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Der Bewerber-Test von dieser Geschäftsführerin ist höchst fragwürdig

Die Geschäftsführerin Erika Nardini hat sich einen besonderen Test ausgedacht, um die richtigen Mitarbeiter für ihr Unternehmen zu finden. Und der wirft ein paar Fragen auf.

Sei immer bereit zu arbeiten – oder du bekommst den Job nicht

Es ist nicht einfach, die passenden neuen Mitarbeiter für ein Unternehmen zu finden und ein Team zusammenzustellen, das gut miteinander arbeiten kann. Gerade für junge Unternehmerinnen und Unternehmer, aber auch für Menschen, die neu in einer Führungsposition sind, ist die Auswahl von Bewerbern eine große Herausforderung und es braucht seine Zeit, bis man weiß, mit welchem System man die besten Leute für sich findet.

Und das kann sicherlich sehr individuell aussehen. Ein fragwürdiges Beispiel für solche Methoden liefert jedoch die Unternehmerin Erika Nardini, Geschäftsführerin der amerikanischen Sport- und Lifestyle-Webseite „Barstool Sports“, die in einem Interview mit der New York Times über einen Test für Bewerber sprach, den sie regelmäßig anwendet.

Wer nicht innerhalb von drei Stunden antwortet, ist raus

Wer bei ihr eingestellt werden will, der sollte sich am Wochenende nach dem Vorstellungsgespräch bereit halten: „Wenn du im Bewerbungsprozess bei uns weitergekommen bist, werde ich dir morgens gegen neun Uhr abends oder elf Uhr  an einem Sonntag schreiben, um zu sehen, wie schnell du antwortest.“ Wer nicht innerhalb von drei Stunden zurückschreibt, fliegt raus.

Warum macht sie das? Nach eigener Aussage nicht, weil sie auch in Zukunft Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben will, die das Wochenende durcharbeiten – aber zumindest jene, die immer bereit wären, loszulegen und die Arbeit auch am Wochenende nicht aus den Augen verlieren:

„Es ist nicht so, dass ich euch das ganze Wochenende nerven werde, wenn ihr für mich arbeitet. Aber ich möchte, dass ihr erreichbar seid. Ich denke rund um die Uhr an die Arbeit. Ich will Leute in meinem Unternehmen, die ebenfalls die ganze Zeit daran denken.“

Druck aufbauen – ist das der richtige Weg?

Es ist wohl kein Geheimnis, dass alle Führungskräfte gerne Mitarbeiter um sich haben, die engagiert sind und nicht per se den Stift nach acht Stunden fallen lassen, no matter what. Aber sind es wirklich immer die produktivsten Mitarbeiter, die den Job gar nicht mehr aus dem Kopf bekommen, die auch am Wochenende stets die Arbeit im Kopf haben – und viel wichtiger, wie gut geht es diesen nach einer Weile? Wer keine Pausen macht, brennt aus, wird krank und fahrig. Und wem schon im Bewerbungsprozess diese Haltung entgegenschlägt, wird es später schwer haben, so etwas wie eine Balance zwischen Arbeit und Privatleben aufrecht zu erhalten. Denn dass das nicht gefragt ist, wird mehr deutlich – und das ist schlicht ein Problem, für eine gesunde Unternehmenskultur.

Führungskräfte tragen Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Es ist gut, ambitioniert zu sein und es wird immer Phasen im Berufsleben geben, die Überstunden oder auch einen Einsatz am Wochenende mit sich bringen. Aber das sollte die Ausnahme und nicht die Regel sein – ist es anders, herrscht personelles Missmanagement. Die Motivation, sich für seinen Job einzusetzen, sollte und kann letztlich auch nicht aus einem Druck entstehen, sondern immer nur durch Visionen, durch Wertschätzung und durch ein respektvolles Miteinander. Und diese Werte lässt dieser Test leider nicht erkennen.

Aber ein Gutes hat der Test von Erika Nardini ja: Wer so eine Nachricht von einem potenziellen neuen Arbeitgeber erhält, sollte sich selbst einen Gefallen tun und nicht auf die E-Mail antworten.

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