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Warum Neid sich zwar furchtbar anfühlt, aber nichts Schlechtes sein muss

Neid auf das, was andere können oder haben, kennt jeder. Gut fühlt sich das nicht an. Aber was ist, wenn andere mal auf uns neidisch sind und dir das Gefühl plötzlich gefällt?

 

Die vielen Facetten dieses Gefühls

Neid frisst auf. Neid
macht unglücklich. Neid ist scheiße. Aber schon mal gespürt, wie es ist, wenn
andere neidisch auf dich sind? Schon mal wahrgenommen, wie wohlig warm sich
dieses Gefühl in dir ausbreitet? Schon mal ein verlegenes Grinsen verkneifen
müssen, weil du den Neid deines Gegenübers gespürt hast?

Mein Gott, was war ich neidisch. Ach was, bin! Schon immer.
In der Schule das typische Trauma, dass ich irgendwie immer das dickste Kind in
der Klasse war. Naja, typisch, weil das irgendwie ziemlich viele von sich
erzählen. (Randnotiz: Da kann ja was
nicht stimmen. Mmh, egal.
Randnotiz Ende). Trotzdem neidisch eben darauf,
dass die anderen, weil sie eben schlanker, also hübscher, also beliebter waren,
immer so viele Freunde hatten, sich nie langweilten und immer etwas zu lachen
hatten.

Neidisch darauf, dass die hübschesten Kinder auch immer die
besseren Noten hatten, ein Instrument spielen konnten oder doch zumindest in
einem Chor sangen, worauf ich offen gestanden auch nie Lust hatte, also auch
Neid auf den Elan der anderen.

Immer auf die anderen schauen

Mit der Versöhnung mit der Waage, einem akzeptabel großen Freundeskreis
und dem vom Rektor höchstpersönlich unterzeichneten
Mehr-Schulbildung-geht-nicht-Wisch wurde das leider nur bedingt besser. Denn
die anderen, die wussten dann natürlich nicht nur was sie studieren wollten,
nein, die hatten natürlich auch schon eine feste Zusage. Aber hey, natürlich
nicht nur von einer Uni, nein gleich von zehn. Die Ärmsten wussten gar nicht
wo’s hingehen soll. Während ich da saß auf heißen Kohlen und einfach nur raus wollte
aus diesem Gott verlassenen Nest.

Ich brauch‘ nicht zu sagen, dass eben diese Leute mit
Aufkommen von studiVZ, Facebook und wie sie alle hießen und heißen, auch ein
perfektes Social-Life
hatten. (Achtung Randnotiz: In diesem Moment, jetzt gerade, sitze ich noch immer mit hochrotem Kopf
am PC und ärgere mich – über die und über mich, dass mich das ärgert. Mann, du
bist fast 30!
Randnotiz Ende). Freundesliste voll, viel extrem lustige Konversation unter total sexy-süßen Bildern von letzter
Nacht.

Und dann passierte es. Dann als die fiese
Arbeitsmarktrealität zuschlug. Dann als sich alle (Achtung Randnotiz: wie sich im Real-Life dann oft feststellen
lässt
Randnotiz Ende) mehr oder weniger bravourös durchs Studium
gedeichselt haben und es an der Zeit war, Mamas Rockzipfel endgültig zu
verlassen: Da war er da, mein erster Job. Mein erster Vertrag, auf dem ein
gutes Gehalt drauf stand. Ich war aufgestiegen aus den Resten der scheinbar
unendlich feuernden Praktika-Pyro-Show.

Und plötzlich: stolz!

Mein Gott war ich stolz. Und zum ersten Mal bekam ich einen
Blick dafür, wie viele andere um mich herumwuselten und genau das Gleiche
durchmachten – bis dato, ja bis heute sogar. Und zum ersten Mal bekam ich diesen
Hauch von Neid zu spüren:  Sie waren
neidisch auf mich, meinen Job, und ja auf mein Aussehen (Achtung Randnotiz: anscheinend bin ich gar nicht mal übel
Randnotiz Ende). Und während ich im Real-Life in Gesprächen mit eben diesen
Leuten ganz social ein „Ach was, das kannst du auch” und ein „Du, da hatte ich einfach Glück
und ein „Hey, das packst du ganz bestimmt auch bald” abdrückte, ergötze ich mich
innerlich an diesem Gefühl.

Erwischt! Ich weiß, moralisch in Ordnung ist das nicht. Aber
gefeit davor ist niemand. Da bin ich mir ziemlich sicher. Naja außer bei den
Leuten, die mittlerweile im hinabschauenden Hund Chants runtersäuselnd in
irgendwelchen balinesischen Tempeln sitzen
und echt total bei sich selbst
angekommen sind (Randnotiz: das würde ich
doch tatsächlich auch mal gern machen. Eigentlich beneide ich diese Leute,
fällt mir gerade auf
Randnotiz Ende). Nicht umsonst ist es auch eine
anerkannte Strategie, sich das Leid anderer vor Augen zu führen, um sich selbst
besser zu fühlen.

Okay …. schuldig

Und ja, ich fühlte mich besser. Manchmal richtig verdammt
gut. Aber das Schlimme daran ist nicht, dass ich
mich dabei so gut gefühlt habe. Das würde ich mal ganz schlicht als allzu
menschlich verbuchen.

Das Schlimme ist doch, dass wir, die wir so Ende Zwanzig
oder eben doch schon mit dieser scheiß Drei davor, von klein auf mit dem Credo
eingelullt werden, dass nur Erfolg, der auf dem Konto zu sehen ist, der völlig
überzogene Versicherungsarmadas zulässt, der uns zu wertvollen Bürgerinnen, meint  Steuerzahlern
macht, der uns vor beschämenden Situationen schützt, wenn wir mal wieder
Nachbar, Freundin oder wem auch immer erzählen sollen, was wir eigentlich so
machen. Übrigens nur, damit der sich von seiner eigenen Unzulänglichkeit
ablenken kann und das Gesagte weder verstehen geschweige denn behalten will  – das es dieser Erfolg ist, auf den es ankommt.
Diese frühkindliche Unterrichtseinheit war doch eigentlich nur dazu da, dem
Kind die Illusionen zu nehmen und klar zu stellen, dass der Neid der anderen,
die einzig befriedigende Anerkennung ist – für alles, was wir sind.

Für was der Neid steht

Pam! Das hat gesessen. Man könnte das jetzt so stehen lassen
und einfach sagen: „That’s the world we live in, geh unter oder surfe.“ Aber
nein, das wäre doch zu einfach und irgendwie bequem, sich in dieser zynisch-wabernden
Masse zu suhlen.  

Das Stichwort heißt Stolz. Ja, man darf nämlich stolz darauf
sein, was man erreicht hat. Auch stolz darauf, was man aus Überzeugung
vielleicht auch aufgegeben hat. Stolz darauf, zu sein und zu leben, wie sich
das ganz tief in einem drin richtig anfühlt. Egal, ob superschlank oder eben
nicht, ob Chefin mit 100 Angestellten oder eben nicht, ob mit Abitur oder eben
nicht, ob mit Kindern oder nicht. Ich denke, „That’s the world we live in oder
machen wir sie uns eben so, wenn’s uns gefällt.“ Ein bisschen Pippi kann doch
nicht falsch sein?

Und ja, Neid ist scheiße und ja, der eklig-bittere Geschmack
von Neid kommt immer mal wieder hoch. Aber dann sehen wir es eben als Ansporn
an uns selbst, noch etwas zu verändern, am besten an der inneren Einstellung
(Achtung Randnotiz: vielleicht dann eben
doch mal nach Bali und das mit den Chants ausprobieren
Randnotiz Ende),
damit Herr Neid, sich einfach mal gepflegt von Acker machen kann. Und dann wird
Neid vielleicht einfach nur zum Motivationstrainer.

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