„Wir brauchen unternehmerisches Denken in zivilen Bereichen und zivilgesellschaftliche Courage im Unternehmer*innentum“

„Alles anders“ ist unser Podcast zum Thema Arbeit. Unsere Head of Partnerships Lana Wittig spricht mit Expert*innen über Diversity, New Work, Parität und Ideen, wie wir Arbeit inklusiv und gerechter denken können. In Folge 7 sind Lisa Jaspers und Naomi Ryland zu Gast.

Starting a Revolution

Ich nehme das Ende der neuesten Folge von „Alles anders“ vorweg: Während wir über eine Stunde sprechen, schläft Lisas kleine Tochter so vorbildlich wie vor ihr kein anderes Baby auf der Welt neben uns. In den letzten Sätzen des Gesprächs wacht sie auf und fängt an zu weinen. Meine alte Dackeldame, die bis dahin so vorbildlich wie vor ihr kein anderer Hund auf der Welt im Nebenraum schläft, wacht wiederum vom Babygeschrei auf und fängt an zu bellen. Naomi, die dabei ist, ihr Abschlussplädoyer zu halten, muss drei mal neu ansetzen. Es ist chaotisch, aber ich liebe es.

Lisa Jaspers und Naomi Ryland haben zwei der bekanntesten Social Businesses des Landes gegründet: tbd* und Folk Days. Im letzten Jahr haben die beiden Freundinnen das Buch „Starting a Revolution – What we can learn from female entrepreneurs about the future of business“ geschrieben. Darin schreiben sie sehr ehrlich über die Herausforderungen, die eine Unternehmensgründung mit sich bringt, über die Hürden, die vor allem Frauen in der Wirtschaftswelt nehmen müssen und darüber, welche unternehmerische Zukunft sie sich wünschen. Sie sprechen außerdem mit vielen anderen female entrepreneurs über deren Gründungsreise und Gedanken zum Wirtschaftssystem in Deutschland und der Welt.

„Ob ich nochmal unter den gleichen Bedingungen gründen würde? Das würde ich mir wünschen, aber meine Erfahrungen waren leider sehr gemischt.“

In unserem Gespräch erzählen die beiden vor allem von ihren eigenen Erfahrungen, die für Naomi nicht nur positiv waren. Sie hatte oft das Gefühl, um in einer männlich dominierten Startup-Welt Fuß zu fassen, müssten sie und ihre Mitgründerin sich verstellen und gegen die eigene Intuition handeln. Ein Gefühl, das sie nach einigen Jahren unglücklich gemacht hat. Mit tbd* probiert sie daher inzwischen viel Neues aus, um herauszufinden, in welcher Art von Organisation sie und ihr Team am besten arbeiten können, sich wohlfühlen und erfolgreich sind. Auch Lisa ist als Unternehmerin an Grenzen gestoßen. Sie hat irgendwann gemerkt, dass sie die Chefin geworden war, die sie selbst nie haben wollte und hat daraufhin begonnen, sich mit alternativen Arten der Führung zu beschäftigen.

Was beide vereint, sind aber nicht nur die Erfahrungen als Gründerinnen, sondern der soziale Aspekt ihrer Firmen. Sie fordern einen Wandel im System: „Es ist so ein Oldschool-Denken, dass es Unternehmen auf der einen Seite gibt und zivilgesellschaftliche Akteure auf der anderen. Das muss aufgebrochen werden. Die Herausforderungen in unserer Welt sind so riesig, dass wir unternehmerisches Denken in zivilen Bereichen brauchen und zivilgesellschaftliche Courage im Unternehmer*innentum“, sagt Lisa.

Mein Fazit nach der Podcastaufnahme: Gäbe es mehr Unternehmer*innen wie Naomi und Lisa, wäre unsere Welt ein ganzes Stück besser. Davon haben sie mich überzeugt. Achso, und „Starting a Revolution“ müsst ihr alle sofort lesen, eh klar.

Anzeige – Ein großer Dank gilt dem Heyne Verlag, unserem Podcast-Partner für diese Folge, bei dem gerade Chandler Baker’s neues Buch „Whisper Network“ erschienen ist. Es geht um sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und – Spoiler – einen Mord. Ein Buch, das ich Thriller-Liebhaber*innen unbedingt ans Herz legen möchte.

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