Foto: Madeleine Alizadeh

Madeleine Alizadeh: „Man kann die Ablehnung gegen Geflüchtete fühlen“

Die Bloggerin Madeleine Alizadeh hat gerade ein Video veröffentlicht, in dem sie zu mehr Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen aufruft. Wie sie konkret Hilfe leistet, hat sie uns erzählt.

„Ich kenne die Flüchtlingsthematik aus eigener Erfahrung“

Aktuell fragen sich viele, was man tun könnte, um bei uns ankommenden Geflüchteten zu helfen. In Österreich ist das nicht anders. Auch die Bloggerin Madeleine Alizadeh von Daria Daria hat sich ihre Gedanken gemacht und nun mit einem Video zu mehr Mitmenschlichkeit aufgerufen. Was sie dazu bewegt hat und wie sie konkret Hilfe leistet, hat sie uns erzählt.

Madeleine, du hast ein Video veröffentlicht, in dem du zu mehr
Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen aufrufst. Warum war jetzt der Zeitpunkt, um das Thema auf diese Weise anzugehen?

„Als halbe Iranerin kenne ich die Flüchtlingsthematik aus Erzählungen von meinem Vater, der damals vielen Flüchtlingen geholfen hat, aus dem Iran zu fliehen. Auch bei uns zu Hause lebten Flüchtlinge, als ich noch kleiner war. Als ich dann begann, regelmäßig in das heillos überfüllte Lager in Traiskirchen zu fahren, habe ich die Notwendigkeit einer Initiative gesehen.“

Wie waren die Reaktionen auf dein Video?

„Größtenteils positiv. Es war schon der ein oder andere Kommentar dabei wie: ‚Kümmer dich lieber wieder um Mode’ oder ‚du bist eine Schminktussi, dir geht es nur um Klicks’. Aber das  ind gerade einmal 0,1 Prozent aller Kommentare. Die meisten reagierten wirklich positiv und es haben sich auch extrem viele Leserinnen und Leser gemeldet, die nun aktiv mithelfen.“

Wie sieht die Situation für Flüchtlinge in Österreich und auch in dem von dir angesprochenen Traiskirchen aus? Gibt es da eine Art Willkommenskultur oder sind die Leute skeptisch?

„Ich lebe in Wien, Traiskirchen ist etwa 30 Kilometer außerhalb. Es ist die ‚Erstaufnahmestelle’, die für 2000 Personen Platz bietet, momentan sind jedoch über 4500 Menschen dort. Die Anrainer teilen sich in hilfsbereite aber auch ablehnende Menschen. Als ich dort war und mit syrischen und afghanischen Familien am Straßenrand gepicknickt habe, hat sich ein Auto ganz penetrant dicht an uns gestellt und einfach so laut gehupt. Man fühlt schon sehr viel Ablehnung. Ich kann nachvollziehen, dass es nicht einfach ist, dort zu wohnen, aber wir müssen uns in die Situation dieser Menschen versetzen.“

Viele wollen helfen, wissen aber nicht so recht, wo sie anpacken oder wem man seine Unterstützung anbieten soll. Engagierst du dich?

„Ich fahre mehrmals die Woche nach Traiskirchen und spreche mit den Leuten vor Ort. Ich mache Listen mit Namen und Telefonnummern und bringe dann Dinge, die sie brauchen. Viele benötigen ärztlichen Beistand, deswegen organisiere ich gerade Farsi und Arabisch sprechende Ärzte, die ich mitnehme. Diesen Samstag werden wir auch mit einer Familie schwimmen fahren  – so bietet man ihnen etwas Abwechslung im ansonsten tristen Tagesablauf.“

Wie würdest du folgenden Satz beenden: Wenn wir alle etwas mehr Solidarität zeigen würden, dann…

„… würden wir merken, wie sehr Verbundenheit nicht nur das Leben anderer, sondern auch das eigene Leben bereichert.“

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Silvia hat von 2014 bis zum Herbst 2019 für EDITION F gearbeitet, zunächst als freie Journalistin, dann als Redakteurin und seit dem Jahr 2017 als Redaktionsleiterin. Seit Oktober ist sie freie Autorin und Kolumnistin und schreibt auf EDITION F weiterhin ihre Kolumne „Thirtysomething“. Im März 2019 erschien im Goldmann-Verlag ihr erstes Buch: „A Single Woman: Ein Plädoyer für Selbstbestimmung und neue Glückskonzepte“. Foto: Jennifer Fey

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