Foto: Natascha Hoffner

„Wir brauchen nicht nur Karrieretipps, sondern auch gute Ideen zu Vereinbarkeit“

Kund*in
herCAREER
Autor*in
EDITION F studio
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Nicht einfach nur eine Karrieremesse, sondern neue Möglichkeiten und Impulse für Frauen will Natascha Hoffner mit der „herCAREER“ bieten, die im Oktober zum dritten Mal stattfindet. Wie das geht, verrät sie im Interview.

Mehr Karrierechancen heißt auch mehr Vereinbarkeit

„Die Karrierechancen für Frauen werden immer besser, denn endlich erkennen mehr und mehr Unternehmen die Notwendigkeit auch gezielt Frauen anzusprechen“, sagt Natascha Hoffner, die Gründerin der „herCAREER“, einer Messe für die berufliche Weiterentwicklung von Frauen. Woran es aber dann doch oft scheitere, sei die fehlende Vereinbarkeit, die nach wie vor nur Frauen zu betreffen scheint. Natascha Hoffner will mit ihrer Messe nicht nur Frauen auf ihrem Karriereweg unterstützen, sondern auch ganz neue Impulse zu Vereinbarkeit geben und seit Kurzem auch dafür sorgen, dass es mehr Gründerinnen gibt. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie es ist, eine Messe auf die Beine zu stellen, was sie gerne vorher gewusst hätte, wie sie in Zukunft Frauen unterstützen will und warum Netzwerke alles sind.

Zwei Jahre ist es her, dass wir mit dir über die Gründung der herCAREER gesprochen haben. Kannst du beschreiben, ob und wie du seither an der Messe gewachsen bist?

„Im Oktober geht die herCAREER bereits in die dritte Ausgabe und die Resonanz auf die Messe zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Als ich angefangen habe wusste ich, dass ich mich auf einen bereits hart umkämpften Bereich einlasse. Denn sind wir doch mal ehrlich: Karriere-, Weiterbildungs- und Existenzgründungsmessen gibt es unzählige. Wir standen also vor einer Mammutaufgabe und haben all unsere Energie in das Messeprojekt eingebracht und mit unglaublich vielen Menschen gesprochen. Und jedes Gespräch machte und macht uns reicher. Nicht nur das positive Feedback, auch mit der Kritik sind wir gewachsen.“

Und inwiefern hat sich die Messe an sich weiterentwickelt? Welche Learnings gab es?

„Da ich bereits von 17 Jahren an einer Neugründung in der Messebranche beteiligt war und mit dem damaligen Gründer in zwölf Jahren ein 100-Mitarbeiter-starkes Unternehmen mit rund 20 Messen jährlich aufbauen durfte, konnte ich in dieser Zeit bereits aus sehr vielen Erfahrungen und auch Fehlern lernen. Auf dieses Wissen habe ich aufgebaut und das Erlernte mit in meine eigene Gründung gebracht. Das hat es auch überhaupt erst möglich gemacht, die Messe herCAREER im Gründungsjahr mit nur einem halben Jahr Vorlauf zu organisieren und durchzuführen.

Learnings aus meiner eigenen Gründung gab es in Bezug auf den Markt, der wirklich hart umkämpft ist. Wir sind hier aber bisher unserer Linie treu geblieben, uns mit bewusst anderen inhaltlichen Formaten von der Masse abzuheben. Die Messe, so wie sie ist, wird durch ihr Angebot, in dem sie Frauen dort abholt, wo sie beruflich stehen – einzigartig. Sei es vor dem Jobeinstieg, Aufstieg oder der eigenen Gründung. Sie ist viel mehr ‚lebenslanger‘ Begleiter als nur Messe, weil sie zahlreiche Angebote rund um Weiterbildung, eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege und natürlich Existenzgründung bereithält.“

Habt ihr nach jeder Messe ein bestimmtes Vorgehen, wie ihr reflektiert, was gut gelaufen ist und wo es noch Verbesserungspotential gibt?

„Wir holen uns Feedback auf den unterschiedlichsten Wegen: durch persönliche Gespräche, durch Befragungen unter den Besucherinnen vor Ort, im Nachgang der Messe via Umfragetools über Facebook und in vielen Telefonaten nach der Messe. Wir stehen mit allen Beteiligten auf der Veranstaltung selbst und auch im Nachgang in Kontakt. Kürzlich bin ich auf einem Gründerevent mit vielen anderen Gründern ins Gespräch gekommen. Meine Frage nach einer weiblichen Mitgründerin wurde leider oft vereint, aber der Wunsch das Team um eine weibliche Co-Founderin zu bereichern, war oftmals vorhanden – insbesondere für die Bereiche Vertrieb, Marketing und PR. Die Antwort ‚Ich habe keine Gründerin gefunden‘ hat mich wirklich stutzig gemacht. Wenn man sich dann aber mal genauer anschaut, wie die Vorgehensweise bei der Co-Founder-Suche ist, wird es einem sehr klar. Denn man schaut sich doch zunächst im persönlichen Umfeld um, sprich bei Freunden, Bekannten, im Kreis ehemaliger Studienkommilitonen. Wo sollten Gründer denn darüber hinaus noch schauen?

Meine Idee aus diesen Gesprächen resultierte in einem neuen Format, denn was läge näher, als eine Plattform, auf der sich qualifizierte und engagierte Frauen treffen? Die Lösung: Männliche Gründer bzw. Gründerteams pitchen in diesem Jahr erstmals auf der herCAREER um eine Co-Gründerin. Für diversere Teams in der deutschen Gründerszene ein erster Ansatz, finden wir.“

Die Messephasen sind sicherlich jedes Mal sehr anstrengend. Wie schafft man es, sein Team immer wieder zu motivieren?

„Die letzten Wochen und Tage vor der Veranstaltung sind so richtig sportlich. Wobei ich dazu sagen muss, dass eine Messe selbst keinem Sprint, sondern eher einem Marathon gleicht. Die Motivation ziehen wir aus Gesprächen, aus Empfehlungen, aus Zusagen seitens Unternehmen, die sich entschieden haben, mit uns gemeinsam weitere Karriereoptionen für Frauen offen zu legen und ihnen Unterstützung anzubieten – sei es durch Jobangebote, Weiterbildungsangebote, Betreuungs- oder andere Unterstützungsangebote oder gar ein Angebot, dass sie bei ihrer Gründung und ihrem Wachstum unterstützt. Der Erfolg Dritter und das Feedback, einen entscheidenden Kontakt oder gar Mentoren über die Messe gewonnen zu haben, das spornt uns an.“

Nehmt ihr euch nach den Messen bewusst Ruhephasen?

„Nach der Messe ist vor der Messe: Wir stecken also unmittelbar nach der Messe bereits in den Vorbereitungen für das nächste Großevent. Insbesondere mit dem Ziel, weiteres Wachstum anzustreben. Die ersten beiden Messen waren für uns ein Investment, denn erst ab einer bestimmten Größenordnung können wir mit einer Messe auch Geld verdienen. Dabei haben wir im Gegensatz zu großen Messegesellschaften aber den Vorteil, eine andere Kostenstruktur abzurufen und damit schon ‚kleinere‘ Messen profitabel durchzuführen. Wir setzen bewusst auf eine möglichst geringe Eintrittsbarriere: den Eintrittspreis. Aber klar braucht auch das Team immer wieder bewusst Ruhephasen und Begegnungen abseits des Messetrubels – auch, um Herausforderungen mit etwas Abstand zu betrachten.“

Du hast zwar bereits vor der Gründung lange im Messebereich gearbeitet. Gibt es trotzdem etwas, was du gerne gewusst hättest, bevor du gegründet hast?

„Womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte war, wie schwierig es sich herausstellte an weiteres Kapital zu kommen. Ich brachte etwas Eigenkapital mit und hatte von Anfang an einen Gesellschafter an Bord. Aber es fehlte einfach noch eine weitere Investitionssumme, die ich mir erhofft hatte, durch eine Bank finanzieren zu können. Ich wusste, dass ich mit dem verfügbaren Zeitraum und mit dem Wissen vom ersten Tag Mitarbeiter zu beschäftigen, einen Projektabschluss mit einem dicken Minus hinlegen würde. Die negative Planung an sich muss einen Teil der Banken schon abgeschreckt haben. Auch die Tatsache, dass ich von Anfang an ausgeschlossen habe, dass mein Mann für mich persönlich bürgt, schränkte die Auswahl weiter ein.

Letztlich hat sich meine heutige Hausbank, eine Bank aus dem ländlichen Umfeld, gemeldet und die Finanzierung mitgetragen und das auch nach Absage der Förderbanken. Darüber bin ich wirklich dankbar und das hat natürlich für etwas Erleichterung gesorgt. Hier würde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr ganz so leichtgläubig an die Sache herangehen und habe für mich verstanden, wie wichtig ein Netzwerk ist und sein kann.“

Konntest du in den letzten Jahren beobachten, dass sich die Karrierechancen für Frauen merklich verbessert haben?

„Die Karrierechancen für Frauen standen noch nie besser! Und ja, hier kommt den Frauen sicherlich der vorherrschende Arbeitnehmermarkt und der in vielen Branchen vorherrschende Fachkräftemangel zu Gute. Unternehmen haben sehr wohl erkannt, dass mehr Frauen die Hochschulen verlassen und dann auch noch mit besseren Abschlüssen. Sie stellen wie alle anderen auch eine Wirtschaftskraft dar, die von den Unternehmen benötigt wird und die für ein weiteres Wachstum sorgen kann.

Noch gibt es allerdings ein Dilemma – nämlich das der ständigen Verfügbarkeit. Das mag alles sehr gut funktionieren, bis Kinder und Familie ins Spiel kommen, die wiederum mehr Flexibilität benötigen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie scheint mit dem Zeitpunkt, an dem ein Kind auf die Welt kommt, zum reinen Frauenproblem zu werden. Männer hingegen können in dem bestehenden System weiter funktionieren, als gäbe es kein Kind. Im Grunde wird sich erst etwas ändern, wenn sich generell eine Kultur des Teilens von Erwerbstätigkeit, Kinderbetreuung und Familienmanagement etabliert, sagt auch die österreichische Politikwissenschaftlerin Mariam Irene Tazi-Preve. Wir befinden uns in einem Prozess. Die Diskussionen auf der Messe können einen Beitrag dazu leisten, den Weg zu einer New-Work-Kultur zu ebnen, in dem wir Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammenbringen. Und besonders Vertreter aus dem Fachbereich HR sollen an diesem Prozess beteiligt werden und sind eingeladen, entsprechende Beispiele aus ihren Unternehmen vorzustellen.“

Hat sich an eurem Programm etwas verändert? Welche Schwerpunkte wollt ihr in Zukunft setzen?

„Das bestehende Programm setzt stark auf Erfahrungsaustausch. Die Messe will weit mehr als nur ein Mutmacher sein; sie gibt konkret Tipps und Erfahrungen an unsere Besucherinnen weiter. Diese profitieren also von den Lernkurven Dritter. Die vielzähligen MeetUps und Talks bieten reichlich Möglichkeiten das eigene Netzwerk um spannende Persönlichkeiten zu erweitern. Darüber hinaus können sich die Teilnehmerinnen über Hierarchien hinweg bis ins Top-Management auf Vorstandsebene, mit erfolgreichen Unternehmerinnen, Business Angels, Politiker/innen und zahlreichen Vertreterinnen seitens der Medien vernetzen.

Neu ist die Idee, Frauen für die IT und Programmierung mit Hilfe eines Quereinstiegs in Zusammenarbeit mit unseren Ausstellern zu begeistern. Ausgewählte Unternehmen nutzen die Messe, um qualifizierte Mitarbeiterinnen zu rekrutieren oder um zu prüfen, ob es Interesse an einem Quereinstieg für Professionals aus anderen Fachbereichen gibt. Wir machen die Erfahrung in unserem eigenen Netzwerk, dass grundsätzlich Interesse an diesen Themen besteht und hier schaffen wir für Interessierte und Unternehmen eine Möglichkeit des Austauschs und sind gespannt was sich daraus entwickelt.“

Gewinnt Tickets für die herCAREER

Habt ihr Lust bekommen bei der herCAREER dabei zu sein? Wir verlosen 20 Tages-Tickets für die Messe. Schreibt uns bis zum 27. 9. einfach einen Kommentar und verratet uns, warum ihr gerne dabei sein wollt. Viel Glück!

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