Lady Bitch Ray über Diskriminierung im Hip-Hop, in der Wissenschaft und das „Crashen der Elfenbeinschwanzstruktur“

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Orangina
Autor*in
EDITION F studio
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Sie ist unbequem, sie eckt an, sie polarisiert: Reyhan Şahin stellte als Lady Bitch Ray den deutschen Hip-Hop auf den Kopf, indem sie mit expliziten Texten der rappenden Männerdomäne einen Spiegel vorhielt. Von vielen wurde und wird sie dafür gefeiert. Andere verstanden nicht, was sie mit ihrer Musik bewegen will. Die Feministin, Musikerin, Buchautorin und promovierte Linguistin spricht mit uns über Intersektionalität, Diskriminierung in Hip-Hop und Wissenschaft und ihren steinigen Weg im Kampf um die Rechte aller Frauen.

Reyhan Şahin aka Lady Bitch Ray schwimmt gegen den Strom, seit sie denken kann. Vermeintlich weibliche Attribute oder Charaktereigenschaften waren ihr schon immer zuwider. Mit ihren Songs und ihrer Kunst provozierte sie, stieß auf Widerstände und Unverständnis in der Gesellschaft. Für Ray ist die Emanzipation der Frau genau das, was sie mit ihrer Musik propagieren möchte und die Selbstbezeichnung als „Bitch“ sieht sie als emanzipatorischen Fortschritt, der gerade im Hip-Hop dringend notwendig sei – einem Bereich, der noch immer größtenteils von Männern und jeder Menge Sexismus in den Songtexten dominiert wird. Mit der Wissenschaft schlägt Reyhan aka Dr. Bitch Ray ein neues Kapitel in ihrem Leben auf: Auch hier bekleiden „weiße Cis-Männer“ die allermeisten Führungspositionen. Mit ihrem neuen Buch „Yalla, Feminismus“ schlägt Ray eine Brücke zwischen ihrem Wirken als Musikerin und ihrer Arbeit als Wissenschaftlerin – und sie stellt schmerzlich fest, dass wir noch lange nicht so weit sind, wie wir sein könnten.

Warum Reyhan nicht nur der deutsche Hip-Hop, sondern auch der Wissenschaftsbetrieb oft richtig wütend macht und was sie selbst dazu beiträgt, Dinge zu verändern und mit den sexistischen gesellschaftlichen Normen zu brechen, erzählt Ray in unserem Video „Dreh’s doch mal um!“.

Reyhan‘s Top 3 der Dinge, die wir neu denken sollten:

Reyhan kämpft gegen Stereotype, manifestierte Rollenbilder und Intoleranz. Das tut sie als Lady Bitch Ray in der Männerdomäne Hip-Hop und ebenso als Dr. Bitch Ray im Wissenschaftsbetrieb. Während des Drehs haben wir die Musikerin, Buchautorin („Yalla, Feminismus“) und Wissenschaftlerin gefragt, was man ihrer Meinung nach sonst noch neu denken sollte:

1. Feminismus muss inkludierend sein!

„Das Grundprinzip vom feministischen Kämpfen oder queer-feministischen Kämpfen ist für mich, dass es intersektionell sein muss oder sollte. Feminismus ist nicht nur für die weiße Frau der Mittelschicht gemacht, sondern auch für Women of Colour, für schwarze Frauen, für muslimisch sozialisierte Frauen, für kurdische Frauen, für Alevitinnen, zu denen auch ich gehöre. Der Feminismus muss eben auch die Emanzipationsprozesse dieser Menschen mit einbeziehen, also inkludierend sein!“

2. Wir müssen den Wissenschaftsbetrieb revolutionieren!

„In der Wissenschaftsbranche oder im Hochschulbetrieb ist das Verrückte die Form der Diskriminierung. Dieses Hierarchische, Patriarchalische, Rassistische bis Sexistische läuft nämlich unsichtbar, also latent, ab. Ich nenne das in meinem Buch „Yalla, Feminismus!“ die „leise Diskriminierung“. Sexuelle Belästigung oder Übergriffe werden in den seltensten Fällen gemeldet, weil die Person – meistens Frauen – Angst um die eigene Karriere hat und den Betrieb dann lieber verlässt als den Übergriff anzuzeigen. Das System muss sich grundlegend ändern!“

3. Wir müssen endlich die Augen aufmachen!

„Meine persönliche Vision oder Utopie: Es darf keine Kriege mehr geben wegen Religion oder was auch immer. Die AfD muss aus dem Bundestag verbannt werden auf Grundlage der deutschen Verfassung, die sich irgendwann mal geschworen hat, dass Faschismus und Rechtsradikalismus und Rassismus keine Chance mehr haben werden in diesem Land. Und: Wir setzen all diese feministischen, antisexistischen Konzepte um und müssen endlich nicht mehr für jeden Scheiß kämpfen!“

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