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Die schlimmsten Hochzeitsoutfits – und wie es besser geht

Der Frühling ist da, die Hochzeitssaison auch – auf diese falsch angezogenen Typen werdet ihr unvermeidlich stoßen.

Gastauftritt

Teilnehmer von Hochzeitsgesellschaften leisten sich erstaunlicherweise immer wieder dieselben Fehltritte bei der Kleiderordnung – dabei wäre ein angemessener Auftritt so leicht, wenn sich alle an ein paar Regeln halten würden. Ich habe nach jahrelanger Beobachtung mal eine kleine Stilanalyse vorgenommen.

Die schlimmsten, die allerschlimmsten Hochzeiten sind  natürlich die mit einem Motto-Dresscode. Wobei man in Berlin oder Hamburg nicht so gefährdet ist wie im Edelproll-Milieu von München oder Stuttgart, zu einer solchen Veranstaltung („Bitte in Tracht erscheinen“) genötigt zu werden. Vereinzelt gibt es aber deutschlandweit Hochzeitspaare, die sich ernsthaft trauen, ihren Gästen ein Motto wie „Mittelalter“ zuzumuten. Solche Festgesellschaften teilen sich dann in zwei Lager: Jene, denen man ansieht, dass sie mitsamt ihres geliehenen Waffenrocks oder Ledermieders am liebsten im Schokobrunnen ertrinken würden. Das sind fast alle. Und die Clique aus dem Ritterverein, deren Mitglieder sich im samtenen Wams mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegen.

Gegen Dresscodes wie „Black Tie“ auf der Einladung ist dagegen nichts einzuwenden; viele Gäste freuen sich, wenn sie sich endlich mal aufbrezeln können, ohne dafür auf eine Kostümparty zu müssen. In den meisten Fällen bleibt es den Gästen aber selbst überlassen, in welchem Aufzug sie erscheinen. Im Zweifelsfall kann man als Mann mit einem dunklen Anzug (gerne dunkelgrau oder dunkelblau) nichts verkehrt machen, eine auf Sommerhochzeiten gerne anzutreffende Randgruppe sind Männer in weißen Leinenanzügen und Panamahut, die sich unglaublich mondän fühlen.

Frauen haben es schwerer: In ihren Schränken hängen meist Kleider, die hübsch anzusehen sind, aber nur im Hochsommer funktionieren. Hier gilt natürlich: Eine Lungenentzündung ist besser als eine Strumpfhose zu offenen Schuhen.

Die Braut

An der Erscheinung erschütternd vieler Bräute lässt sich ablesen, dass seltsame Hochzeitsmagazine, die zu neunzig Prozent aus Anzeigen für Brautmodenhersteller mit obskuren Namen wie „Rembo Styling“ bestehen, eine ungebrochene Macht über das Geschmacksempfinden heiratswilliger Frauen haben. Die sehen sehr oft aus wie ein gealtertes Kommunionskind aus den Achtziger Jahren: riesiger Reifrock, Bananen-Hochsteckfrisur mit sorgfältig seitlich herausgekringelter Strähne, viele Perlen, ein winziger Kunstpelz-Bolero. Und meistens sind es nicht mehr ganz junge Bräute, denen jemand eingeredet hat, ein rotes Kleid sei ein bisschen frivol, außerdem weiblich und „auf jeden Fall mal was anderes.“ Um die Kommunionkindanmutung zu umgehen, sollte ein Brautkleid nicht aus einem dieser fürchterlichen Brautläden stammen, in deren Fenstern Plastikpalmen stehen und in denen man von den Blicken zu stark geschminkter Inhaberinnen getötet wird, sollte man es wagen, eines der Kleider anzufassen.

Der Bräutigam

Das Pendant zum gealterten Kommunionkind sind zahlreiche Bräutigame, die apricotfarbene oder hellgrau-dunkelgrau-gestreifte Seidenwesten und ein weißes Hemd mit Volants tragen, im allerschlimmsten Falle noch einen Zylinder und damit aussehen, als spielten sie einen schlecht angezogenen Zauberer in einer Jane Austen-Verfilmung. Wahrscheinlich mögen sie im Alltag gerne Karohemden, die sorgfältig in mittelblaue Möhrchenjeans gestopft werden. Der Dreiteiler, immer noch eines der beliebtesten Bestandteile des Bräutigam-Outfits, lässt sich nicht so schnell ausrotten, wie man sich das wünschen würde. Dabei wäre es für den Bräutigam eigentlich so leicht: Ein dunkler, schmal geschnittener Anzug, eine dunkle, gerne einfarbige Krawatte. Wenn es eine Weste sein muss, dann unbedingt in derselben Farbe wir der Anzug. Es könnte so einfach sein.

Die aufgedonnerte Brautmutter

Trotz inständiger Beschwörungen durch das Brautpaar, die Hochzeitsfeier werde ganz leger und ungezwungen vonstatten gehen, erscheint sie in einer maßlos übertriebenen, fuchsiafarbenen Robe von Oscar de la Renta oder Escada, kombiniert mit einer goldenen Stola. Damit brüskiert sie die Eltern des Bräutigams, die sich an die Regeln gehalten haben und in Kostüm und Sommeranzug erschienen sind und sich underdressed fühlen. Die Brautmutter fühlt sich dagegen wie der heimliche Star des Abends und lässt sich mädchenhaft gackernd von den dreißigjährigen Arbeitskollegen des Bräutigams zum Tanzen auffordern. Irgendwann, sehr viele Gläser Prosecco später, wirft sie ihre meterhohen Slingpumps weg und tanzt barfuß.

Die Freundin, die wild entschlossen ist, ihr Singledasein an diesem Abend enden zu lassen

Sie glaubt an das hartnäckige Gerücht, Hochzeiten seien eine ideale Partnerbörse. Sie beginnt einen Monat vor dem Fest, ihre Garderobe zu sortieren und Schmuck- Schuh- und Accessoires-Kombinationen zu probieren. Auf der Hochzeit fällt sie in der Kirche durch ein sehr kurzes Kleid und einen sehr großzügiges Dekolleté auf. Ganztägige Feiern nutzt sie, um mindestens zwei Mal das Kleid zu wechseln. Zur Trauung erscheint sie zu spät, weil das Modellieren ihrer bienenkorbartigen Frisur länger gedauert hat als erwartet. Sollte es mit dem Anbandeln nicht so klappen wie erhofft, findet man sie irgendwann schluchzend, sehr betrunken und mit künstlichen Wimpern an den Wangen auf der Toilette.

Die Trauzeugin in Weiß

Sie meint das natürlich überhaupt nicht böse mit dem Kleid, das einige Gäste dazu veranlasst, sie vor der Kirche mit der Braut zu verwechseln. Darüber ist sie, klar, total beschämt und fällt aus allen Wolken, („Huch, ich dachte, das wäre creme!“). Die Braut ist natürlich stocksauer, beißt aber die Zähne zusammen. Nach dem Fest ist aber nichts mehr wie früher. Die Braut wird nicht mehr so oft anrufen, Verabredungen sausen lassen und eine anderen Freundin fragen, ob sie diesen Sommer mit ihr an die Algarve fährt.

Der blasierte Onkel

Er erscheint im Frack, egal was auf der Einladung stand oder welche Informationen er erhalten hat, als er sich telefonisch bei den Brauteltern nach den „Rahmenbedingungen der Festivität“ erkundigt hat. Von der freizügigen Aufmachung der meisten Gäste, vor allem der jungen, ist er entsetzt. Was ihn nicht davon abhält, jungen Frauen penetrant auf die nackten Beine zu starren. Beim nächsten Veteranentreffen in der Whiskey and Cigar-Lounge des Anglo-German Clubs wird er mehrfach den Begriff „liederlich“ benutzen, wenn von der Festivität seiner Nichte berichtet.

Der Freund, der sich vor Konventionellem ekelt

Er wurde eingeladen, weil der Bräutigam das aus Nostalgie- und Verbundenheitsgründen unbedingt wollte. Außerdem bringt er immer richtig viel Bier zum Fußballgucken mit. Der alte Kumpel hat keinen Bock auf konventionelles Tamtam, auf lecker Essen und Saufen schon. Er trompetet schon Wochen vorher herum, dass er auf das ganze Gedöns pfeift, und erscheint in Jeans, Kapuzenpulli, Windbreaker und schweren Schnürstiefeln. Und kommt sich den ganzen Abend total subversiv vor.

Was wir als Gast tragen würden? Na, das:

1. Apricotfarbenes Kleid von Comma, 2. Clutch von Marni, 3. Lippenstift von Yves Saint Laurent, 4. Ring von Pernille, 5. Sonnenbrille von Jeepers Peepers, 6. Kurzjacke von Marc Cain, 7. Sandalen von Steve Madden.

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