Foto: Donnie Ray Jones – Flickr – CC BY 2.0

Warum ich mich nicht entscheiden kann, ob ich ein Baby will

Wie kann ich herausfinden, ob ich schon bereit für ein Baby bin? Diese Frage stellt sich Sara, indem sie ihr Umfeld beobachtet und sich fragt, was ihr wichtig ist. Was ist ausschlaggebend für eine Entscheidung?

Ist die Entscheidung für ein Baby mutig?

Eine Sache vorweg: Es war schwierig für mich, diesen Artikel zu schreiben. Vermutlich ist dies mein erster Text, den ich ohne zu Ende gedachte Meinung zu Papier bringe. Das wäre allein deswegen unmöglich, weil mir die Erfahrung mit Baby fehlt. Stattdessen ist es mehr ein schriftliches Gedankensortieren – und hoffentlich Grundlage dafür, zu diskutieren und eure Meinungen zum Thema zu teilen.

Für viele Generationen vor uns stellte sich die Frage nach dem „ob“ beim Thema Kinderkriegen einfach nicht. Selbst heute haben viele Mädchen und Frauen – vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika – nicht das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Unsere Freiheit, selbst zu entscheiden, ob und wann wir Kinder bekommen oder eben nicht, ist wohl einer der größten Schritte Richtung Gleichberechtigung überhaupt gewesen. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass nicht wenige Frauen schwanger werden, ohne sich allzu viele Gedanken um die Konsequenzen zu machen. Und ich schwanke dann, ob ich das naiv oder mutig finden soll.

Wie machen die das?

Ich selbst kann diesen „Einfach-mal-machen-Schritt“ für mich aber nicht gehen. Es gibt dutzende Argumente für und gegen Kinder. Sie kosten Geld, Zeit, Nerven und Schlaf. Aber sie bringen gleichzeitig eine neue Sichtweise auf das Leben, sie sind oft lustig und nicht zuletzt geben sie viel Liebe zurück. Insgesamt ist es wohl mehr oder weniger ein Nullsummenspiel und diese Debatte wurde nach der Studie über #regrettingmotherhood ausführlich geführt. Wenn ich mich jedoch selbst mit Müttern unterhalte, kommt häufig ein Argument, das mich bisher am meisten davon abhält, Nachwuchs zu planen: „Dich selbst kannst du vergessen.“

Ich höre das nicht nur von Helikoptermüttern oder denen, die sich für ein Leben als Hausfrau und Mutter entschieden haben, sondern auch und vor allem von den Frauen, die ich in privater, beruflicher und politischer Hinsicht bewundere. Denen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen, die (wie ich) einen Job haben, der auch nach Feierabend die Gedanken und Kreativität beschäftigt, die politisch aktiv sind und denen als Ausgleich zur Arbeit Freunde, Partner und Sport wichtig sind. Das alles ist schon tagesfüllend. Kommt dann noch ein Baby dazu, bleibt zwangsläufig Zeit für sich selbst auf der Strecke.

Eine Freundin sagt, sie habe seit der Geburt des sieben Monate alten Sohnes keinen Kaffee mehr getrunken, der nicht schon vorher kalt geworden sei. Ich höre Geschichten darüber, wie schwer es ist, mit einem Baby oder Kleinkind zumindest kurz zu duschen. Eine Kollegin mit einem 11-jährigen Sohn sagt, sie gehe einmal im Monat zur Kosmetik, weil das die einzige halbe Stunde sei, die sie für sich habe, ohne Arbeit, Haushalt oder Kind. Das sind nur einige kleine Beispiele, aber sie machen mir Angst und ringen mir zugleich Bewunderung ab. Wie machen die das? Warum drehen die nicht durch?

Hält mich Egoismus ab?

Ich kann zu meinem Freund sagen, dass ich noch gern allein eine halbe Stunde in die Badewanne will, bevor wir uns treffen. Oder zur Mitbewohnerin, dass ich heute den Abend lang „Die Sterne“ in Dauerschleife höre. Oder zu meinen Freunden, dass ich kein Feierabendbier schaffe, weil die Woche so anstrengend war oder weil ich lieber zum Sport möchte. Bei einem Kind geht das nicht – und das für verdammt lange Zeit. Bin ich also einfach zu egoistisch für Kinder? Nein. Oder: Nicht nur. Ich liebe Kinder und ich habe sie gern um mich. Es geht mir eher um die Sorge, selbst nicht mehr zufrieden und ausgeglichen zu sein – und das ist doch die Grundlage, sich rund um die Uhr um einen kleinen Menschen kümmern zu können.

Hormone sind kein Argument

Das alles schlagende Argument, das Mütter meinen Befürchtungen entgegenbringen: Die Hormone nach der Schwangerschaft regeln das schon. Wenn du ein eigenes Kind bekommst, so sagen sie, dann überwältigt dich die Liebe zu diesem kleinen Menschen so sehr, dass du ein anderer Mensch wirst. Du willst es dann auch, diese Selbstaufgabe. Hormone allein sind aber kein Argument für mich, denn zum einen führen sie auch dazu, dass wir uns in die falschen Menschen verlieben, an manchen Tagen grundlos weinen und maßlos Schokolade essen (mit Letzterem kann ich leben, zugegeben). Aber vor allem endet dieser Hormonrausch nach den ersten Monaten. Was dann? Klar, Kinder werden in vielen Dingen mit dem Alter selbstständiger. Das heißt aber nicht, dass man weniger Zeit für sie braucht.

Vielleicht habe ich irgendwann selbst ein Baby und kann dann sagen: Jetzt weiß ich, was ihr Mütter gemeint habt. Es ist eben nicht alles rational zu erklären – und Liebe schon gar nicht.

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  1. Du sprichst mir aus der Seele. Bisher kommt aus meinem Herzen einfach kein „JA“ für ein Baby. Und ich denke, das ist eine Entscheidung, die aus dem Herzen kommen soll.
    Ich habe noch so viele Träume und ein Herzensprojekt, an dem ich arbeite. Ein Kind wäre ein weiteres Herzens- und Lebensprojekt, das dann an erster Stelle stehen würde.
    Ich warte auf das „JA“ ohne Zweifel und Ängste. So, wie man das bei dem richtigen Mann hat. Und wenn das nicht kommt, dann habe ich hier auf der Welt wohl eine andere Mission. Und auch das ist dann genau richtig und perfekt und mein Leben genauso wertvoll und bereichernd wie das der Frauen, die sich für ein Baby entschieden haben.

  2. Geheimnis:
    Kinder mit dem richtigen Partner bekommen! Morgens vor der Arbeit ist locker Zeit von 6-8Uhr das Baby in die Trage zu packen und Papa/Babytime mit spazieren gehen und Semmeln holen zu verbinden, das geht schon mit den ganz Kleinen. Badewanne? Ich lieg regelmäßig in der Wanne, einfach direkt nach dem stillen ausklinken, dann ist locker Zeit für sowas. Mit dem richtigen Management bekommt jeder me-time. Man muss es sich nur gegenseitig gönnen und dem Partner zutrauen, ebenfalls gut alleine zurecht zu kommen. Am Ende profitiert das Kind dann auch noch von einer besseren Bindung an den Papa.

  3. Hallo,
    also ich kann alles nachvollziehen was du schreibst. Ich bin gerade in dieser Situation wo man nicht nur 100 Dinge berücksichtigt sonder eher 1.000. Momentan beschäftige ich mich mit dem Thema sehr intensiv, wobei mich immer wieder die selben Fragen mehr oder weniger zum verzweifeln bringen. Ich bin ein Typ Mensch der immer da finanzielle im Blickfeld hat, ein Kind bedeutet ja auch Kosten die man zu tragen hat und das für eine sehr lange Zeit. Wie sieht es mit der Kinderbetreuung nach dem Mutterschutz aus – möchte ich mein Kind einem Fremden anvertrauen der es vielleicht dann auch noch erzieht? Aber es doch so wichtig ist gerade in den erste Jahren zu begleiten. Oder soll ich meinen Körper vorbereiten auf eine Schwangerschaft? Und dann noch immer die beste Frage: Der Zeitpunkt wann… woher weiß ich dass der Zeitpunkt jetzt gerade der richtige ist wann entscheidet man sich nicht mehr zu verhüten.
    Mich würde es sehr interessieren wie du/ihr das sieht?

  4. Hallo,
    Ich bin jetzt 25 Jahre alt. Und habe durzeit den selben Gedanken. Ich habe bedenken wenn ich ein Kind bekomme mein leben sich zum schlechteren verändert es gibt ja auch viele die Depressionen nach der Geburt bekommen. Ich will gerne das leben was ich mir aufgebaut habe gerne behalten und das ist auch schon egoistisch ist das falsch? Ich wollte früher Kinder haben auch mit meinem jetzigen Freund aber seit meine Schwester und Freundin Mütter geworden sind sehe ich wie eingeschränkt sie sind und was sie alles aufgeben mussten. Natürlich glaube ich schon wenn man das gut organisiert ist das es klappen könnte das braucht aber auch wahrscheinlich viel Zeit und Nerven. Mein Freund meinte er kann sich nicht vorstellen keine Kinder zu haben. Ich weiß jetzt nicht was machen soll ich will ja weiter mit ihm zusammen bleiben. Die wichtige Frage ist: woher weiß man ob man Kinder haben möchte? Hat jemand einen guten Rat?
    Lg Julia

  5. Ich versteh das auch sehr gut, weil es mir genauso geht. Die meisten in meinem Umfeld wollten immer Kinder und haben das schon verwirklicht. (Ich bin Mitte 30, ich dachte, es kommt mit dem Alter – haha.) Von denen bereut es auch keiner, weniger Zeit zu haben. Denn für sie war immer klar, das möchte ich so haben. Manche haben ungeplant ein Kind bekommen, von denen knabbern schon mehr daran, die Freiheit aufzugeben. Einige hatten wirklich Depressionen nach der Geburt und es ist Jahre später immernoch schwierig. Dann gibt es noch die, die nie Kinder wollten, auch Freunde meiner Eltern mit Mitte 70, und die sind auch glücklich.
    Ich mag mein Leben so wie es ist, mit meinem Partner, meinen Eltern, Freunden, Job, Hobbies. Manchmal denke ich, es wäre toll, eine Mischung aus meinem Partner und mir zu zeugen und zu sehen, wie sich der neue kleine Mensch entwickelt, ihm Dinge beizubringen, mitzuerleben, wie er die Welt entdeckt. Aber diese Einschränkungen und diese riesige Verantwortung, die erschrecken mich dann immer als zweiter Gedanke. Man stellt sich außerdem ja vor, dass das Kind gesund ist, normal aufwächst, dann selbstständig wird. Das kann ja auch ganz anders kommen. Und auch so sind es sicher 18 Jahre, die man wirklich Elternteil ist und danach sorgt man sich bis zum eigenen Tod um die Kinder. Da ich eher zu „viel Sorgen machen“ tendiere, habe ich da auch Bedenken. Mein Freund könnte mit beidem leben, was die Entscheidung wieder auf mich verlagert. Ich freue mich aber schon, wenn ich hier lese, dass es auch anderen so geht.
    Viele Grüße!
    Luise

  6. Ich werde dieses Jahr 37, und meine Uhr tickt immer lauter. Aber nicht der Wunsch nach einem Kind. Ich bin unsicher, genau aus den genannten Gründen – Selbstaufgabe. Ich mag es meine Zeit frei einteilen zu können. Dinge zu machen, nach denen mir der Sinn steht. Mein Freund möchte Kinder, dass ist ein Dilemma. Aber sowas darf keine Bauchentscheidung sein. Ich denke man muss sich vor allem von den gesellschaftlichen Zwängen lösen – Frau – Familie – Kind(er). Wir haben soweit unser Bewusstsein entwickelt das man ein Individuum ist und frei entscheiden möchte, wie man sein Leben gestalten will. Und Kinder sind nicht mehr rückgängig zu machen.

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