahre später. An einem guten Ort, der für dich gemacht ist, umgeben von tollen Menschen. Doch auch dort angekommen, wirst du die Lust am Suchen und am Fragen noch lange nicht ablegen, denn da draußen ist noch immer so viel, das darauf wartet, entdeckt zu werden.

Meine Kolumne läuft natürlich weiter und wird künftig (Tadaaa!) mit den Irrungen und Wirrungen des Thirtysomething-Lebens bespielt. Was sich dann doch alles ändert? Ich werde es erfahren und ihr dürft gerne mitlesen – ich freu mich!

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