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„Selbstliebe vorleben ist das Wichtigste“ – welche Rolle unser Aussehen für unser Selbstwertgefühl spielt, erklärt eine Expertin

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Unser Selbstwertgefühl ist damit verknüpft, wie wir uns wahrnehmen – und das kann man positiv beeinflussen. Coach Lea Vogel erklärt, wie es funktioniert und warum wir noch heute damit anfangen sollten.

So hängen Aussehen, Auftreten und Selbstwertgefühl zusammen

Wenn wir uns morgens beim Blick in den Spiegel positiv und stark fühlen, strahlen wir das auch aus. Doch wie entsteht dieser positive Impuls und warum beeinflusst unser Aussehen überhaupt unser Selbstwertgefühl? Welche Rollen Schönheitsideale und die Gesellschaft dabei spielen, erklärt Lea Vogel im Interview. Die Wahl-Berlinerin arbeitet als Coach mit Fokus auf Persönlichkeitsentwicklung und Mindfulness. Mit uns spricht sie über ein achtsames Verhältnis von Aussehen, Auftreten und Selbstwertgefühl – und erklärt, wie wir es aktiv trainieren können.

Lea, warum spielt das Aussehen für das eigene Selbstwertgefühl überhaupt eine Rolle?

„Unsere Optik ist ein wichtiger Faktor, dass nicht nur unseren Körper oder unsere Seele betreffend, sondern weil wir damit auch unsere Identität aufbauen. Das wird schon im Kindesalter bedingt. Wenn wir zurückblicken, fällt auf: Wir werden für Dinge gelobt, die wir gut können. Das Aussehen gehört dazu: ‚Oh, du hast aber ein tolles Kleid an! Wie hübsch du heute bist!‘ Unser Umfeld reagiert darauf mit viel Lob und Rückmeldung.

Unser Selbstwert wird nicht erst beeinflusst, wenn wir etwas Schlimmes erfahren haben oder gemobbt wurden. Auch positive Rückmeldung wirkt sich entsprechend aus. Wenn dieses Lob dann mal ausbleibt, fragen wir uns: ‚Stimmt noch alles? Ist noch alles okay?‘ Ein solches Aufwachsen hat zur Folge, dass wir in einer Wechselwirkung mit der Welt stehen, also immer die Rückmeldung brauchen. Wir fragen uns: ‚Bin ich noch schön? Ist alles noch okay?‘ Die Prägungszeit findet in jungen Jahren statt und resultiert darin, dass wir einen sehr großen Fokus auf unser Aussehen legen. Eigenschaften wie ‚Du hast einen coolen Charakter‘ werden einfach nicht so häufig betont wie unsere äußere Erscheinung und deshalb baut sich unser Selbstwertgefühl auch so auf.“

Welche Faktoren sind für ein großes Selbstbewusstsein überhaupt wichtig?

„Unser Selbstwertgefühl entsteht, wie gesagt, unter anderem durch Prägung.
Und wenn wir beispielsweise in einem Haushalt aufwachsen, in dem wir eingeredet bekommen, wir seien nicht gut genug, weil wir die Erwartungen der sehr leistungsorientierten Eltern nicht erfüllen, kann es sein, dass wir das annehmen und nicht allzu gut über uns selbst denken. Diese kritische Stimme manifestiert sich dann. Viele meiner Klient*innen sagen aber auch: ‚Meine Eltern haben alles richtig gemacht, mich gefördert und gefordert und ich fühle mich trotzdem scheiße.‘

Es kann auch daran liegen, dass eine introvertierte Persönlichkeit beispielsweise eine Mutter hat, die sich selbst nie so wichtig genommen hat. Die ihre Bedürfnisse zurückstellt, immer für andere da ist – so lernen wir, dass man sich unterzuordnen hat. Dass andere wichtiger sind als man selbst. Da kann der Umgang noch so liebevoll sein. Auch das wirkt sich auf unser Selbstwertgefühl aus. Im Laufe unseres Lebens macht jede*r von uns Erfahrungen in der Wechselwirkung mit der Welt. Das kann ein dummer Spruch im Schwimmbad sein, den wir als Teenager zu hören bekamen – auch wenn wir im Erwachsenenalter drüberstehen, zeigt allein der Fakt, dass wir uns erinnern, dass das damals eine kleine Wunde hinterlassen hat. Ob wir uns davon bestimmen lassen oder nicht, kommt vor allem darauf an, wie ehrlich wir zu uns selbst sind. Wenn wir annehmen, dass uns solche Dinge beeinflussen, können wir solche Themen aufarbeiten.“

Kann man Selbstbewusstsein und ein gutes Selbstwertgefühl überhaupt trainieren?

„Ja! Der erste Schritt: Schau dir mal die Stimme an, die dir das Gegenteil sagt. Das klingt erstmal paradox, ist aber hilfreich. Werde vertraut mit ihr. Bleiben wir bei der Optik: Wenn du dich im Spiegel siehst – in der Umkleide in grellem Licht oder auf einem Foto, auf dem du dir selbst nicht gefällst – warum gibt dir die Stimme eigentlich ein schlechtes Gefühl? Oft ist es so, dass wir sie zwar wahrnehmen, aber sehr unterschwellig. Hör dir also zuerst an, was dir dein innerer Kritiker oder Miesmacher genau mitteilt. Wenn du vertrauter mit der Stimme bist, wirst du merken, dass alles eine Kernbotschaft in sich trägt: ‚Du kannst sowieso machen, was du möchtest, du bist nicht genug.‘

Diese Konfrontation kann schmerzhaft sein. Doch nur so können wir uns die Frage stellen: Woher kommt das eigentlich? Was hat in meinem Leben dazu beigetragen, dass ich mich nicht genug fühle? Sobald wir das realisiert und dieses unangenehme Gefühl zugelassen haben, können wir tun, was zuvor nicht möglich war: uns selbst mit uns anfreunden. Das kann die härteste Reise sein, die wir jemals antreten werden. Doch jedes Mal, wenn unser innerer Kritiker laut wird, können wir als erwachsene Menschen innehalten und uns fragen: ‚Stop! Würde ich so mit meiner Tochter sprechen, wenn ich eine hätte? Würde ich so mit meiner Freundin sprechen?‘ Es geht darum, die innere Sprache zu ändern.“

Stichwort Freundin. Wie hilft man im Alltag dabei, das Selbstwertgefühl anderer zu stärken, die viel zu hart zu sich selbst sind, wenn es um ihr Aussehen geht?

„Transparent zu sein ist sehr wichtig. Dazu gehört zum Beispiel, dem Gegenüber die Frage zu stellen: ‚Siehst du dich eigentlich so, wie ich dich sehe?‘ Selbst ein Vorbild zu sein steht im Fokus. Was ich immer cool und beeindruckend an meinen Freundinnen finde ist, dass sie sich selbst annehmen, obwohl sie natürlich auch nicht perfekt sind. So stellen sie ein positives Beispiel dar. Wenn wir zu uns selbst sehr kritisch sind, dann aber zu unseren Freundinnen sagen ‚Nee, du musst doch wirklich nicht kritisch sein‘, funktioniert das nicht. Selbstliebe vorleben ist das Wichtigste – das heißt: uns so annehmen wie wir sind, damit sich auch die Menschen in unserem Umfeld so annehmen können wie sie sind.“

Stimmt es eigentlich, dass eine Veränderung des Aussehens automatisch auch das Selbstbewusstsein beeinflusst?

„Automatisch klappt das nicht. Häufig erlebe ich bei Klient*innen, dass die kritische Stimme dann nicht aufhört, kritisch zu sein. Selbstwertgefühl ist eine innere Haltung. Und diese innere Haltung besagt: Ich erkenne meinen Wert und wie liebenswert ich bin – ganz unabhängig davon, wie ich aussehe. Diese Haltung sagt nicht: Ich ändere alles, damit ich mich lieben kann. Es kommt dabei natürlich darauf an, wie sehr deine Lebenswelt durch dein Problem eingeschränkt ist – denn wenn deine Lebensqualität steigt, steigt auch dein Selbstwert. Das passiert aber keinesfalls automatisch oder einfach so. Was wir häufig damit verwechseln: Wenn wir etwas verändern, bekommen wir Lob und
Zuspruch von außen. Durch diese Bestätigung wächst für einen kurzen Moment auch unser Selbstwert. Sobald sie abklingt, weil sich unser Umfeld daran gewöhnt hat, kann es jedoch gut sein, dass wir ein neues Problem an uns finden.
Lebensqualität ist am Wichtigsten und im Vordergrund steht, das innere Thema zu lösen.“

Was kann ich heute aktiv für mein Selbstwertgefühl tun?

„Was ich wirklich empfehlen kann, weil es sich aus meiner Sicht um ein Wundertool handelt, das ich seit fünf Jahren für mich nutze: jeden Tag Dinge notieren, die wir an uns mögen und für die wir dankbar sind. Ich schreibe mir auch auf, dass ich dankbar bin, weil ich mir fünf Minuten Zeit genommen habe, mal in Ruhe zu essen. Dass ich stolz auf mich bin, einen Auftrag gut erledigt zu haben. Dass ich an mir mag, dass ich klug bin. Es geht darum, sich zu loben, weil wir ein Gegengewicht zu der inneren Stimme entwickeln müssen, die uns stetig kritisiert. Denn erst, wenn es dieses Gegengewicht gibt, finden wir die Balance, die unserem Selbstwert gut tut.“

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Unsere Selbstwahrnehmung wird von vielen Faktoren beeinflusst – gemeinsam haben sie, dass es darum geht, aktiv zu werden. „Ich habe mich vor allem beim Lachen sehr stark beeinträchtigt gefühlt, denn ich bin eigentlich ein Mensch, der viel lacht und lächelt“, erzählt Anna Serova, Content Managerin einer Digitalagentur, über den Moment, in dem sie wusste, dass sie etwas verändern wollte. Sie entschloss sich dazu, sich als Erwachsene die Zähne richten zu lassen. Das ganze Interview mit Anna lest ihr hier.

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