Foto: Twitter | Masih Alinejad

Solidarität mit junger Iranerin: Warum weltweit Menschen unter #dancingisnotacrime tanzen

Iranische Frauen leben unter einer der repressivsten Regierungen der Welt. Insbesondere in den vergangenen Monaten trauen sich nun vermehrt Frauen, dagegen auf verschiedenste Art zu protestieren. Nun wurde die 18-jährige Maedeh Hojabri angeklagt, weil sie auf Instagram Videos hochlädt, die sie tanzend zeigen.

Iranische Frauen demonstrieren gegen ihre Unterdrückung

Es ist einige Monate her, dass der Protest iranischer Frauen gegen den Kopftuchzwang in ihrem Land in Deutschland für Aufmerksamkeit sorgte (zum Hintergrund). Die Proteste haben aber nicht aufgehört, sondern gehen kontinuierlich weiter – denn auch die Diskriminierung von Frauen im Iran bleibt weiterhin Alltag. Und ebenso greift die iranische Regierung weiter hart gegen die Proteste durch.

Neben Frauen, die in der Öffentlichkeit ihr Kopftuch ablegen oder selbst mit Kopftuch bekleidet solidarisch ein weißes Kopftuch schwingen, um gegen den Kopftuchzwang zu protestieren, selbst wenn sie freiwillig eines tragen würden, findet der Protest zeitgleich auch in anderer Form statt: in Tanzvideos, die über soziale Medien verbreitet werden.

Die sozialen Medien als Ausdruck des Protests

So macht es auch Maedeh Hojabri auf Instagram und erreicht damit momentan ca. 100.000 Abonnent*innen. Bis vor kurzem waren es noch deutlich mehr, laut Berichten des Guardian, über 600.000. Dann wurde ihr Account aufgrund der dort zu sehenden Videos geschlossen und ist nun wieder abrufbar. Die Videos, die sie tanzend zeigten und in denen sie immer bekleidet ist, seien, laut der iranischen Regierung, allerdings sittenwidrig, teilweise sogar pornografisch. Die 19-Jährige wurde, mit einer Reihe von anderen jungen Menschen, die auf Instagram Tanzvideos von sich posten, verhaftet. Ihr drohen bis zu vier Jahre Haft und 80 Peitschenhiebe. Außerdem musste sie sich, gemeinsam mit zwei weiteren jungen Menschen, am 6. Juni öffentlich in einer Talkshow entschuldigen.

Diese öffentlichen Entschuldigungen sind eine bekannte Maßnahme der iranischen Regierung. Laut Aktivist*innen handelt es sich dabei oft um erzwungene Geständnisse, die die Betroffenen oft nach ihren Auftritten sofort zurücknehmen.

„Wenn du eine Frau im Iran bist und tanzt oder singst oder dein Haar zeigst, dann bist du eine Kriminelle”

Der Fall von Maedeh Hojabri steht einmal mehr stellvertretend für die repressiven Verhältnisse in dem Land, unter denen insbesondere Frauen leiden. Die iranisch-amerikanische Aktivistin Masih Alinejad, die vor allem die Kopftuchproteste international sichtbar macht, schrieb auf Twitter dazu: „Ihr Name ist Maeade Mahi. Sie wurde vor kurzem verhaftet, weil sie Tanzvideos von sich auf ihrem Instagram-Account gepostet hat. Wenn du eine Frau im Iran bist und tanzt oder singst oder dein Haar zeigst, dann bist du eine Kriminelle. Wenn du du selbst sein willst, musst du jeden Tag die Gesetze brechen.”

Quelle: Twitter | Masih Alinejad 

Außerdem ist sich Alinejad sicher, dass die Regierung einen Grund gesucht hat, um Instagram zu zensieren, denn Instagram ist ein sehr beliebtes Alternativ-Medium, um den Protesten der jungen Bevölkerung Ausdruck zu verleihen. Facebook und Twitter sind bereits zensiert. Die iranische Justiz fordert ein Verbot aller Sozialen Medien.

Solidarität im Iran und international

Doch Maedeh Hojbari erfährt auch viel Unterstützung, im Iran und international, zum Beispiel von Amnesty International in London. Unter den Hashtags #dancingisnotacrime und #danceforfreedom solidarisieren sich Menschen überall auf der Welt mit der jungen Iranerin. Auch in Berlin findet heute, am 16. Juli 2018, eine Solidaritätskundgebung vor der iranischen Botschaft statt.

Die Verhaftungen von Frauen, die ihr Kopftuch in der Öffentlichkeit ablegen, der Fall von Maedeh Hojbari oder auch die erneute Verhaftung der iranischen Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh, die seit Juni 2018 wieder in Haft sitzt, vermutlich weil sie Frauen des Kopftuch-Protestes verteidigt hat, zeigen wie eingeschränkt und auch gefährlich das Leben für Frauen im Iran ist. Die anhaltenden Proteste und die Solidarität mit Verhafteten zeigt aber auch, welche Widerstandskraft sich gerade entfaltet. Umso wichtiger ist es, diese international sichtbar zu machen.

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