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Jutta Hübner: „Ich wollte schon als Kind Astronautin werden“

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Das Weltall hat sie schon früh fasziniert und als Erwachsene arbeitet Jutta Hübner nun tatsächlich in der Raumfahrt. Sie sagt: Mein Job bedeutet keine Minute Langeweile.

„Zu einem Traumjob gehört harte Arbeit und etwas Glück“

„Das Physik-Studium alleine war mir zu trocken“, erzählt Jutta Hübner, „Ich wollte löten, schrauben, basteln und experimentalphysikalische Fähigkeiten entwickeln.“ Daher hat die Wissenschaftlerin schon im Studium in Projekten mitgearbeitet und bei ihren ersten beruflichen Stationen entdeckt, dass sie neben der Forschung auch Spaß am Organisieren und Planen hat. Dieses Profil machte ihr den Weg frei zu ihrem Traumjob: Sie arbeitet als stellvertretende Flugleiterin bei der Europäischen Weltraumorganisation (European Space Agency = ESA). Wie ihre Arbeit dort aussieht und wie sie Studium und Beruf gewählt hat, hat Jutta Hübner uns im Interview erzählt.

Wie können wir uns deinen Job als Flugleiterin eines Satellitens vorstellen?

„Zusammen mit meinen Kollegen steuere ich einen Forschungssatelliten. ,Mein‘ Satellit heißt ,Integral‘ und ist schon seit fast 15 Jahren im Weltraum. Ich kümmere mich darum, dass es den Kameras an Bord gut geht – bin sozusagen Satellitendoktor. Dabei arbeite ich eng mit den Wissenschaftlern aus unterschiedlichen europäischen Instituten zusammen, die die komplexen Kameras gebaut haben und jenen, die die Beobachtungen planen. Integral erfasst die hochenergetische Gammastrahlung aus den Tiefen des Alls und erforscht so wissenschaftliche Objekte wie schwarze Löcher und sterbende Sterne, sogenannten Supernovas. Der Sattelit gibt den Wissenschaftlern neue Einblicke in die extremsten Phänomene des Universums. Mein typischer All-Tag hat nur wenige Konstanten, denn neben dem Routinebetrieb sind wir insbesondere für unvorhersehbare Ereignisse und besondere Manöver zuständig. Ein Traumjob. Mein Traumjob! Und keine Minute Langeweile.“

Welche deiner Eigenschaften hilft dir in deinem Berufsalltag besonders weiter?

„Meine Neugier, Faszination und Leidenschaft für den Weltraum und für komplexe Systeme sind sehr groß. Am Schönsten ist es, dass ich in meinem Job beides verbinden kann. Außerdem habe ich bereits im Studium Auslandserfahrung gesammelt und in unterschiedlichsten Teams gearbeitet. Das war eine gute Basis für die hervorragende Zusammenarbeit mit meinen Kollegen sowie die Arbeit in internationalen und interdisziplinären Teams. Nur im Team können wir komplexe Satellitenmissionen steuern.“

Nach deinem Physikstudium bist du beruflich schnell in der Raumfahrt gelandet. War das schon immer dein Berufswunsch?

„Mein Interesse und die Leidenschaft für den Weltraum waren schon immer da, die unermessliche Weite des Weltalls hat mich schon früh fasziniert. Als Kind wollte ich Astronautin werden. Später haben mich zudem komplexe Systeme begeistert und zusätzlich die vielen unbeantworteten Fragen der Astronomie gereizt wie zum Beispiel ,Wie entstehen Sterne, Planeten und Galaxien?‘, ,Gibt es erdähnliche Planeten außerhalb unseres Sonnensystems?‘ oder ,Was ist dunkle Materie und dunkle Energie?‘ Die Europäische Weltraumorganisation ESA vereint all dies. Sie koordiniert die europäischen Raumfahrtaktivitäten, führt faszinierende Weltraumprojekte durch und bietet spannende Jobs. So bin ich hier gelandet.“

Warst du als Physikstudentin, als Doktorandin am Max-Planck-Institut und später im Job als Frau eigentlich unterrepräsentiert?

„Generell hatte ich immer mehr Kommilitonen bzw. Kollegen als Kommilitoninnen oder Kolleginnen. Aber das hat mich nie gestört und ich denke auch nicht, dass ich dadurch Nachteile hatte. Schon während meiner Schulzeit hatte ich viele Hobbys, bei denen eher mehr Jungens als Mädels um mich herum waren: Leichtathletik, Rudern und Orchester. Da war ich das schon gewohnt.“

Anfang des Jahres startete der Film „Hidden Figures“, in dem die Geschichte dreier Mathematikerinnen erzählt wird, die sich in den sechziger Jahren in der durch weiße Männer dominierten Raumfahrt-Branche behaupten. Wie divers sind die Teams am Europäischen Weltraumkontrollzentrum? Und was wird konkret für mehr Diversität getan?

„ESA ist als europäische Organisation natürlich sehr international: Mein Chef zum Beispiel, ein Mathematiker, stammt aus England, und meine anderen Teamkollegen kommen aus Italien, Irland, Frankreich, Spanien und Rumänien. Sie haben die unterschiedlichsten Fächer studiert oder Ausbildungen gemacht. Start, Inbetriebnahme und Betrieb von jeder ESA-Mission erfordern interdisziplinäre Teams von ESA-Mitarbeitern, Wissenschaftlern und Industrievertretern.

Grundsätzlich gilt bei ESA, dass alle Mitgliedsländer in der Belegschaft proportional zu Ihrem Beitrag zu ESA vertreten sein sollen. Daher ist ESA an allen Standorten sehr international.“

Wie sieht es beim Anteil von Frauen aus?

„Mit einem Frauenanteil von etwa 30 Prozent hat ESA eine Quote, die besser ist als die in vielen technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen in Deutschland. Natürlich ist ESA daran interessiert, diesen Anteil noch weiter zu erhöhen.“

Wieso ist Diversität in Teams überhaupt so wichtig?

„Meine Kollegen aus aller Welt zählen zu den besten Wissenschaftlern und Ingenieuren weltweit ihn ihrem jeweiligen Gebiet. Nur mit solchen internationalen und auch fachlich breit aufgestellten Teams können wir komplexe Weltraummissionen erfolgreich steuern.“

Im Film hatten die Mathematikerinnen Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson das Problem, zunächst nicht ernst genommen zu werden. Wie sind deine Erfahrungen?

„Während meines Studiums in Seattle habe ich an der Uni Physik unterrichtet. Im Kurs waren fast nur Männer und damals war ich mit meinen 21 Jahren auch noch jünger als die meisten meiner Studenten. Als ich mich zum Kursbeginn vorne hinstellte, hat mir erstmal keiner der Studenten abgenommen, dass ich die Tutorin bin. Mit Witz gelang es mir, diese etwas peinliche Situation zu überspielen. Und die anfängliche Skepsis hat sich dann auch schnell gelegt.“

Was war dein bisher spannendster Moment im Verlauf deiner Karriere?

„Vor zwei Jahren hatte ich die Chance, beim Start und der Inbetriebnahme des Wettersatelliten MSG-4 mitzuarbeiten. In mehrmonatiger Vorbereitungszeit wurden Simulationen mit dem gesamten Team durchgespielt, bei denen für den Ernstfall unterschiedlichste Fehlerszenarien geprobt wurden. Höhepunkt war natürlich der Raketenstart mit dem Satelliten an Bord, das erste Einschalten und die Inbetriebnahme der Systeme im Flug und die Flugmanöver zum Zielorbit.“

Was rätst du Frauen, die sich für dein Berufsfeld interessieren?

„Findet heraus, was euch am meisten interessiert, begeistert, fasziniert, wofür ihr Leidenschaft habt oder entwickeln können. Nutzt eure Talente und bleibt dabei immer neugierig. Zu einem Traumjob gehört natürlich auch harte Arbeit und etwas Glück dazu, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und die richtigen Leute kennenlernt. Lebt eure Leidenschaft, gestaltet eure Zukunft und lasst euch von keinem demotivieren.“

Der Film „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ erzählt erstmals die wahre Geschichte von Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson – drei brillanten afroamerikanischen Frauen, die zu Beginn der sechziger Jahre als Mathematikerinnen bei der NASA arbeiteten und maßgeblich an der Erdumrundung des Astronauten John Glenn beteiligt waren. Dabei musste das visionäre Trio sämtliche Geschlechter- und Rassengrenzen überschreiten und ist damit eine Inspiration für kommende Generationen. „Hidden Figures“ ist ein Film über das, was uns alle vereint und was passiert, wenn wir uns auf unsere Gemeinsamkeiten statt auf Unterschiede konzentrieren.

Nach dem großen Erfolg in den Kinos ist der Film bereits seit dem 1. Juni als Digital HD erhältlich und ab dem 14. Juni als Blu-ray und DVD.

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