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Julia Sperling: „Die Zukunft der gesamten Arbeitswelt wird weiblicher werden“

Kund*in
McKinsey & Company
Autor*in
EDITION F studio
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Warum haben wir Vorurteile, welche Erfindung sollte es unbedingt geben und wann hat das mit dem stereotypen Denken ein Ende? 25 Fragen an Julia Sperling, Partnerin bei McKinsey & Company und Neurowissenschaftlerin.

„Es wäre dumm auf die Hälfte des Talent-Pools zu verzichten“

Die Ärztin und Neurowissenschaftlerin Julia Sperling beschäftigt sich bei McKinsey & Company damit, wie Transformationen und strukturelle Veränderungen in Organisationen möglich werden und wie man gute Leadership stärken und weiterentwickeln kann – immer mit einem wissenschaftlichen Ansatz. Über 10 Jahre lang hat sie das „Women in Leadership“-Programm der Unternehmensberatung im Nahen Osten, insbesondere in Saudi Arabien, geleitet. Mit ihrer Rückkehr nach Deutschland übernimmt sie bei McKinsey die Leitung der Initiative Chefsache, die sich für mehr Frauen in Führungspositionen einsetzt.  Sie ist Expertin und Speakerin in den Bereichen Gesundheitswesen, Neurowissenschaften und Female Leadership. Wir haben sie für 25 Fragen getroffen.

Haben Sie schon einmal etwas erfunden?

„Nein, aber dafür eine gut wachsende Liste an Ideen!“

Welche Erfindung finden Sie richtig toll?

„Funktionelle Kernspintomographie, die hilft, unser Denken sichtbar zu machen.“

Sie kennen beide Seiten. Was kann die Wirtschaft von der Wissenschaft lernen?

„Neugier und Nachhaltigkeit.“

Und andersherum?

„Pragmatismus.“

Wollten Sie schon immer Medizinerin werden?

„Ja, seitdem ich denken kann.“

Wer hat Sie als Vorbild auf Ihrem Weg motiviert?

„Ich fand den Eins-zu-eins-Kontakt zwischen Arzt und Patient schon immer sehr spannend. Im Studium war dann mein Doktorvater ein großes Vorbild für mich.“

Wie haben Sie sich für das Bewerbungsgespräch bei McKinsey fit gemacht?

„Da bin ich etwas über das Ziel hinausgeschossen. (lacht) Ich habe alle möglichen Bücher mit Fallstudien sorgsam studiert.“

Stichwort Unconscious Bias: Welches Vorurteil haben wir alle?

„Unser Gehirn kann eine unglaubliche Fülle an Informationen in eine für uns sinnige Interpretation der Welt umwandeln. Daher haben wir beispielsweise einen ‚Confirmation Bias‘: Wir filtern die Informationen, die wir aufnehmen, auf eine Art und Weise, die das bekräftigt, was wir ohnehin schon glauben. Im Sinne von: ‚Ich hab’s doch geahnt!‘“

Und welches Vorurteil sollten wir unbedingt loswerden?

„Mir macht der ‚Mini-Me‘-Bias Sorgen, also die Neigung, das Ähnliche zu suchen und zu fördern. Das schadet gerade jungen Frauen, die nach oben wollen, weil es dort sehr wenige Führungskräfte gibt, die in ihnen automatisch das zukünftige Double sehen.“

Gibt es in 20 Jahren immer noch stereotypes Denken?

„Das wird es immer geben, sichtbar zum Beispiel in unserer ersten Reaktion auf eine neue Situation. Das ist eine Art Selbstschutz und unterstützt unser Gehirn bei seiner Arbeit. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen und ob wir im zweiten Schritt in der Lage sind, die Voreingenommenheit zu erkennen und unser Denken und Handeln entsprechen anzupassen.“

Welcher Denkfehler passiert am häufigsten?

„Anzunehmen, dass jeder mit der gleichen Motivation an die Dinge herangeht wie man selbst. Das hat mir immer wieder gezeigt, wie wichtig es auch als Führungskraft ist, Umfeld und Mitarbeiter zu motivieren und zu begeistern.“

Und welchen Denkfehler wollen Sie nie wieder machen?

„Wenn ich das wüsste.“

Was ist das Beste, was Sie in Dubai erlebt haben?

„Die Eröffnung der ersten Diversity-Unit in einem der bedeutendsten saudischen Unternehmen. Das war wirklich ein besonderer Tag.“

Und was hat Sie am meisten genervt?

„Die Expat-Community in Dubai in ihrer stereotypen Variante. Die habe ich immer versucht zu meiden und stattdessen viele nette Emirati Familien kennengelernt und als Freunde gewonnen.“

Schnitzel oder Schawarma?

„Mein Mann ist aus Italien und kocht sehr gut, daher muss meine Antwort hier Pasta sein.“

Ist die Zukunft der Wissenschaft weiblich?

„Die Zukunft der gesamten Arbeitswelt wird weiblicher werden.“

Welche Wissenschaftlerin würden Sie gerne mal auf einer Bühne sehen?

„Am liebsten eine junge talentierte Wissenschaftlerin, die sich durchgebissen hat und ihrem Weg treu geblieben ist.“

Welche Wissenschaftlerin hat Sie bisher am meisten beeindruckt?

„Da bin ich ganz traditionell: Marie Curie.“

Rational oder emotional denken?

„Beides! Der Nobelpreisträger Eric Maskin hat mir vor kurzem in einem Interview für McKinsey Quarterly gesagt: ‚Unsere Gefühle können uns beim Treffen von Entscheidungen entscheidend helfen. Evolutionär gesehen ist das auch ihr Zweck.‘“

Denken Sie manchmal auch einfach gar nicht?

„Dabei kommen einem doch oft die besten Ideen. Für noch wichtiger halte ich es aber, gezielt nachzudenken und sich aktiv Zeit dafür zu nehmen – auch in Teamsituationen. Wenn wir Probleme diskutieren, mache ich zwischendurch öfter mal eine Pause zum Nachdenken. Kollegen, die mich weniger gut kennen, irritiert das am Anfang manchmal.“

Auf welche Erfindung warten Sie?

„Eine De-Bias-Maschine wäre nett.“

Und welche sollten wir wieder abschaffen?

„Leider haben viele gute Erfindungen auch häufig ihre Schattenseiten. Alles in allem bin ich allerdings immer ein Freund von Fortschritt und neuen Ideen.“

Sind Unternehmensberatungen eigentlich immer noch so männerdominiert?

„Häufig, aber immer weniger. Ich arbeite sehr gerne mit Frauen und bin daher voreingenommen, da ich gerne jüngere Kolleginnen in meinen Teams habe – der Mini-Me-Bias eben. (lacht)“

Wie ist das in 10 Jahren?

„Wir können es uns einfach nicht leisten, auf die Hälfte des Talent-Pools zu verzichten. Das ist nicht nur nicht richtig, sondern schlichtweg dumm.“

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