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Warum immer mehr Frauen brustkrebsgefährdet sind und wie wir vorsorgen können

Kund*in
Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe
Autor*in
EDITION F studio
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Immer mehr und immer jüngere Frauen erkranken an Brustkrebs, jährlich sind es in Deutschland rund 70.000. Trotzdem sind viele Frauen nicht ausreichend über Vorsorgeuntersuchungen aufgeklärt. Wieso das so ist und was wir dagegen tun können, darüber haben wir mit der Ärztin Dr. med. Cornelia Herbstreit vom Brustzentrum im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe gesprochen.

Wieso erkranken immer mehr (junge) Frauen an Brustkrebs?

Brustkrebs ist die am häufigsten auftretende Krebsart bei Frauen und im Vergleich zu anderen Arten tritt sie sehr viel früher auf. 30 Prozent der Betroffenen sind unter 55 und es werden mehr. Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, was allerdings sehr selten vorkommt. Für den Ausbruch von Brustkrebs kann es sehr unterschiedliche Gründe geben, was dazu führt, dass in der Regel nicht eindeutig geklärt werden kann, durch was eine Erkrankung letztendlich ausgelöst wurde. Es gibt aber Faktoren, die das Risiko, Brustkrebs zu bekommen, erhöhen. Dabei sprechen wir von hormonell bedingtem Brustkrebs, da dies die häufigste Form ist und Hormone sehr stark von äußeren Faktoren beeinflusst werden. „Hormone spielen eine entscheidende Rolle. Immer mehr junge Frauen haben einen hohen BM

I (Body Mass Index), was zu mehr körpereigenem Östrogen führt und damit das Risiko erhöht. Einige Studien zeigten, was bereits fünf Kilo Gewichtsveränderung im Hormonhaushalt auslösen. „Da braucht es viel mehr Aufklärung“, sagt auch Cornelia Herbstreit, leitende Ärztin im Brustzentrum des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe.

Allgemein ist auch Ernährung ein großes Thema. „Die Östrogen-Mast bei Tieren ist ein großes Problem, weil man damit zusätzliche Hormone aufnimmt. Da geht es nicht nur um Fleisch, sondern allgemein um tierische Produkte, vor allem auch um Milch.“ Schon 2004 erschien das Buch „The China Study“, das Krebserkrankungen und tierische Produkte in Verbindung bringt. Auch die Harvard University Studie „Milk, dairy intake and risk of endometrial cancer: a 26-year follow-up“ beschäftigt sich mit den langfristigen Zusammenhängen von hormonbelasteter Milch und Krebserkrankungen.

Cornelia Herbstreit während einer Untersuchung. Quelle: Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

Frauen haben häufig eine vierfache Belastung

Es sind allerdings nicht nur Faktoren wie eine vermehrt pflanzliche Ernährung und ausreichend Bewegung, die einen gesunden Hormonhaushalt unterstützen können. Die Belastung, der Frauen ausgesetzt sind, ist oft eine vierfache. „Mutter sein, Karriere machen, Eltern pflegen und die Freizeitplanung unter einen Hut zu bekommen, ist eine große Aufgabe. Wir brauchen in dieser Hinsicht also eine bessere Aufgabenverteilung. Die Verantwortung für so viele Bereiche zu übernehmen, ist für viele Frauen sehr belastend, was dann auch wieder das Immunsystem überfordert.“, so Cornelia Herbstreit. Ein weiteres Problem sieht sie darin, dass viele Frauen zu wenig Schlaf bekommen, wenn sie Mutter werden – etwa da sie in einer Partnerschaft meist immer noch diejenigen sind, die aufstehen, wenn das Baby schreit oder aber sie vielleicht auch alleine in der Verantwortung sind, ein Kind großzuziehen. Auch darauf aufmerksam zu machen, was Stress physisch auslösen kann, gehört zu einer guten Aufklärung, sagt Herbstreit.

Apropos Aufklärung

Cornelia Herbstreit hat auch eine beruhigende Nachricht: „Brustkrebs muss nicht lebensbedrohlich sein, wenn es eine gute Früherkennung gibt.“ Dafür essentiell ist die Selbstuntersuchung. „In über 70 Prozent der Fälle wird Brustkrebs durch die Frauen selbst erkannt.“ Je besser die allgemeine Aufklärung darüber ist, desto früher kann Krebs erkannt und behandelt werden, was dann auch die Heilungschancen enorm verbessert. Wenn Aufklärung also ein Lebensretter ist, fragt man sich: Wieso werden junge Frauen dann nicht viel früher aufgeklärt? Wieso ist das richtige Abtasten einer Brust kein Thema an Schulen? „Da müsste viel mehr passieren. Die Aufklärung müsste an Schulen und auch bei Lebenspartnern viel stärker stattfinden. Auch andere Fachärzte könnten mehr darauf achten. Wenn eine Frau beispielsweise oben ohne beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt sitzt, könnte er auf eventuell verdächtige Anzeichen an der Brust aufmerksam machen.“

Es gibt also definitiv Verbesserungsbedarf. Muss hier im Zweifelsfall auch die Sorgfalt von (Frauen)Ärzten in Frage gestellt werden? Sollten Ärzte nicht im Allgemeinen aktiver darauf hinweisen, dass Frauen sehr regelmäßig zur Vorsorge gehen und verstärkt daran denken, dass Frauen genau wissen, wie sie sich selbst abtasten können und Veränderungen bemerken? „Aus Gesprächen höre ich immer wieder heraus, dass viele Patientinnen nicht gut Bescheid wissen. Der Appell zur Selbstuntersuchung findet nicht so häufig statt, wie er sollte“, sagt die leitende Ärztin Cornelia Herbstreit. Ein noch größeres Problem sehe sie allerdings in anderen Ländern, in denen Brustkrebs oder die weibliche Brust an sich ein Tabuthema ist. Dann sei die Aufklärung noch wichtiger, weil sich Frauen im Zweifelsfall aus Scham gar nicht mit ihren Brüsten beschäftigen würden.

Wie eine gute Vorsorge aussieht

Neben Untersuchungen beim Arzt, sollten sich Frauen Zeit für das Abtasten nehmen: „Beide Brüste anschauen und auch die Arme nach oben nehmen – mit ausreichend Licht vor dem Spiegel können sich Eindellungen, Streifen oder andere Veränderungen häufig erkennen lassen.“ Das regelmäßige Abtasten durch einen Arzt sollten Frauen natürlich trotzdem nicht verpassen und den Arzt im Zweifelsfall auch selbst darauf hinweisen und einfordern, dass sich jemand Zeit dafür nimmt, die richtige Selbstuntersuchung ausführlich zu erklären.

Als weitere Untersuchung ist zunächst ein Ultraschall sinnvoll, was bei Verdacht auch durch Krankenkassenleistungen abgedeckt wird. Im nächsten Schritt, sollte man mit seinem Arzt auch über eine Mammographie sprechen. Die Kernspintomographie wird allerdings nicht übernommen, gleichwohl wenn eine Empfehlung vom Brustzentrum vorliegt und auch Dr. Herbstreit erachtet sie in manchen Fällen für wichtig. „Sie kann dabei helfen, zu erkennen, ob noch ein zweiter oder dritter Knoten da ist. Bisher werden solche Untersuchungen dann vom Brustzentrum oder Krankenhaus übernommen. Die Kassen sind damit aus der Pflicht, es beschwert sich aber auch keiner. Man hat sich damit irgendwie arrangiert.“ Wie notwendig das Erstellen einer Kernspintomographie im Einzelfall ist, dazu scheint zwischen Ärzten und Krankenkassen ein gewisses Misstrauen zu herrschen. „Die Krankenkassen haben natürlich Angst vor teuren Verfahren, weil häufig auch viele unnötige Untersuchungen gemacht werden.“

Es hat sich aber auch viel getan in den letzten Jahren. Nicht zuletzt steigt die Anzahl der dokumentierten Brustkrebserkrankungen auch dadurch, dass immer mehr und immer kleinere Brustkrebse überhaupt erst erkannt werden. „Die Qualität und auch die Technik der Untersuchungen ist viel besser geworden“, sagt Herbstreit. Mehr Fokus liegt mittlerweile auch nicht nur auf der medizinischen Begleitung, sondern auch auf der seelischen. Im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wird von den Ärzten Wert darauf gelegt, sich Zeit für Gespräche zu nehmen, in denen sie versuchen, die Lebenssituation der Betroffenen zu erfassen, sie auf ihrem Weg mitzunehmen und darüber aufzuklären, dass Brustkrebs gut heilbar ist, wenn er früh erkannt wurde. „Für Frauen ist das natürlich eine Schockdiagnose. Ein erstes, langes Gespräch ist gut investierte Zeit, weil es als Basis für die weitere Begleitung dient. Wir stehen für eine integrative Medizin, die auch geistige und seelische Aspekte einschließt.“ Für sie ist ganz klar: Frauen müssen das auch einfordern können. Und eine Behandlung darf nicht nur eine funktionelle sein.

Es ist ein Bewusstsein da, es darf aber auch noch wachsen. Dafür gibt es jährliche unterstützenswerte Aktivitäten wie den Aktionstag „Ich bin dabei! – Brustkrebs: Verstehen. Früh erkennen. Klug behandeln“ oder die des Vereins Brustkrebs Deutschland e.V. mit vielen Informationen und einem Veranstaltungskalender mit weiteren Terminen und Aktionen zum Thema. Aber auch neben diesen Aktionen ist es wichtig, über das Thema zu sprechen und sich bewusst zu machen, wie wichtig eine gute Aufklärung zum Thema Brustkrebs ist.

Cornelia Herbstreit im Gespräch. Quelle: Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe
Das Gynäkologie-Ärzteteam des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe. Quelle: Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

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