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Auf Twitter veranschaulichen Userinnen, wie sexistisch über Autorinnen geschrieben wird

Auf Twitter schreiben unter dem Hashtag #dichterdran überwiegend Frauen über berühmte Schriftsteller, wie sonst Literaturkritiker*innen häufig über Schriftstellerinnen schreiben – klischeeüberladen und herabwürdigend.

„aufgeschrecktes Reh mit sinnlichen Lippen“

Auf Twitter trendet ein Hashtag, mit dessen Hilfe User*innen auf die Sexualisierung von Frauen in der Literatur aufmerksam machen. Durch die Tweets unter #dichterdran wird deutlich, wie häufig Schriftstellerinnen auf ihren Körper, auf ihr Aussehen und auf ihr Alter reduziert werden, statt ihre Leistungen und beruflichen Erfolge hervorzuheben.

So schreiben überwiegend Twitter-Userinnen kurze Literaturkritiken über berühmte Schriftsteller wie Jean-Paul Sartre, Arthur Miller oder James Joyce sowie zeitgenössische Autoren wie Frank Schätzing und Sebastian Fitzek. Bei ihren Kritiken thematisieren sie mit Humor deren Lebensumstände, welche Kleidung sie tragen und dass sie im Schatten ihrer Frauen stünden, ohne die sie nie zum Erfolg gekommen wären.

So fragt eine Userin den deutschen Schriftsteller Frank Schätzing, welche Körperpflegeprodukte er verwende, weil er für sein Alter so gut aussehe. Katia Mann hingegen wird dafür gepriesen, dass sie erfolgreich die Fabriken ihres Vaters leitete, während ihr Ehemann Thomas Mann sich um die Kinder kümmerte und nebenbei Bücher schrieb.

Den Anstoß für den Hashtag gab Nadia Brügger, Journalistin und Doktorandin an der Uni Zürich. Auf Twitter beschwerte sie sich über eine Buchrezension in der Schweizer Zeitung Tages-Anzeiger. Ein Literaturkritiker beschrieb in seinem Text die Autorin Sally Rooney als „aufgeschrecktes Reh mit sinnlichen Lippen“. Rooney ist eine mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichnete Bestsellerautorin aus Irland.

Für Journalistin und Buchautorin Simone Meier sowie Regisseurin und Autorin Güzin Kar war das Anlass genug, die Hashtag-Aktion zu starten. Ihre Kritik richtet sich nicht nur gegen diese eine Buchkritik. In einem Interview mit dem SRF erzählt Kar, dass sich ihre Kritik gegen den sexistischen Mechanismus richte, der dahinterstecke. Auch abseits der Literaturwelt kämen Frauen ständig mit diskriminierenden Strukturen in Berührung. „Dieser Mechanismus muss immer wieder im Auge behalten werden“, sagt sie.

Der Originaltext von Philipp Kienzl ist bei unserem Kooperationspartner ze.tt erschienen. Hier könnt ihr ze.tt auf Facebook folgen.

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