Foto: AMC I Mad Men

Der ultimative Knigge für die Weihnachtsfeier

Alle Jahre wieder naht die Büro-Weihnachtsfeier. Da kann es nicht schaden, mit ein paar Missverständnissen aufzuräumen.

Der alljährliche Weihnachtsfeier-Horror

Letztes Jahr berichtete mir eine Freundin verstört von ihrer Weihnachtsfeier bei einer großen Zeitung: Zunächst hatte sie die ersten Stunden – der Erlebnisgastronomie sei Dank – damit verbracht, vor den Kellnern zu flüchten, die außer Servieren die Aufgabe hatten, das Publikum zu kleinen Kunststücken zu animieren. Etliche Gläser Wein später war sie irgendwie an den Tisch des Wirtschaftsressorts geraten. Sie erinnerte sich noch daran, dass sie kurz vor Verlassen des Tischs der Runde aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen das „Wauzis“-Lied vorgesungen hatte. Dann hatte sie einen Filmriss erlitten. Sie wusste nur noch, dass sie auf der Fahrt nach Hause zweimal ihr Auto anhalten musste, um sich aus dem Fenster zu übergeben.

Am nächsten Tag irrte sie durch den Kiez, auf der Suche nach dem Auto, das sie eine Stunde später erstaunlicherweise perfekt in eine winzige Parklücke manövriert auffand. In der Redaktion wiederum fand sie in ihrem Postfach E-Mails auf, die ihr große Sorgen bereiteten: Eine begeisterte Nachricht des Ressortleiters Wirtschaft: „Echt super, dass Sie unsere nächste Blattkritik übernehmen werden – etwas mehr von Ihrer spritzigen Art würde unserem Ressort sehr gut zu Gesicht stehen.“ (von Wirtschaftsthemen hat meine Freundin in etwa so viel Ahnung wie von Eurythmie.) Eine ihr bisher unbekannte Kollegin schrieb, sie sei vom gestrigen Abend total berührt und freue sich enorm, dass sie künftig bei ihrer Eurythmie-Gruppe mitmachen wolle.

Damit man am nächsten Tag im Büro nicht Vogel-Strauß-Politik machen und beten muss, dass der eigene nicht der einzige Filmriss gewesen ist, hilft es, sich ein paar Dinge bewusst zu machen:

1. Die Weihnachtsfeier ist eine Pflichtveranstaltung

Der Chef trägt eine Krawatte mit Nikolausmuster und verteilt blinkende Rentiergeweihe, die betriebseigene Laienschauspielgruppe hat ein Krippenspiel angekündigt, die Personalchefin freut sich wie ein Schnitzel, weil sie „für den späteren Abend“ gemeinsames Christbaumkugelbemalen organisiert hat und unter einer Decke lauert schon die Karaokemaschine: Egal, welche Stimmungsaufheizer sich Vorgesetzte oder Event-Beauftragte für die Weihnachtsfeier ausgedacht haben: Es herrscht Anwesenheitspflicht. Dazu gehört auch, sich nicht nach einer Stunde als „Leader of the Gang“ aufzuspielen und ein paar Leute dazu anzustacheln, die öde Festivität in Richtung anständige Drinks zu verlassen.

2. Die Weihnachtsfeier ist kein Wunschkonzert

Je nachdem, in was für einem Unternehmen man arbeitet, kann man bei der Weihnachtsfeier Glück oder Pech haben: Wer in einem eher locker geführten Team arbeitet, in dem alle einigermaßen auf einer Wellenlänge sind, startet vielleicht auf der Bowlingbahn und geht dann Schnitzelessen und amüsiert sich prächtig, während andere in der Betriebskantine landen, weil die Chefetage zu geizig ist. Wo viel Geld übrig ist, lässt man es am Ende des Jahres richtig krachen (ein Glas Champagner als Aperitiv!), und leider weit verbreitet ist immer noch die Unsitte der Eventgastronomie. Aber egal, ob man nun „Pomp Duck and Circumstance“ oder das „Artistik-Dinner“ über sich ergehen lassen muss: Zähne zusammenbeißen und nicht lästern. Zumindest nicht vor Kollegen, von deren Geschmack man sich noch nicht ausreichend überzeugen konnte.

3. Die Weihnachtsfeier ist kein Privatvergnügen

Schon klar: Wer seine Weihnachtsfeier mit einem Team bestreitet, in dem ohnehin alle befreundet sind und es locker zugeht, kann sicher einschätzen, welche Art von Benehmen OK ist. Arbeitet man aber in einem Unternehmen mit klassischen Hierarchien, dann können sich Weihnachtsfeiern ein bisschen so anfühlen, als würde man mit den Kollegen in der Sauna sitzen. Irgendwie falsch, zu viel Nähe, unpassende Intimität. Dann kann der Zwang zur Zwanglosigkeit verdammt anstrengend werden. Die Kollegen plötzlich nicht am tristen Resopal-Schreibtisch oder in der versifften Büroküche, sondern mit Sektflöte auf Stuhlhussen anzutreffen, kann befremdlich sein. Diesem Umstand sollte man professionell begegnen (siehe unten).

4. Die Weihnachtsfeier soll nicht zur Orgie werden

Mit dem Kollegen rumknutschen, der Chefin das du anbieten, sich beim Karaoke für eine gehauchte Version von „Je t’aime…mois non plus“ entscheiden, den fast noch minderjährigen Praktikanten anbaggern, auf der Tanzfläche eine Poledance-Einlage machen, auf dem Schreibtisch mit der Sekretärin ein Kind zeugen, sich am Ende nach zwölf Jägermeister-Red Bull aus dem Saal tragen lassen – das eine ist mehr, das andere weniger schlimm, aber man weiß doch vorher schon, dass das alles sich am nächsten Tag überhaupt nicht mehr wie eine gute Idee anfühlen wird. Eine Entschuldigungsmail an alle zu verschicken („Hey Leute, sorry, ich bin da wohl gestern ein bisschen über die Stränge geschlagen“) macht das dann nicht mehr besser. Also: Keine Exzesse. Keine Freakshow. Auch wenn überall Einladungen dazu lauern.

5. Die Weihnachtsfeier ist keine Therapiesitzung

„Und nachdem er mich dann zum zweiten Mal betrogen hatte, der Hundskerl….“ – Vorsicht vor vorschneller Nähe, zu der ein bisschen Punsch und die Dean-Martin-Christmas-Playlist durchaus animieren können. Trotzdem niemanden mit privaten Problemen vollsülzen. Lästern über Kollegen, Generalkritik daran, was in dem Laden eigentlich alles falsch läuft – alles keine gute Idee. Auch wenn das Ambiente einladend wirkt, um Ballast abzuladen: Bei unverfänglichen Themen bleiben. Außer bei Kollegen, mit denen man ohnehin privat befreundet ist und weiß, dass die Lästereien bei ihnen gut aufgehoben sind.

6. Die Weihnachtsfeier ist eine Übung in Demut

Kein Wunder, dass man sich entblößt und düpiert fühlt, wenn man als einziger das Motto beim Schrottwichteln ernst genommen hat und nun die eigene Milchzahnsammlung mit lauter hübschen und vor allem neuen Kleinigkeiten konkurriert. Aber egal, was einem widerfährt bei der betrieblichen Weihnachtsfeier: Sie kann eine Übung in Gleichmut und Leidensfähigkeit sein. Wenn es schön wird, schön! Wenn nicht, dann hilft der Gedanke an eine Wagner-Oper: Dauert zu lange, aber irgendwann ist es dann auch wieder vorbei.

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