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Neuer Job trotz Schwangerschaft – sag ich es dem neuen Arbeitgeber oder nicht?

Dana erfuhr kurz nach einer mündlichen Jobzusage, dass sie schwanger ist. Damit brachen für sie sämtliche bisherigen Planungen zusammen – und tauchten unzählige neue Fragen auf.

 

Wie der neue Arbeitgeber auf meine Schwangerschaft reagierte

Das erste Bewerbungsgespräch lag hinter mir. Ich hatte ein gutes Gefühl. Es folgte schon bald eine weitere Einladung und ein Gespräch mit dem Vorstand. Einer Einstellung stand nichts mehr im Weg. Bereits am Nachmittag habe ich eine telefonische Zusage bekommen. Ich freute mich sehr. Eine feste Anstellung mit Aussicht auf einen unbefristeten Vertrag war genau, wonach ich suchte. Endlich eine Organisation, die Mitarbeiterinnen langfristig an sich binden wollte. Ich hatte mein großes Ziel vor Augen und die Zusage sicher. Es fehlte nur noch meine Unterschrift im Vertrag, die in den nächsten Tagen folgen sollte.

Doch da gab es noch diese Bedenken. Mir ging es in den letzten Tagen nicht gut. Ich hatte Kopfschmerzen und war ständig müde. Ich hatte einen Verdacht, wollte es aber nicht recht glauben.

Um nicht länger in Unklaren zu sein, holte ich einen herkömmlichen Schwangerschaftstest aus dem Drogeriemarkt. In wenigen Sekunden waren deutlich zwei rosa Streifen zu sehen. Ich konnte es nicht glauben. Ein weiterer Test sollte Gewissheit schaffen. Das Ergebnis veränderte sich nicht.

Ich war schwanger!

Völlig aufgeregt habe ich meinen Freund angerufen und eingeweiht. Wir konnten es nicht fassen. Er freute sich sehr über meine Nachricht. Am Abend sind wir gemeinsam Essen gegangen. Ich zeigte ihm das Testergebnis und wir weinten im Restaurant vor Glück. Das war ein besonderer Moment.

Doch was sollte ich mit meinem neuen Job machen? Was würde der Arbeitgeber sagen?

Jetzt galt es, neue Entscheidungen zu treffen. Möchte ich den neuen Job trotz Schwangerschaft anfangen? Schaffe ich es, den Anforderungen gerecht zu werden? Wie komme ich mit den Nebenwirkungen der Schwangerschaft klar und was sage ich den Kollegen und Kolleginnen im Büro, wenn mich meine Übelkeit und Müdigkeit wieder plagen? Ich fühlte mich nicht leistungsfähig. Meine Konzentration litt unter den hormonellen Veränderungen meines Körpers.

Hilfe bei einer telefonischen Beratungsstelle für Schwangere in Krisen und Konfliktsituationen

Völlig aufgelöst habe ich mich einer telefonischen Beratungsstelle für Schwangere anvertraut und nach einer Lösung gesucht. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich kein Einkommen und überbrückte meine Existenz bereits seit zwei Monaten mit Hilfe meines Freundes. Das Gefühl, finanzielle abhängig zu sein und nicht zu wissen, wie es in den nächsten Monaten weitergehen soll, brachte viele Ängste mit sich. Ich war total verzweifelt. Meine Gedanken überschlugen sich in meinem Kopf. Mein Freund versicherte mir, hinter jeder meiner Entscheidungen zu stehen.

Ich wollte meine Unabhängigkeit zurückgewinnen beziehungsweise sie nicht gänzlich für die nächsten Monate verlieren. Natürlich ist es auch sein Kind und ich könnte mich einfach auf sein Angebot einlassen. Doch die Vorstellung, die nächsten ein bis zwei Jahre von seinen finanziellen Mitteln leben zu müssen, machte mich nervös. Was wenn etwas zwischen uns schiefgeht?

Wie und wann den Arbeitgeber in die Schwangerschaft einweihen?

Die Schwangerschaft änderte in Bezug auf meine neue Anstellung alles. Ich fühlte mich unwohl bei dem Gedanken, das neue Unternehmen anlügen zu müssen. Ich wusste schließlich, dass ich in wenigen Monaten ausfallen würde. Eine Schwangerschaft ist in den ersten Wochen noch unsicher und ich wusste, ich bin nicht verpflichtet, meinen Arbeitgeber davon zu unterrichten. Ich kannte auch die Argumente, dass jeder Arbeitgeber damit rechnen muss, dass Frauen durch eine Schwangerschaft nun mal ausfallen können. Mir hätte die Schwangerschaft auch erst kurz nach Antritt der neuen Stelle auffallen können. Doch ich wollte nicht mit einer Lüge starten. Dafür hatte ich ein zu ehrliches Gemüt.

Das Gespräch mit der Beraterin stärkte mich und schaffte Klarheit. Sie erzählte mir von ähnlichen Fällen und Frauen, die dennoch eingestellt wurden. Ich hatte nichts zu verlieren und ich entschied mich, mit offenen Karten zu spielen. Ich wollte eine faire Chance in dem neuen Unternehmen und niemanden hintergehen. Das passt nicht zu mir. Also habe ich meine veränderte Lebenssituation mitgeteilt und dem Unternehmen überlassen, sich für oder gegen mich zu entscheiden. Die Reaktion des Chefs war freundlich und aufgeschlossen. Er signalisierte mir, dass wir eine Lösung finden werden. Er schätze meine Ehrlichkeit sehr und wir vereinbarten einen späteren Gesprächstermin zur weiteren Klärung.

In der Zwischenzeit machte ich mich auf den Weg zum Frauenarzt und wollte Sicherheit gewinnen. Es gab keinen Weg daran vorbei. Ich war schwanger. Auf dem Ultraschallbild pochte ein kleines Herz. Mir schossen die Tränen in die Augen. Ich war überwältigt und gleichzeitig völlig überfordert mit der neuen Situation.

Mein neuer Arbeitgeber hat mich schwanger eingestellt.

Ich bekam einen befristeten Vertrag!

Der Arbeitgeber hat mir die Stelle gegeben. Ihm war es wichtig, mir eine Chance zu geben, mich im Unternehmen zu zeigen. Ich war überrascht über die Entscheidung. Einziger Nachteil: Der Vertrag wurde auf ein Jahr befristet. Möglicherweise ist es rechtlich für ein Unternehmen schwierig, mir nach einer mündlichen Zusage wegen der Schwangerschaft den schriftlichen Vertrag nicht mehr zu gewähren. Darüber habe ich mir keine weiteren Gedanken gemacht. Für mich war es ein Lichtblick und eine Chance. Sie klärten mich über meinen Mutterschutz auf und dass ich im Falle schwangerschaftsbedingter Beschwerden ein Beschäftigungsverbot von meiner Ärztin bekommen kann. Ich fühlte mich sehr gut aufgehoben und wurde gut aufgenommen.

Leider entwickelte sich mein gesundheitlicher Zustand nicht wie geplant. Mir ging es oft schlecht und ich hatte ständig Ausfälle, woraufhin ich nach wenigen Wochen von der Ärztin ein Beschäftigungsverbot ausgestellt bekam. Es war mir unangenehm, so kurz nach dem Berufseinstieg auszufallen. Doch in diesem Moment zählte das Kind und meine Gesundheit.

Um nach der Geburt in dem Unternehmen wieder einzusteigen zu können, müsste ich direkt nach dem Mutterschutz wieder anfangen zu arbeiten. Ein Gespräch über die weitere Planung und wie die Stelle neu zu besetzten ist, ist noch offen. Erstmal werde ich mein Baby bekommen und schauen, wie sich alles entwickelt. Obwohl ich gern bald wieder arbeiten möchte und mein Partner zwei Jahre in Elternzeit geht, bin ich mir nicht sicher, ob ich gleich voll einsteigen möchte und kann.

Ich habe neun Monate ziemlich viele Einbußen durch die Schwangerschaft gehabt und würde jetzt gern die Zeit zu dritt ohne Arbeitsdruck genießen. Das ist eine Zeit, die so nie mehr zurückkommt.

Trotzdem möchte ich allen Frauen Mut machen, sich zu trauen, einen neuen Job trotz Schwangerschaft anzunehmen. Schließlich kann eine Schwangerschaft total entspannt verlaufen und jede Frau bis sechs Wochen vor der Geburt arbeiten. Inwiefern das für jede Schwangere passt oder nicht, muss jede letztendlich für sich selbst entscheiden. Ich bin froh über meine Entscheidungen und den Weg, den ich bis hierher gegangen bin, und über die Chance, die mein Arbeitgeber mir gegeben hat.


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