Foto: ABC Studios

Die Golden Girls: Ihrer Zeit gewaltig voraus

Die Golden Girls waren zu ihrer Zeit revolutionär. Über die Vorbildfunktion der Serie und die die außergewöhnlichen Biografien der Darstellerinnen.

 

Vorgänger von „Girls“

„Thank you for being a friend, traveled down the road and back again, your heart is true, you’re a pal and a confidante …“

Als Kinder der 1980er und 1990er Jahre kann sie wohl jede von uns mitsingen, die Titelmelodie der Golden Girls. Fans der Serie haben die Alltagsgeschichten aus der 4-Frauen-WG so verinnerlicht, dass erst bei näherer Betrachtung auffällt, wie außergewöhnlich diese Serie ist, und wie revolutionär sie zum Zeitpunkt ihrer Erstausstrahlung gewesen sein muss. Es waren diese vier Frauen, die vor 30 Jahren die Fernsehlandschaft revolutionierten und damit einen wichtigen Beitrag leisteten, der den Weg ebnete für Sex And The City, Girls und Co.

Zum einen handelt es sich bei den Protagonistinnen um alleinstehende Frauen jenseits der 50 – nicht gerade der Prototyp dessen, was üblicherweise in der Primetime sowohl in den 80ern als auch heute über den Bildschirm flimmert. Zudem sprechen sie offen über Tabuthemen wie Sex im Alter, Sterbehilfe, Homosexualität, Aids oder Alzheimer. Und das auf eine Weise, die ihr Publikum zum Lachen bringt und ein positives Gefühl hinterlässt. 

Ein Golden-Girls-Moment: Radikale Ehrlichkeit

Wie schon der Text des Titelsongs suggeriert, sind Blanche, Dorothy, Rose und Sophia vor allem gute Freundinnen, die immer zusammen halten und sich auch nach gröberen Auseinandersetzungen spätestens am Ende jeder 30-Minütigen Episode wieder versöhnt in den Armen liegen. Harmonie wird in der Serie groß geschrieben, doch die Darstellerinnen gaben in Interviews immer wieder zu Protokoll, dass ihr Verhältnis privat nicht annähernd so rosarot gewesen sei wie in der Serie. Aber gerade ihr Grundoptimismus gepaart mit einem ordentlichen Schuss Zynismus sorgte sicherlich für den weltweiten Erfolg der vier Ladies. Nach dem Motto: Probleme sind dazu da gelöst zu werden, und wenn nicht alles gut ist, ist es noch nicht das Ende.

Bewegte Biografien der Darstellerinnen

Wer waren die Frauen hinter den Charakteren der zynischen Sophia, der naiven Rose, der abgeklärten Dorothy und der promiskuitiven Blanche? Betty White und Beatrice Arthur waren anfangs die Stars der Serie und die einzigen, die davor schon größere Erfolge als Schauspielerinnen zu verzeichnet hatten. Betty White (Rose) ist das einzige heute noch lebende Golden Girl, durch ihre Rolle als Sue Ann Nivens in der Mary Tyler Moore Show wurde White Mitte der 1970er Jahren bekannt. Als vordergründig adrett-perfekte Hausfrau mit nymphomanischen, hinterfotzigen Zügen schrieb sie dort Fernsehgeschichte. So sollte Betty White ursprünglich auch für die Rolle der Blanche gecastet werden. Zum Glück kam es anders und sie wurde gegen den Strich besetzt und verkörperte fortan Rose, die ihre Umgebung mit absurden Anekdoten aus ihrem Heimatort Sankt Olaf in den Wahnsinn treibt.

Bea Arthur (Dorothy) sammelte als klassische Bühnendarstellerin Erfahrung bevor sie Anfang der 1970er Jahre als Maude Findlay einen Gastauftritt in der beliebten Sitcom All In The Family hatte, ihre Figur wurde so populär, dass man ihr eine eigene Serie namens Maude auf den Leib schrieb. Themen wie Alkoholismus, Depression, Rassismus und Pornografie führten zu kontroversen Reaktionen, einige lokale Fernsehsender boykottierten die Serie. In der Folge Maude’s Dilemma (1972) lässt Maude eine Abtreibung vornehmen, zwei Monate vor der wegweisenden Roe v. Wade-Entscheidung des amerikanischen Supreme Courts, einem Präzedenzfall, der das Recht auf Abtreibung ein für allemal legitimierte. Rue McClanahan (Blanche) und Bea kannten sich schon zu dieser Zeit, Rue hatte während der gesamten Laufzeit von Maude Gastauftritte als Maudes beste Freundin Vivian.

Estelly Getty, die die Rolle von Dorothys Mutter Sophia verkörperte, entdeckte zwar schon früh ihre Liebe zur Schauspielerei, betrieb sie jahrzehntelang aber nur hobbymäßig in Stadttheatern und verdiente ihren Lebensunterhalt als Sekretärin. Dort sammelte sie die Erfahrung, die die polnisch-stämmige Jüdin schliesslich als sizilianische Mamma brillieren ließen. In einem Interview sagte sie später: „Ich habe irische Mütter, jüdische Mütter, italienische Mütter, Südstaaten-Mütter gespielt, Mütter in Stücken von Neil Simon, Arthur Miller und Tennessee Williams – ich war schon jedes Mutter, außer die von Attila, dem Hunnen…“. Rue McClanahan schwärmt in ihrer sehr empfehlenswerten Autobiografie „My First Five Husbands..And the Ones Who Got Away“ vom unschlagbaren Humor ihrer Kollegin Estelle.

McClanahan war ähnlich wie Bea Arthur jahrzehntelang Theaterschauspielerin und schlug sich zu Anfang ihrer Karriere mehr schlecht als recht durch. Mit gelegentlichen Film- und Fernseh-Nebenrollen hielt sie sich einigermaßen über Wasser, arbeitete aber in Hollywood auch als Kellnerin und musste zeitweilig ihren Sohn, den sie sehr jung bekommen hatte, zu ihren Eltern geben, da es in Los Angeles keine Betreuungsmöglichkeiten für ihn gab. Ihre Biografie macht klar, wie steinig der Weg in Showbusiness für eine junge, alleinerziehende Mutter in den 1950er Jahren war. Jahrelang wagte sie es nicht, sich von ihrem dritten Mann, einem gewalttätigen Choleriker, zu trennen. Mit viel Selbstreflexion denkt sie immer wieder laut über das Konzept der Ehe und über die Liebe nach. Sie war eine Kämpfernatur, die auch den Brustkrebs Ende der 1990er Jahre besiegte und schliesslich bei ihrem sechsten Ehemann Frieden fand, bis sie 2010 an den Folgen einer Gehirnblutung starb. Neben ihrem Einsatz für Peta engagierte McClanahan sich bis zu ihrem Tod für die gleichgeschlechtliche Ehe und die Rechte Homosexueller.

Allen vier Frauen gemeinsam war die Passion für ihren Beruf und die unglaublich pointierte Professionalität, mit der sie ihre Charaktere zum Leben erweckten. Bei den Golden Girls konnten sie das Können jahrzehntelanger Berufs- und Lebenserfahrung einem weltweiten Publikum präsentieren.

Geschichte der Serie

Die Entstehungsgeschichte für das Format ist zudem äußerst ungewöhnlich. 1984 gab es im Rahmen einer NBC-Abendshow einen Sketch zweier älterer Damen, die im Rahmen einer Preview die gerade abgedrehte Serie „Miami Vice“ pitchen sollten. Der damalige NBC-Programmentwickler Warren Littlefield hatte eine Idee, er erkannte das Unterhaltungspotential der im TV völlig unterrepräsentierten Rolle der älteren Frau. Für den Piloten konnte Susan Harris als Drehbuchautorin gewonnen werden, eine der erfolgreichsten Schreiberinnen der 1980er Jahre. Auch wenn sie den Autorenstift schon während der ersten Staffel schnell wieder aus der Hand legte, trug sie maßgeblich zur Definition der Charaktere bei.

Ein weiterer wichtiger Kopf hinter den Kulissen war Terry Hughes, der bis zum Ende der fünften Staffel bei fast allen Folgen Regie führte. Er war allen Darstellerinnen freundschaftlich verbunden und sein Ausscheiden 1990 markierte, trotz weiterer zwei Staffeln, den Anfang vom Ende der Serie.

Nach rückläufigen Zuschauerzahlen beschloss Bea Arthur 1992 die Golden Girls zu verlassen, ganz nach dem Motto „Aufhören wenn es am Besten ist“ und verschaffte man ihrer Rolle Dorothy in der finalen Folge ein Happy End in Form einer Hochzeit mit Blanches Onkel Lucas, gespielt von Comedian Leslie Nielsen. Die übrigen drei versuchten sich im Spin-Off-Format Golden Palace, der Erfolg blieb aber aus und es wurde nur eine Staffel gedreht.

Alle Darstellerinnen erhielten für ihre Rollen einen Emmy, die Serie selbst wurde neben dem Emmy auch mit dem Golden Globe und vielen weiteren Preisen ausgezeichnet, bis heute läuft sie in über zwanzig Ländern und inspirierte weltweite Remake-Formate und Theaterproduktionen.

Die Großmütter, die wir werden wollen

Die Golden Girls sind die Großmütter, die wir gerne hätten, die wir gerne wären und die wir gerne werden möchten. Wer nach starken weiblichen Vorbildern sucht und die Golden Girls noch nicht kennt, sollte die Serie unbedingt nachholen. Konflikte lösen, füreinander da ein, stark und unabhängig sein, viel lachen und immer im richtigen Moment ein Stück Käsekuchen im Kühlschrank haben – das und vieles mehr lehrt uns die Serie, die ihrer Zeit weit voraus war.

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