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Warum ich Silvester hasse

In ihrer Thirtysomething-Kolumne schreibt Silvia über alles, was ihr gerade durch den Kopf geht. Und diese Woche über den unsäglichsten Abend des Jahres.

Happy New Year? Ach, halt die Klappe!

So da stolpern wir also gerade dem Jahresende entgegen, versuchen noch schnell alles richtig und alles fertig zu machen, betreiben Menschen-Tetris auf Weihnachtsmärkten, taumeln durch diverse Weihnachtsfeiern, trinken uns blau, essen uns rund, dann ist da endlich das Fest der Liebe (Haha!) und dann auch schon Silvester. Mal ehrlich – wenn nicht alle behaupten würden, dass das total schön und besinnlich ist, würde ich ja eher sagen: Was für eine abartige Zeit – die dann auch noch mit dem nervigsten aller Tage endet. Und das auch noch jedes Jahr. Geht es euch nicht auch so, dass Weihnachten schon ab Nikolaus anfängt zu nerven? Und dann erst die Silvesterplanung, das ist ja das Allerschlimmste, die beginnt doch gerne schon mal im Spätsommer. Denn es gibt immer irgendeinen nervösen Heini im Freundeskreis, der sich schon im September mit dem letzten Tag des Jahres beschäftigen will und damit allen auf den Keks geht.

Denn die Augen verdrehe ja nicht nur ich, wenn panische Gestalten schon bei Pulli-Wetter über das Jahresende sinnieren wollen – ich kenne ehrlich gesagt kaum Menschen, die sagen: „Gut, dass du das ansprichst – Silvester, hach ist das toll! Da freu ich mich schon das ganze Jahr drauf!“ Nö. Ich kenne eigentlich nur die „Is mir doch egal, irgendwas machen wir da eben“ und die aufgeregten Rundmail-Schreiber, die schon seit Januar Deko bei sich horten und es gar nicht abwarten können, den Inhalt von Knallbonbons wieder in irgendeine Wohnung regnen zu lassen. Natürlich beginnen besagte E-Mails immer gleich: „Dieses Jahr machen wir das mal früh dingfest, dann brauchen wir uns nicht so stressen …“ Und wie jedes Jahr, geht dieser Plan natürlich nicht auf. Auch wegen so Menschen wie mir, die sich damit einfach nicht befassen wollen. Schuldig!

Silvester ist Silvester ist Silvester – egal welche Jahreszahl nun auf uns wartet

Aber das mache ich ja nicht, weil ich irgendjemand den Abend versauen will, nicht feiern kann oder den Misanthropen mimen möchte, sondern weil es nichts bringt. Weil wir uns eigentlich nie stressen müssten, denn es ist doch jedes Jahr das gleiche in Grün – und trotzdem wird hektisch abgefragt, wer denn das Raclette-Gerät zu wem schleppen wird, wer alles Sekt mitbringt und ob wir uns das Geböller nicht endlich mal sparen sollten (Antwort darauf: immer ja!).

Wisst ihr, es könnte ja so einfach sein. Nämlich dann, wenn sich zum Beispiel nicht dauernd Menschen-Konstellationen verschieben würden, wegen Trennungen oder neuen Liebschaften. Tja, aber jedes Jahr gibt’s neue Stolpersteine, die bei den Einladungen umschifft und ausgebügelt werden müssen. Oder wenn wir uns darauf einigen könnten, dass es ziemlich wurscht ist, was wir essen, Hauptsache es ist lecker – sei es nun Kugelfisch-Sushi oder Käsefondue. Oder wenn wir uns mal ernsthaft darauf einigen würden, dass es eine sau dumme Idee ist, in einem Club feiern zu wollen, weil man da nur mit besoffenen Touristen abhängt, sich das nie ändert und wir das auch dieses Jahr nicht (wieder) probieren müssen.

Mehr Entspannung weniger Druck

Auch schön wäre, wenn wir uns alle entspannt darauf einstellen, dass manche Menschen an diesem Abend eben ein wenig komisch und melancholisch werden, weil Enden immer eine gewisse Schwere anhängt und sei es nur das Ende des Jahres, und man das einfach milde so hinnimmt, ohne herum zu diskutieren oder zu brüllen: „Du versaust uns die Party!“ Oder wenn nicht doch immer irgendwer rumheulen würde, weil man wieder nicht im Haus am Strand feiert – so ist das eben, wenn sich keiner um das Haus am Strand kümmert. Wenn es auch mal okay ist, dass Silvester eine Party ist, die auch mal schieflaufen kann, ohne dass das einen Schatten auf das gesamte nächste Jahr werfen muss. Hach Leute, dieser ganze Druck: Ein Abend, der mit dem Anspruch auf uns zurauscht, der beste unseres Lebens zu werden – also natürlich nur, bis wir das im nächsten Jahr wieder toppen – der kann doch nur schiefgehen. Vielleicht versuchen wir es einfach mal ne Nummer kleiner und freuen uns, wenn uns Silvester damit überrascht, richtig schön geworden zu sein.

Letztlich ist es doch ein Abend wie jeder andere. Der nicht viel mehr braucht als eine gute Gesellschaft, etwas zu essen, vielleicht gute Musik, vielleicht Spiele, was auch immer man eben mag – aber dafür bedarf es keine monatelange Eventplanung, das ist in zwei Stunden besprochen und fertig ist die Laube. Echt, ruhig Blut! Aber ach komm, während ich das schreibe, weiß ich doch sowieso schon: Die Drama-Nacht- Silvester wird auch nächstes Jahr wieder ab September wie eine düstere Wolke über mir hängen. Dabei könnte es doch eigentlich so herrlich sein – ganz besonders dieses Jahr. Denn 2016 hat wirklich genug genervt, dieser Abgang kann gebührend gefeiert werden. Also, wer schreibt die Rundmail? Ich bring Bier mit!

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