Gute Interviewfragen (ohne Sexismus)

In ihrem Buch „Was Männer nie gefragt werden. Ich frage trotzdem mal“ zeigt Fränzi Kühne den oft sexistischen Umgang mit Frauen in Medien auf. Wir zeigen, welche Fragen Frauen und nicht-binären Personen gestellt werden können, ohne Gender-Klischees.

Wenn erfolgreiche Frauen interviewt oder porträtiert werden, werden oft Fragen gestellt, die Männern nie gestellt werden. Es geht immer um das Aussehen und die Kleidung – welche Handtasche trägt sie, welche Schuhe dazu, wie dezent oder auffällig ist das Auftreten.

Es geht oft um vermeintliche Unsicherheiten – es wird nach Schwächen gebohrt und nach Selbstzweifeln; gerne mit Fragen wie „Sie tragen sehr viel Verantwortung – trauen Sie sich das überhaupt zu?“ Frauen mit Kindern werden immer nach der Vereinbarkeit gefragt, und ob sie nicht ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie die Kinder „so selten sehen“.

All diesen Fragen liegt immer ein gewisser Unterton zugrunde:
Sind Sie sich sicher, dass Sie das hier schaffen?
Haben Sie sich nicht vielleicht übernommen?
Sollten Sie nicht doch lieber mehr Zeit zuhause mit den Kindern verbringen?
Frauen und weiblich gelesene Personen müssen sich ununterbrochen rechtfertigen.

Fränzi Kühne hat als jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands viele Interviews gegeben – und zu viele Fragen gestellt bekommen, die sich um ihr Aussehen drehen oder ihre vermeintliche Unsicherheit im Job. Sie hat all diese Fragen gesammelt und erfolgreichen Männern gestellt – daraus ist ihr Buch “Was Männer nie gefragt werden” entstanden.

Doch es geht ihr nicht nur darum, dass Männer nie nach ihrem Aussehen gefragt werden oder ob sie sich ihren Job eigentlich zutrauen. Es geht darum, dass Frauen in Interviews endlich angemessene, zeitgemäße Fragen gestellt werden sollten.

Wenn ein Interview nicht in einer Modezeitschrift erscheint, sollte es gar keine Kommentierung von Äußerlichkeiten geben. Wenn es nicht explizit ein Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist – zum Beispiel, weil die Frau sich dafür besonders einsetzt und ein Buch dazu geschrieben hat – sollten sich Frauen dazu nicht mehr äußern müssen. Denn es ist klar, dass sich erfolgreiche Menschen den Mental Load teilen – sonst wären sie nicht so erfolgreich geworden.

Nichtsexistische Interviewfragen

Journalist*innen, Redaktionen und Medienhäuser tragen eine große Verantwortung für die Darstellung von Menschen in den Medien. Durch Framing entstehen bestimmte Eindrücke, die sich oft tief in die Wahrnehmung der Zielgruppen einbrennen. Dabei hängen die Fragen natürlich auch von dem Setting und Thema des Gesprächs ab.

Um mehr über eine Person zu erfahren, könnten Fragen wie diese hilfreich sein:

1. Was können sich Menschen von Ihnen abschauen?

2. Was sind Ihre wichtigsten Ziele/Vorhaben/Projekte?

3. Worauf freuen Sie sich gerade am meisten?

4. Wofür wollen Sie die Verantwortung, die mit Ihrem neuen Job einhergeht, nutzen?

5. Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Ich geben?

6. Wozu haben Sie zuletzt Nein gesagt?

7. Was war ihr Lieblingsschulfach?

8. Beschreiben Sie sich in der 6. Klasse auf dem Schulhof.

9. Welche Veränderung hätte den größten Impact in den nächsten fünf Jahren?

10. Was sind die wichtigsten drei Werte, die sie Ihren Kindern mitgeben wollen?

11. Was wollten Sie früher werden und warum?

Diese Fragen lassen sich unabhängig von jeglichen Gender-Klischees einsetzen und sorgen dafür, dass der Mensch hinter dem Job sichtbar wird. Ist gar nicht so schwer, oder?

Fallen euch noch weitere gute Fragen ein? Schreibt sie uns gern in die Kommentare.

Fränzi Kühne: „Was Männer nie gefragt werden: Ich frage trotzdem mal.“ Fischer Taschenbuch, Mai 2021, 240 Seiten, 14 Euro.

Das Buch ist natürlich auch bei lokalen Buchhändler*innen eures Vertrauens zu finden. Support your local Book-Dealer!

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