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Christiane Funken: Warum die Arbeitswelt der Zukunft weiblich ist

Die Soziologin Christiane Funken hat ein Buch über die Zukunft der Arbeitswelt geschrieben. Was diese ihrer Meinung nach auszeichnen wird? Wir Frauen.

 

Uns Frauen gehört die Zukunft – wenn wir zupacken

Unsere Arbeitswelt befindet sich im stetigen Wandel: Strukturen und Hierarchien ändern sich, wenn auch oft viel zu langsam. Aber was heißt dieser Wandel für uns konkret? Welche Chancen birgt er? Und welche Gefahren? Die Soziologin Christiane Funken hat genau diese Fragen untersucht. Ihr Ergebnis: Der zukünftige Arbeitsmarkt braucht mehr Selbstorganisation, Integrationsfähigkeit, Kreativität und psychologisches Gespür, allesamt Fähigkeiten und Attribute, die sie vor allem Frauen zuschreibt. Aber, stehen neue Arbeitsanforderungen und alte Arbeitskulturen nicht immer noch häufig im Widerspruch? Wie schaffen Frauen es, diesen Wandel nach vorn zu treiben und für sich zu nutzen? Damit beschäftigt sich Funken in ihrem Buch: „Sheconomy“. Eine Antwort: Frauen müssen lernen Macht für sich zu beanspruchen. Doch viele Frauen haben immer noch Angst davor – warum eigentlich? Diese Frage wird in Kapitel 7 behandeln, aus dem wir einen Auszug vorstellen.

Macht – unweigerlich ein Thema

Wie stehe ich zum Thema Macht? Junge Frauen, die ihren ersten Job antreten, mag diese Frage überraschen. Zu Beginn ihrer Karriere besitzen sie schließlich ohnehin keine Macht. Ob sie gerne Macht haben möchten, das können sie sich, so scheint es, auch dann noch überlegen, wenn jemand sie ihnen anbietet.

„Überhaupt geht es bei der Arbeit doch nicht um Macht, sondern um Inhalte.“ So oder ähnlich denken viele Berufsanfängerinnen. Doch nach einigen Jahren im Unternehmen, ab einer bestimmten Hierarchieebene, spielt das schwierige Verhältnis von Macht und „Weiblichkeit“ auch für sie eine entscheidende Rolle.

Es beginnt mit Kleinigkeiten, die, für sich allein genommen, nicht weiter bemerkenswert erscheinen: mit der Beobachtung, eine Frau mache „das Klima im Betrieb so viel herzlicher“; mit der harmlosen Feststellung, „Kinder würden so gut zu dir passen!“; dem lächelnden Übergehen einer Wortmeldung, als passe das, was die einzige Teilnehmerin im Teammeeting äußert, nicht wirklich hierher; mit dem vergifteten Kompliment, eine Projektleiterin habe „Eier bewiesen“; der lustig gemeinten Bezeichnung „der Chef“ für die Vorgesetzte; mit der Andeutung, ein Mitarbeiter vom Außendienst „fand dich hinreißend“; oder auch mit dem Getuschel, aufgepasst, die Frau habe „Haare auf den Zähnen“ – um nur einige Beispiele zu nennen. All diese Sätze und Gesten haben nur ein Ziel: die jeweiligen Frauen darauf hinzuweisen, dass sie in erster Linie eine Frau sind.

Macht und Weiblichkeit gelten als unvereinbar

Was bereits im unteren und mittleren Management als erfolgreiche Strategie männlicher Machtpolitik zur Verunsicherung weiblicher Konkurrenz greift, wird im Topmanagement auf die Spitze getrieben. Hier scheinen nahezu alle Mittel recht, um Gegnerschaft auszuschalten. Die wenigen Frauen sind dabei häufig eine beliebte und scheinbar ungefährliche Zielscheibe. Allein unter Männern sind Frauen exponiert und besonders angreifbar.

„In der ersten Führungsebene war ich bis vor einem Monat die einzige Frau. Insofern bin ich eh schon ein bisschen ein bunter Hund gewesen.
Auf Gruppenleiterebene ist das auch vorgekommen, allerdings nicht mit den gleichen Ressentiments behaftet, wie ich das jetzt erlebt habe.“ (Irmgard P., 39)

Schon Isolation und Exponiertheit können Managerinnen zermürben.
Aber ein weiterer Faktor kommt hinzu: Die Mittel, mit denen Männer Erfolg
haben, sind Frauen nicht erlaubt. Irmgard Schwätzer fasste ihre Erfahrungen in
der männlich geprägten politischen Berufswelt 1994 mit den Worten zusammen: „Wir Frauen dürfen nichts wollen.“

Den aufstiegswilligen Frauen machen in Unternehmen allerdings nicht nur die stereotypen Zuschreibungen von außen zu schaffen, denen zufolge sich Macht und „Weiblichkeit“ nicht vertragen, sondern ebenso die Tatsache,
dass sie diese Klischees vielfach selbst verinnerlicht haben. Macht ist für die
Mehrheit der Frauen negativ konnotiert, gleichbedeutend mit Rücksichtslosigkeit, Übervorteilung, Kampf oder gar Gewalt. Sie kommen ihrerseits von der Vorstellung nicht los, Macht sei etwas grundsätzlich „Unweibliches“, etwas Unmoralisches, das ihnen oder anderen nur schaden kann.

Macht – ein Tabuthema für Frauen?

In meiner Studie über Managerinnen im Alter von fünfzig aufwärts
betrachteten sämtliche von mir interviewten Führungsfrauen „Macht“ als ein
äußerst heikles Thema – im Unterschied zu ihren männlichen Kollegen. Keine
Einzige nahm die Macht, über die sie verfügte, als etwas Selbstverständliches
wahr, alle hatten ein von kritischer Selbstreflexion geprägtes Verhältnis zur Macht; denn ihre Erfahrungen mit der männlichen Ausübung von Macht waren überwiegend negativ. In der Folge sprachen sie das Thema „Macht“ oft von sich aus an und waren bereit, die Frage, ob „Macht“ etwas für sie Ungewohntes, (Un-)Natürliches oder Schwieriges sei, zu erörtern. Die erfolgreichen Frauen lehnten Macht zwar nicht ab, hatten diese aber ausnahmslos als etwas Problematisches erlebt. Macht, so schien es ihnen, war nichts, das sie selbstverständlich annehmen und genießen konnten.


Aus: Christiane Funken: Sheconomy: Warum die Zukunft der Arbeitswelt weiblich ist“, C. Bertelsmann Verlag, 208 Seiten, 17,99 Euro. 



Titelbild: Flickr – WOCinTech Chat StockCC BY 2.0


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