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„Power-Posing”: Wie wir durch unsere Körperhaltung selbstbewusster werden können

Vor Präsentationen konzentriert man sich vor allem auf eine gute inhaltliche Vorbereitung. Aber auch die Körperhaltung kann entscheiden dazu beitragen, wie gut wir präsentieren.

Wer kompetent ist, sollte das auch durch die eigene Haltung ausstrahlen

Nach wie vor sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert. Hauptsächlich liegt das an strukturellen Gegebenheiten und äußeren Schwierigkeiten, aber nicht wenige Frauen sind selbstkritischer als Männer und vertrauen weniger in ihre Fähigkeiten. Und diese Unsicherheit wird nonverbal auch nach außen transportiert, in Körperhaltung Mimik und Gesten.

Ich habe beobachtet, dass Frauen oft die Beine übereinander schlagen, wenig in den Bauch atmen, um ihn flach zu halten und insgesamt weniger Raum ein als Männer einnehmen. Manchmal spielen sie aus Verlegenheit mit den Haaren, neigen den Kopf zur Seite oder halten sich an einem Stuhl, Tisch oder Stift fest. All diese Gesten strahlen Unsicherheit aus und können dazu führen, dass man Frauen weniger zutraut, als sie eigentlich können.

Gute Haltung hat auch einen psychologischen Effekt

Ein anderer, ebenso wichtiger Effekt ist der Einfluss der Körperhaltung auf die Psyche. Dass die Körperhaltung mentale und emotionale Prozesse beeinflussen kann, ist in der Psychologie seit längerem bekannt. Es gibt zahlreiche spannende Studien, die dies belegen. Zum Beispiel hat die Wissenschaftlerin Amy Cuddy mit Kolleg*innen 2010 eine interessante Studie durchgeführt, die große Beachtung fand.

Darin konnten sie zeigen, dass das Kortisol-Level (Kortisol ist das Stresshormon) niedriger ist, wenn man eine offene und räumlich ausgedehnte, statt eine geschlossene Haltung einnimmt. Auch die Durchsetzungsfähigkeit, die Risikobereitschaft und das subjektive Gefühl von Macht wurden durch offenere Haltung gesteigert. Die Körperhaltungen wurden jeweils nur zwei Minuten eingenommen und bewirkten auch noch 17 Minuten nach Einnahme der Pose jeweils einen messbaren Anstieg oder Abfall des Kortisol-Levels!

Gute Haltung macht selbstbewusst

Darüber hinaus wird auch die Selbsteinschätzung durch die Körperhaltung beeinflusst. Die Forscher*innen Brinol, Petty und Wagner gaben den Proband*innen zwei Körperhaltungen vor: eine aufrechte Haltung mit geraden Schultern und eine gebeugte Haltung mit runden Schultern.

Sie testeten, wie sich diese Haltungen auf die Selbsteinschätzungen ihrer Teilnehmer auswirken. Die Teilnehmer*innen schrieben eine Liste ihrer besten und schlechtesten Qualitäten auf. In der gebeugten Haltung zeigten sie mehr negative selbstbezogene Einstellungen als in der aufrechten Haltung. Es gibt viele weitere Studien dieser Art in verschiedenen Varianten. Sie alle zeigen, dass die Körperhaltung einen Einfluss auf unsere Emotionen, (Selbst-) Wahrnehmung und Motivation hat.

Auch Körperhaltung muss geübt werden

Für mich als Coach für Embodiment, Psychologin und ehemalige Tänzerin sind diese Ergebnisse nicht überraschend. Ich arbeite seit Jahren mit vielen Klient*innen und bringe ihnen bei, wie sie durch Entspannung, Atmung und Aufmerksamkeit auf die Körperhaltungen, Veränderungen bewirken können.

Außerdem übe ich meine Vorträge mittlerweile immer mit sogenanntem „Power-Posing”, also einer offenen und räumlich ausgedehnten Körperhaltung, damit ich während der Präsentation nicht mehr über meine Haltung und Gesten nachdenken muss. In der Psychologie nennt man das Priming, d. h.,
dass während des Übens, alle positiven Effekte des Power-Posings aktiviert und mit den Inhalten des Vortrages verknüpft werden. So wird die Psychologie
des Körpers genutzt, um eine selbstbewusste und authentische Präsentation halten zu können, in der man sich sicher und wohl fühlt.

Eine aufrechte, zentrierte und raumfüllende Haltung zu etablieren ist für Frauen also in zweierlei Hinsicht wichtig: um mehr Selbstbewusst nach außen zu vermitteln und auch innerlich selbstbewusster zu sein.

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