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Das hier wäre eigentlich ein Kommentar

Mütter verschwinden innerhalb der Corona-Krise peu à peu aus dem öffentlichen Diskurs. Auch unsere Chefredakteurin.



Hier hätte ein Text gestanden. Wenn ich Zeit und Energie dafür gehabt hätte. Ich hätte aktuelle Studien eingeordnet, den Doppelstandard zwischen Spitzenpolitikern und Spitzenpolitikerinnen analysiert, über Solidarität innerhalb der Corona-Krise geschrieben.

Aber, wie die meisten anderen Mütter, schaffe ich es gerade nicht. Seit Monaten schaffe ich weniger, denn meine Hauptaufgabe ist es, mich um mein Kind zu kümmern. Das ist politisch so gewollt. Erwerbstätige Mütter tragen die Hauptlast der Krise.

Und ich sehe, wie es anderen Müttern ähnlich geht. Autorinnen, die auch Mutter sind, schreiben mir: „Ich würde so gern über diese miserable Familienpolitik schreiben. Aber wann? Ich falle abends todmüde ins Bett.“ Und ich sehe, wie stattdessen immer mehr Männer Kolumnen verfassen. Wie die Experten, die zur Krise sprechen, Männer sind.

Wissenschaftlerinnen reichen weniger Beiträge ein, Autorinnen schreiben weniger, viele nur noch auf Twitter, wenn überhaupt. Die Perspektive von Müttern fehlt innerhalb der Krise – dabei bräuchten wir sie heute mehr denn je.

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Mehr zum Unwohlsein der modernen Mutter lest ihr in diesem Buch: „Das Unwohlsein der modernen Mutter“, beim Rowohlt Verlag erschienen am 21.4.2021, 256 S., 14.95 Euro.

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Mareice Kaiser setzt sich für einen Journalismus ein, an dem alle teilhaben können, an dem alle beteiligt sind und in dem alle vorkommen – seit März 2020 als Chefredakteurin bei EDITION F. Ihre Themen: Inklusion, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, Chancengerechtigkeit.

  1. Beim Lesen dieses Beitrags beschleicht mich eine Vision….
    Weiße, alte, aber durchaus auch jüngere Männer nehmen verstärkt die Zügel in die Hand und wollen uns die Welt und die aktuelle Situation erklären, ebenso wie ein Gesundheitsminister, der selbst keine Kinder hat….
    Warum das so ist?
    Weil sie Zeit haben, soviel wie noch nie zuvor.
    Durch Home-Office, veränderderte Arbeitssituation und die aktuellen Gegebenheiten haben Männer viel mehr Zeit, zu reflektieren und ihre Erkenntnisse unters Volk zu werfen, wie auch immer.
    Bitte nicht falsch verstehen, es gibt sie auch, die Männer und Väter, die sich die Familienaufgaben redlich teilen, aber sie waren und sind immer noch die Ausnahmen.
    Kinder- und Hausaufgabenbetreuung z.B.sind die „fragwürdigen“ Privilegien der Mütter, die in der Regel den gleich Arbeitsalltag zu bewältigen haben wie die Männer, eben auch im heimeligen Home-Office.
    Nur wuppen sie nebenher noch den schreienden Nachwuchs, der inzwischen völlig berechtigt seine ganz eigenen Probleme hat….was tun wir unseren Kindern an?
    Was tun wir uns alle an, uns Frauen, die verstummen, die versacken in Kinder, Küche, Kochtopf und die ihre klugen Ideen jetzt ins E-Learning der Kinder stecken.
    Und keine Aussicht auf Besserung, das Chaos ist perfekt.
    Der Mensch braucht ein Ziel, eine Hoffnung und eine große Liebe,las ich einmal und das stimmt.
    Hoffentlich klappt das wenigstens mit der großen Liebe, die uns unterstützt,und uns die Zeit und Möglichkeit gibt, unsere Gedanken und Ideen auszudrücken und gleichberechtigt mit dem Partner diese Zeit erfolgreich zu überstehen.
    Ich bin übrigens 71 Jahre alt.

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