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Mission Impossible: Lieben in den 20ern

In ihrer Twentysomething-Kolumne schreibt Silvia über alles, was ihr gerade durch den Kopf geht. Und diese Woche über die Liebe.

Hartes Brot statt Zuckerwatte

Kennt ihr noch das Gefühl, in eine Bonbondose zu greifen, in der ganz unten die beste Sorte liegt und egal, wie ihr eure Fingerchen auch ausstreckt, ihr kommt nicht ran?

Genau so ist es doch in den Twentysomethings bei dem Versuch, sich zu verlieben. Denn machen wir uns nichts vor: Eine Zeit, von der man dachte, sie wird die Sternstunde des eigenen Liebeslebens sein, ist in dieser Angelegenheit einfach nur noch kompliziert. Wegen dir, wegen ihm, wegen denen.

Vom Ersten zum Letzten

Als mein erster Freund die Bühne betrat, hieß es gerade mal: „Aha, es ist soweit.“ Viel mehr Anteil nahmen meine Eltern nicht. Und das war auch gut so. Nun, heute ist es schon verzwickter. Ein neuer Partner wird mittlerweile als potenzieller Partner für das Leben gesehen und auch darauf geprüft. Sollte dieser Test positiv ausfallen, wird einem von Muttern auch schon mal der Satz zugezischt: „Versau das nicht.“ Man kennt sich eben doch ganz gut.

Sollte es nichts Geeignetes sein, dann können sich Eltern viel verkneifen, nicht aber die Erleichterung, wenn es vorbei ist. Die Vorstellung, einmal gemeinsam unter einem Tannenbaum sitzen zu müssen, war sicherlich grauenhaft. Aber auch wenn ich grundsätzlich von dem Druck, jemand anderes als mich selbst mit meiner Eroberung beeindrucken zu müssen, befreit bin, einfacher wird es dadurch ja nicht: Schließlich wird man immer unbarmherziger, wenn man eben nicht nach dem nächsten Abenteuer, sondern nun doch endlich nach der einer langen Liebe Ausschau hält.

Unvermeidlich gerät man also immer wieder in kurze oder lange, oftmals reichlich nervtötende Singlephasen. Vonseiten der Eltern hört man es abermals raunen, diesmal aber eher in Richtung: „Ich fände es ja schon toll, wenn du bald wieder jemanden…“ Ja und ich erst! Aber sie liegen eben nicht lose auf dem Asphalt herum, so dass man sie sich nur in die Schubkarre laden und nach Hause bringen muss. Schon gar nicht in der Großstadt.

Als Single im Dschungel

Was nach Singleparadies klingt (viel Auswahl, wahnsinnig viel los, spannende Menschen) ist eigentlich nur ein Albtraum (viel Auswahl, wahnsinnig wenig Lust, überall dabei zu sein, Freaks). Hier trifft man hinter jeder bemalten Häuserwand einen Künstler, dessen Bilder man gelangweilt beschaut und dann begeistert beklatschen muss, Ausgebrannte, deren Probleme man sich nun wirklich nicht auch noch antun will, singende Poeten mit wirren Vorstellungen eines gemeinsamen Alltags und natürlich die, die vor allem auf kurze Geschichten aus sind. Und das selbstredend gerade dann, wenn man selber wieder fest anbandeln will. Timing ist eben alles, meine Stärke ist es nicht.

Nicht zu vergessen diese knallharten Dates, die in eine Art Bewerbungsgespräch ausarten und bei denen man sich hinterher überlegt, wann man offenlegen wird, dass man Powerpoint aka super kochen doch nicht kann. Und überhaupt kommt doch immer wieder das Gefühl auf, dass alle, die toll sind, sich schon an andere Wangen schmiegen.

Und während die Liebe in allen erdenklichen Details diskutierbar ist und das natürlich bei jeder Gelegenheit ausgekostet wird, ist eines aber ein eindeutiges Tabu: Sie gerade mal nicht zu wollen. Glaubt dir keiner! Die Freunde nicken und wissen es doch besser und die Mutter ahnt vertuschten Frust. Aber keiner, wirklich keiner glaubt daran, dass du möglicherweise gerade ein anderes Thema in den Mittelpunkt gestellt hast. Na klar, Liebe kann immer passieren und tut das sowieso häufig dann, wenn man sich gerade auf die nächsten fünf Jahre mit Frotteebademantel und seinen Marotten alleine auf der Couch eingestellt hat. Aber Liebe zu finden, braucht eben auch eine grundsätzliche Bejahung des Themas.

Kein Zugang zur Liebe

Und das ist nicht nur phasenweise, sondern vor allem in Angesicht einer Generation eine Herausforderung, die Erfüllung und Erfolg weniger mit trauter Zweisamkeit, sondern eher mit der breiten Ausbildung des eigenen Selbst verbindet. Aber was macht man denn auch mit einem Leben, von dem dir Zeit deines Daseins eingetrichtert wurde, dass du alle Möglichkeiten der Welt hast? Richtig, man versucht alle Möglichkeiten der Welt zu nutzen und hetzt so von Job zu Job, von Stadt zu Stadt und von Partner zu Partner. Und hat man es sich allzu gemütlich gemacht, da klopft auch schon die innere Stimme an, um zu verkünden, dass es nun wirklich Zeit sei, weiterzuziehen. Schließlich wartet das Glück immer woanders.

Doch was machen wir wiederum mit einem Leben, das dazu bestimmt ist, nie beim Glück zu Hause zu sein? Am schönsten wäre es doch, wenn wir Vagabunden bleiben dürften und in unserem Wohnwagen einfach etwas Platz für einen zweiten Lieblingsmenschen schaffen könnten.

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