Foto: Rod Long 57 | Unsplash

Ich habe mein Leben mit 50 noch einmal komplett verändert und gelernt: es ist nie zu spät

Ich war Anfang 50 als ich aus dem Ausland zurückkam und mit leeren Händen da stand – mein Mann hatte die Familie verlassen und meine Ausbildung war nicht mehr gültig. Heute leite ich mein eigenes Restaurant und arbeite an weiteren Projekten.

Zu alt für etwas neues? So ein Quatsch!

Wie so viele Erfolgsgeschichten beginnt auch diese im tiefen Tal der Tränen und ich erzähle sie, um anderen „älteren” Frauen Mut zum Neuanfang zu machen: Ja, es ist anstrengend, aber es geht!

Nach mehreren Jahren im Ausland mit der Familie sind wir auf Wunsch der Kinder nach Deutschland zurückgekehrt. Außer mir alle frohlockend – ich hatte viele Freunde und fühlte mich zuhause dort. Kurz nach unserer Rückkehr hat mein Mann sich von unserer Familie getrennt und ich sah mich gezwungen, schnell wieder zu arbeiten.

Der Anfang war holprig

Die erste Kontaktaufnahme mit dem Arbeitsamt war ernüchternd: durch die Auslandsjahre ist meine Ausbildung quasi verfallen. Ich war zu lange nicht sozialversicherungspflichtig in meinem Beruf tätig und galt deshalb als ungelernte Kraft auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Immerhin bot man mir eine IHK-Prüfung für einen ähnlichen Abschluss an, die ich nach sechs Monaten Vorbereitungszeit bestand.

Während dieser Zeit bekam ich aus dem Bekanntenkreis des öfteren zu hören: „Bist du nicht zu alt dafür?”, „Wie willst du denn mit den 20-Jährigen konkurrieren?” und „Selbst wenn du die Prüfung schaffst, als 50-Jährige bekommst du doch sowieso keine Stelle”. Einige wenige anerkennende Unterstützerinnen gab es auch, diesen sei hier gedankt! Und geschafft habe ich es auch.

Zugegeben, von meiner jetzigen Arbeitsstelle habe ich durch Netzwerken erfahren, aber ich habe sie aus eigener Kraft bekommen und nicht nur die Probezeit überstanden, sondern mich auch schnell weiterentwickelt – als ältere Frau hat man den 20-Jährigen nämlich durchaus etwas entgegen zu setzen!

Nochmal etwas wagen

Nach drei Jahren Vollzeit-Tätigkeit und dem schleichenden Gefühl nichts mehr dazuzulernen, habe ich mich entschlossen, meiner Leidenschaft für’s Kulinarische zu folgen und mein eigenes Restaurant zu eröffnen – und wieder bin ich auf die Alters-Barriere gestoßen: der Kleinkredit, den ich zur Ausstattung benötigt hätte, wurde mir versagt. Mit dem Mikromezzaninfond handele es sich zwar um einen Kredit für benachteiligte Minderheiten (Ausländer*innen und Frauen), aber ältere Frauen könne man leider dennoch nicht berücksichtigen.

Also habe ich das Budget zusammengestrichen, mir den maximalen Dispokredit besorgt und den Rest in der Familie zusammen geliehen. Ich konnte mein Konzept verwirklichen. Um den Kindern weiterhin finanzielle Sicherheit bieten zu können, habe ich die Vollzeitstelle beibehalten und das Restaurant abends und am Wochenende geführt, was natürlich eine enorme Belastung war. Im Laufe des ersten Jahres konnte ich dann auf eine 3-Tage-Woche reduzieren und auf lange Sicht möchte ich mich ganz auf das Restaurant konzentrieren können.

Das Konzept des Restaurants (natürlich hergestellte Lebensmittel, traditionelle Rezepte) bringt mich mit unglaublich interessanten, inspirierenden Menschen zusammen, sowohl auf der Produzenten-, als auch auf der Gäste Ebene. Menschen, denen ich ansonsten niemals begegnet wäre und die mein Leben enorm bereichern. An dieser Stelle möchte ich allen „älteren” Frauen, die vor einem Scherbenhaufen stehen, sagen: es ist nicht zu spät für einen Neuanfang, lasst euch  das nicht einreden!

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