Foto: Janina Garçonne

„Ich bin nicht wie andere Mädchen” – Doch, bist Du! Und das ist auch gut so.

Wir Mädchen sind toll, einzigartig und besonders. Deshalb sagen wir gerne über uns selbst: „Ich bin nicht wie andere Mädchen”, glaubt unsere Community-Autorin. Dieser Satz macht sie allerdings richtig wütend. Warum?

„Ich bin nicht wie andere Mädchen“

Diesen Satz hast du bestimmt schon mal gehört oder sogar selbst schon einmal gesagt – zu deinem Date oder zu deinen Freunden. Diese anderen Mädchen, wer sind sie? Mädchen, die One Night Stands haben, viel Make-up tragen, Diät halten, um ihre Frisur fürchten und auf Mädelsabenden hysterisch zu Prosecco kichern. Kommt dir dieser Gedanke bekannt vor?

Mir schon, ich habe das viel zu oft gedacht und ich weiß: Mit dieser Aussage ist vieles falsch. Es gibt keine anderen Mädchen. Frauen und Mädchen sind komplex. Jede hat ihren eigenen Interessen, Hobbies, Charakterzüge. Es ist unmöglich viele Frauen in ein Stereotype zu pressen, aber genau das macht diese Aussage. Warum wollen Mädchen und Frauen nicht wie andere Mädchen und Frauen sein? Warum degradieren wir uns gegenseitig durch diesen Satz?

Seit wir klein sind entwickeln wir einen Ablehnung gegenüber dem eigenen Geschlecht. Während wir aufwachsen, lernen wir, das Weiblichkeit gleichbedeutend ist mit Oberflächlichkeit. Wir lernen den Umgang mit Schminke, stibitzen uns Röcke aus Mamas Kleiderschrank und reden mit Freundinnen über unsere viel zu krausen Haare und viel zu breiten Hüften.
Historisch gesehen wird Weiblichkeit oft mit Schwäche assoziiert. Es sind Männer, die die Welt regiert, Kriege begonnen und Geschichte geschrieben haben. Frauen in der Geschichte: Nur ein Anhängsel und die Stütze starker Männer? Nein. Es gibt viele Frauen, die etwas bewegt haben, Jeanne d´Arc oder Victoria Woodhulf Martin, eine der wichtigsten Frauenrechtlerinnen im 19. Jahrhundert, zum Beispiel. Denen ist aber nicht dieselbe Aufmerksamkeit geschenkt worden wie Männern.

Hey Bitch! – Frauen und Stereotype

Vielleicht sagst du, dass du nicht mit anderen Mädchen klar kommst. Dass du lieber Männer deine Freunde nennst, weil Frauen zu anstrengend und oft zu zickig sind. Aber: Das ist, als würdest du sagen: „Ich mag keine Menschen mit braunen Haaren.“ Das ist eine Verallgemeinerung, die du vielleicht aufgrund der ein oder anderen schlechten Erfahrung, die du gemacht hast, triffst. Eigentlich albern, oder?

Warum denken viele Menschen so? Weil sie sehen, wie andere Mädchen sich klischeehaft verhalten oder in Stereotypen gepresst werden, wie Frauen andere Frauen „Bitch!“ nennen oder es heißt „Du bist doch ein Mädchen, du solltest lange Haare haben und Rosa mögen.“

Aber dich deshalb von anderen Frauen abzugrenzen, sie schlecht zu machen, weil man selbst als besonders und toll dargestellt werden möchte, ist auch nicht die Lösung. Oft sind Frauen, die so über andere Frauen sprechen, Menschen die glauben, mit anderen Frauen konkurrieren zu müssen. Vielleicht handeln sie so, um sich selbst attraktiver zu machen. Vielleicht für einen Mann.
Doch indem du sagst: „Hey, ich bin nicht wie die anderen, die du bisher vielleicht hattest!“, wertest du ein ganze Reihe von starken, kreativen, wundervollen Frauen kollektiv ab. Indem du das sagst, bekräftigst du den Gedanken, dass die meisten Frauen einem Sterotyp entsprechen und vielleicht sogar schwach sind. Nur du selbst bist angeblich die Ausnahme.

Girlie Girl und Tomboy: Ich will Vielfalt

Ich glaube daran, dass es Gleichberechtigung geben muss. Nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern auch zwischen Frauen. Frauen haben ein Recht darauf, ein „Girlie Girl“ zu sein.  Und das Recht darauf, zu Hause zu bleiben und Mutter zu sein, genauso wie das Recht, ein Girlboss zu sein und hart zu arbeiten. Nichts davon macht ein Mädchen besser als ein anderes Mädchen, egal ob du Make-up trägst oder kein Make-up trägst, dich schick machst oder im Kapuzenpulli herumläufst.

Ich möchte Frauen sehen, die in der Literatur und im Film  so stark abgebildet werden, wie sie in der Realität sind, ohne dabei das Recht zu verlieren auch schwach und komplex sein zu können. Ich will alle Schichten von Menschlichkeit sehen, die es gibt. Keine eindimensionalen Charaktere. Weil Frauen eben besonders sind und nicht „wie andere“.

Frauen sind toll! Frauen sind cool! Du solltest froh sein, eine Frau zu sein und du solltest nie das Bedürfnis vermittelt bekommen, dich deswegen erklären zu müssen. Und du solltest den Satz: „Ich bin nicht wie andere Mädchen”, aus dem Wortschatz streichen. Wir sollten uns darüber klar werden, wie wir diesen Satz verwenden und was er impliziert. Und wie schön es ist sagen zu können: „Ich bin ich.“

Dieser Text ist bereits auf Janinas Blog erschienen. Wir freuen uns ihn auch hier veröffentlichen zu können.

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