Foto: F. Castro

Kristina Lunz: „Feministische Außenpolitik stellt die menschliche Sicherheit in den Mittelpunkt“

Ohne gute Ideen und Menschen, die sie Realität werden lassen, wird sich unsere Welt nicht positiv entwickeln. Wir haben Frauen, die für den 25 Frauen Award nominiert waren, Fragen zur Zukunft gestellt. Eine von ihnen ist: Kristina Lunz.

Unsere Welt steht immer komplexeren Herausforderungen gegenüber. Wir brauchen starke Ideen, die Bahnbrechendes in den Bereichen Digitalisierung und Innovationskraft, Klimaschutz und Bildung, Arbeit, Gerechtigkeit und demografischer Wandel bewirken. Dabei spielen Frauen eine zentrale Rolle. Frauen, die jeden Tag daran arbeiten, unsere Zukunft nachhaltig, friedlich, gerecht und innovativ zu gestalten.

„Feministische Außenpolitik ist unabdingbar, wenn wir weltweit Frieden und Sicherheit für alle schaffen wollen.“

Kristina Lunz

Kristina Lunz ist Beraterin für das Auswärtige Amt und Mitbegründerin des Centre for Feminist Foreign Policy (CFFP), das sich für eine feministische Außenpolitik einsetzt, die die konventionellen Standards der Politik in Frage stellt. Als Aktivistin setzt sie sich besonders für Bildungsgerechtigkeit ein. Zu ihren Projekten zählt beispielsweise in ihrer Funktion als Beraterin von UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V.  die von ihr initiierte Kampagne „Nein heißt Nein“. Zusammen mit anderen Organisationen forderte sie die Reformierung des Sexualstrafrechts: 2016 wurde es dahingehend geändert, dass das Fehlen von Einwilligung zum Kriterium von Vergewaltigung wurde. 

Wenn es nach dir geht: Wie sieht die Zukunft aus?

„Gerechter und warmherziger. Ich konzentriere mich ja stark auf internationale Politik. Und der aktuelle Status quo der Außenpolitik basiert auf patriarchalen Werten und verfestigt systemische Gewalt durch Kapitalismus, Imperialismus und Kolonialismus. Das Zusammenspiel dieser Systeme beeinflusst, wie Menschen ihr Leben auf der Grundlage ihres sozio-ökonomischen Status, sexueller Orientierung, ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe und Herkunft führen können. Mein langfristiges Ziel ist es, aktiv an der Gestaltung eines neuen, inklusiven und repräsentativen Status quo mitzuwirken und Machtungleichheiten auszugleichen. Meine Vision für die Zukunft ist eine internationale Politik, die Menschen- und Frauenrechte prioritär behandelt und in der militärische Gewalt nicht länger die Norm ist. Kurz: eine gerechte Gesellschaft.“

Was muss dafür jetzt getan werden und was tust du?

„Ich wünsche mir einen systemumfassenden Ansatz bei der zukünftigen politischen Arbeit Deutschlands im In- und Ausland: Es geht nicht nur darum, Positionen mit Frauen zu besetzen, sondern strukturelle Ursachen von Ungleichheiten zu bekämpfen und sozio-politische Prioritäten zu ändern, zum Beispiel mehr Geld für Bildung und Klimagerechtigkeit, weniger Geld für Militär. Genau dafür setzen wir uns beim Centre for Feminist Foreign Policy aktiv ein. Ich habe das CFFP mitgegründet und bin Co-Executive Director. Vor wenigen Monaten haben wir einen ausführlichen Bericht – beauftragt von den Grünen im Europaparlament – dazu veröffentlicht, wie eine feministische Außenpolitik der EU aussehen sollte.

Das CFFP ist die weltweit erste Organisation, die sich gezielt für feministische Außenpolitik einsetzt. Feministische Außenpolitik stellt die menschliche Sicherheit in den Mittelpunkt und will das internationale Machtgefüge ändern. Und zwar so, dass die Bedürfnisse aller Gruppen – und vor allem die von Frauen – gesehen und Frauen- und Menschenrechte prioritär behandelt werden. Feministische Außenpolitik ist unabdingbar, wenn wir weltweit Frieden und Sicherheit für alle schaffen wollen. Ohne Feminismus gibt es keinen Frieden, denn aus der Forschung wissen wir: Das Niveau an Gleichberechtigung in einem Land ist der signifikanteste Faktor dahingehend, ob dieses Land nach innen oder außen gewaltbereit ist.“ 

Welche Pläne hast du für deine persönliche Zukunft?

„Ich sehe meine persönliche Bestimmung darin, mit CFFP und in der Politik kontinuierlich den Status quo der internationalen Politik zu hinterfragen und langfristig so umzugestalten, dass er inklusiv, repräsentativ und auf die Bedürfnisse derjenigen ausgerichtet ist, die am meisten betroffen sind. Ich wünsche mir anhaltende Neugier und Offenheit, Neuem gegenüber, Empathie und Freundlichkeit, gepaart mit Hartnäckigkeit und Leidenschaft, Vernetzung mit großartigen, wütenden, politisierten Frauen. Kurz: Ich plane weiterhin, mit tollen Frauen Banden zu bilden und gemeinsam das Patriarchat zu stürzen. Und ich schreibe ein Buch zu feministischer Außenpolitik.“

Die von uns interviewten Frauen waren 2020 für den 25 Frauen Award nominiert.

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