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Jetzt haben wir alles gesehen

Frauen bluten ziemlich häufig. Das ist das Normalste auf der Welt und trotzdem reden wir nur hinter vorgehaltener Hand darüber. Schluss damit!

Blut – alle 21 bis 35 Tage für etwa zwei bis sieben Tage und durchschnittlich 65 Milliliter bei rund 50 Prozent der Bevölkerung. Über Schnupfen, Kopfschmerzen und „Rücken“ redet jeder, das ist gesellschaftlich völlig akzeptabel und niemand scheut sich davor, die eigenen Erfahrungen preis zu geben. Bei der Menstruation, einem völlig normalen, biologischen Vorgang, den fast alle Frauen kennen, ist dies jedoch nicht so. Selbst unter vertrauten Gesichtern ist ein offener, unbefangener Austausch nicht selbstverständlich. Das liegt vor allem daran, dass es in der Öffentlichkeit keine realitätsnahe Darstellung von Menstruation gibt und sich niemand gern als blutender Freak outet. Denn das öffentliche Bild der Monatsblutung prägen vor allem sexistische Vorurteile und die rosarote, blutbefreite Menstruationswelt der Tampon- und Bindenindustrie: schlecht gelaunte Frauen, Schokolade, Wärmflaschen und glückliche Frauen, die sich weißbekleidet in den Schlaf lächeln[*].

Die Mär von weißen Laken

Was früher abergläubische Menstruationsmythen waren, sind heute vor allem entfremdete, mystifizierte und unrealistische Darstellungen von Menstruation, die so verbreitet sind, dass Schamgefühl und Ekel oft die ersten Reaktionen sind, wenn es um die blutige Wahrheit geht. Denn im Kern geht es um Blut. Blut, das irgendwo hin muss, aufgefangen werden muss, gestoppt werden muss, wenn frau ihre Monatsblutung nicht nonstop im Badezimmer verbringen möchte. Die überwältigende Mehrheit der Frauen greift hierzu auf Einmalartikel wie Tampons und Binden zurück. Diese sind überall verfügbar, kosten pro Monat scheinbar nicht viel und versprechen den hygienischen Weiße-Laken-Traum aus der Werbung. Die Kehrseite von Tampons und Binden ist jedoch, dass sie viele ihrer Versprechen nicht halten. Aufs Jahr gerechnet sind sie alles andere als günstig, absolut sicher und diskret (auslaufsicher, geruchsfrei, leicht zu entsorgen) sind sie keineswegs immer und beträchtliche Restmüllberge verursachen sie auch.

Auftritt Menstruationstasse

Obwohl die Menstruationstasse seit den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts existiert, fristet sie neben den von großen Konzernen und Lobbys gepushten Tampons und Binden ein Nischendasein. Menstruationstassen sind aus Latex oder medizinischem Silikon gefertigt, sehen ein bisschen aus wie Eierbecher und ihr führt sie während der Blutung in die Vagina ein. Dort fangen sie das Menstruationsblut auf. Wenn sie richtig sitzen, spürt ihr sie genauso wenig wie einen Tampon. Zur Entleerung zieht ihr die Tasse nach unten heraus (ähnlich wie bei einem Tampon haben alle Modelle einen kurzen Stiel oder Ring zum Greifen), leicht zusammengedrückt, um das Vakuum zu lösen. Dann schüttet ihr das Blut weg, spült oder wischt die Tassen aus und setzt sie wieder ein.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Anders als Tampons fangen die Tassen nur das Menstruationsblut auf und trocknen die Vaginalschleimhaut nicht aus. Sie haben ein größeres Fassungsvermögen als Tampons und müssen viel seltener geleert werden. Wenn sie richtig sitzen, halten die Scheidenmuskulatur und das entstehende Vakuum sie sicher an Ort und Stelle, sodass es mehr als unwahrscheinlich ist, dass etwas ausläuft. Die Kosten bewegen sich je nach Marke zwischen 12 und 30 Euro und wir könne eine einzige Tasse bis zu zehn Jahre benutzen. Sie ist so deutlich günstiger und vor allem deutlich nachhaltiger als Einmalartikel.

So weit die technischen Details. Für Tampons- und Bindennutzerinnen mag der Gedanke befremdlich sein, sich so „aktiv“ mit der eigenen Blutung auseinanderzusetzen – immerhin greift frau in sich hinein und sieht ihr Menstruationsblut. Einführen und Herausnehmen der Tasse klappt nicht immer auf Anhieb, das Internet und die Hersteller bieten jedoch gute Hilfestellung. Nach ein paar Malen ist es so normal wie ein Tampon einzuführen. Das Tässchen zu leeren, ist auch nicht schwerer als ein Tampon zu wechseln. Wem der Gedanke befremdlich ist, auf einer öffentlichen Toilette die Tasse zu säubern, der kann auf ein kleines Fläschchen Wasser in der Handtasche oder Toilettenpapier zum Auswischen zurückgreifen. Solche Situationen kommen jedoch sowieso selten vor, da die Tasse aufgrund ihres relativ großen Fassungsvermögens verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, wenn sie erstmal an Ort und Stelle ist. Ist die Blutung vorbei, sterilisiert ihr die Tasse in einem Topf oder der Mikrowelle und verstaut sie für das nächste Mal.

Empowerment

Wer während der Blutung in weißem Bikini den Strand entlang hüpfen möchte, auf Wandertour ist oder von der Blutung de facto stundenlang überhaupt nichts mitbekommen und sie vergessen möchte, ist mit einer Menstruationstasse bestens aufgehoben – und das ist im Bereich der Monatshygiene wirklich revolutionär. Die Tassen gibt es in verschiedenen Größen, Farben, Ausführungen und Preisklassen. Eine gute Übersicht findet ihr hier. Eine Marke will ich jedoch besonders hervorheben, da ihre soziale Mission wirklich Beachtung verdient: den Ruby Cup. Mit jedem Ruby Cup, den ihr kauft, finanziert ihr einen weiteren Ruby Cup für ein Schulmädchen in Kenia und Kampagnen, die über Monatshygiene aufklären. Dies ist wichtig, da Kenia eines der Länder ist, in dem Mädchen aufgrund mangelnden Zugangs zu Hygieneprodukten während ihrer Monatsblutung häufig die Schule nicht besuchen.

Also, hoch die Tassen!

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