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Gesunde Kinderernährung: Wie lange kann man auf Basis von Reiswaffeln und Hustenbonbons überleben?

In ihrer Kolumne „Familie und Gedöns“ schreibt Lisa über alles, womit sich Eltern so beschäftigen (müssen), diesmal: Essen.

Sinkender Vollkornanteil bei steigender Kinderzahl

Ich nutze diese Kolumne ja selten, um Partner-Bashing zu betreiben, aber was wirklich total gemein ist: Ich bin ganz eindeutig die einzige in unserer aus fünf Personen bestehenden Kernfamilie, die sich zumindest manchmal Gedanken darüber macht, wie man immerhin grob in die Nähe dessen gelangt, was sich „gesunde Ernährung“ nennt. Der Vater der Kinder sagt dann manchmal: „So zwanghaft, wie du mit dem Thema Essen umgehst, wär es kein Wunder, wenn die Kinder irgendwann eine Essstörung entwickeln“. Vielen Dank auch.

Ich finde mich eigentlich ganz entspannt, was das Thema Essen angeht …oder besser gesagt: Ich bin, wie so viele, von Kind zu Kind vom rechten Pfad abgekommen.

Ich erinnere mich noch, wie ich vor einigen Jahren im toskanischen Ferienhaus von Freunden mit älteren Kindern in der Küche stand und für das einjährige Kind und die anderen Kinder Vollkorn-Pasta mit einer Avocado-Brokkoli-Matsche zubereitete, meine Freundin in die Küche kam und stocksauer sagte: „Also meine Kinder essen sowas nicht!“ Ich war war natürlich beleidigt. Heute weiß ich es besser. Ich gehörte zwar nie zu jenen Fanatikern, die, „wenn Kinder mitessen“, nicht nur auf Alkohol, sondern sogar auf Industriezucker verzichteten, hatte aber durchaus einen Funken Bewunderung übrig für die Mitglieder meiner Pekip-Gruppe, die zum Abschieds-Picknick Muffins mitbrachten, die ausschließlich mit Dattelsirup gesüßt waren.

Mit einem halben Jahr in die Eisdiele

„Das erste Jahr komplett ohne Zucker“, da kriege ich mittlerweile natürlich einen Lachanfall. Das dritte Kind hat sich seine erste Kugel Eis mit sechs Monaten in der Eisdiele geholt.

Mittlerweile rolle ich (natürlich nur innerlich) mit den Augen, wenn auf Kindergeburtstagen zuckerfreie Kuchen dargeboten werden, und tröste die niedergeschlagenen Erzieherinnen in der Kita voller Empathie, wenn diese von Ideologen-Eltern gerügt wurden, weil es ausnahmsweise Schokoladenaufstrich zum Kinderfrühstück gab, oder zu Ostern allen Ernstes Hasen aus Schokolade (!) im Garten gesucht werden durften.

Doch leider merke ich tatsächlich einen Unterschied, ich weiß nicht ob es Zufall ist, aber: Das älteste Kind ist relativ genügsam, was Süßigkeiten betrifft, und fordert mehrmals pro Tag geschnittenes Obst an. Es verzehrt Brokkoli in großen Mengen.

Keks-Deals und Kakao-Schwemme

Das mittlere Kind ernährt sich derzeit ausschließlich von Kakao mit wenig Milch und viel Pulver, sauren Schlangen, Hustenbonbons und Reiswaffeln, Donuts und „Aufwach-Gummibärchen“ (vor einiger Zeit habe ich einem fatalen Deal zugestimmt: Das Kind bekommt jeden Tag in einer winzigen Box ein Gummibärchen in die Brotdose, damit es nicht so schlecht gelaunt sein muss, wenn es vom Mittagsschlaf erwacht, sondern sich auf etwas freuen kann. Dass es seit Monaten gar keinen Mittagsschlaf mehr macht, tut natürlich nichts zur Sache).

Überhaupt, Deals: Das mittlere Kind behauptet auch steif und fest, wir hätten den Deal, dass es sich montags und freitags in der Bäckerei, an der wir auf dem Weg zur Kita vorbeikommen, einen Keks aussuchen darf. So be it. Hauptsache ich hab Ruhe und wir kommen ohne Geschrei in die Kita.

In diesem Punkt habe ich übrigens breite Experten-Rückendeckung: Man zeige mir einen aufgeklärten Erziehungsratgeber, der heute ernsthaft noch behauptet, man solle mit seinem Kind beim Thema Essen einen Streit vom Zaun brechen. Daran halte ich mich, so oft es geht.

„Meine machen da zum Glück überhaupt keine Probleme“

Ich arbeite nicht jeden Tag. Das gibt mir die Gelegenheit, ab und zu an einem freien Tag eines der vielen herrlichen Kochbücher, die ich besitze, zur Hand zu nehmen, wunderbare Zutaten einzukaufen und eine Mahlzeit für das gemeinsame Abendessen vorzubereiten. Da bin ich hartnäckig, denn obwohl diese Abendessen regelmäßig in Krieg ausarten, kann ich es nicht lassen, das nächste Teriyaki-Lachs-Avocado-Rettichsprossen-Bowlrezept ausfindig zu machen.

Enervierenderweise bin ich von Müttern umgeben, die verwundert sind, wenn ich von der Reiswaffel-Hustenbonbon-Diät erzähle, und sagen: „Ach, da haben meine zum Glück nie Probleme gemacht”. Beim Abendessen jedenfalls fängt das mittlere Kind immer an zu schreien, wenn etwas anderes als Nudeln oder eine Kartoffel auf seinem Teller liegt, und gerät in Panik, wenn eine fremde Flüssigkeit im schlimmsten Fall die Kartoffel oder das Nudelhäufchen berührt. „Extra-Schüssel“, brüllt es dann. Da füllt es dann all die anderen leckeren Sachen rein und stellt sie neben sich, ich sage „aber den Nachtisch gibt’s nur, wenn das alles aufgegessen wird“, das mittlere Kind brüllt „weiß ich!“, isst die Kartoffel, der Extra-Teller ist auf einmal leer und das Kind staubt den Nachtisch ab.

Rohkost für den Vitaminhaushalt

Später entdecke ich den nicht mehr so schön aussehenden Inhalt des Extra-Tellers dann an den absonderlichsten Stellen; unter dem Sofa-Kissen; auf der Fußablage des Tripp-Trapps; in der Schatzkiste auf dem Nachttisch.

Aber, das sei nicht unerwähnt, ich feiere durchaus meine Erfolge – meine Botschaften kommen an. Das mittlere Kind ist seit einigen Tagen nektarinensüchtig. Gestern hat es sechs Nektarinen hintereinander gegessen, und als ich es stoppen wollte, schrie es: „Ich brauche aber Rohkost, für meinen Vitaminhaushalt!“

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