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Mein Mama-Styleguide: Nur weil etwas dreckig ist, muss man es nicht gleich ausziehen

In ihrer Kolumne „Familie und Gedöns“ schreibt Lisa über alles, womit sich Eltern so beschäftigen (müssen), diesmal: Fashion-Guidelines für Mütter

Wie machen die das?

Ich wollte hier in der Kolumne auch mal ein Lifestyle-Thema einschieben, dachte ich mir, und da fiel mir ein, dass ich vor längerer Zeit mal ein Buch vorgestellt habe, in dem ich seitdem manchmal andächtig blättere, Komplexe kriege und es nicht fassen kann, wie schön es in anderen Familien aussieht, und wie nett die es immer haben.

Im Teaser meines Textes zum Buch damals jedenfalls steht: „Familienglück ist eine Wundertüte“ – irgendwie kann ich mir gar nicht vorstellen, dass ich diesen völlig unzynischen Satz verfasst haben soll, aber vielleicht  habe ich das ja auch einfach vom Klappentext abgeschrieben, ich denke, so war es.

Das ultimative Kleidungsstück als Mutter?

Im Buch jedenfalls werde lauter tolle Mütter und ihr Stil vorgestellt, denn jede Mutter hat ja einen Stil, und jede Frau erzählt etwas über das Kleidungsstück, das für sie als Mutter am wichtigsten ist, ihr Signature-Kleidungsstück als Mutter sozusagen: das schlichte, aber dennoch elegante Filippa K-Kleid zum Beispiel, oder Sneakers, oder die ultrabequemen und doch coolen Boyfriend-Jeans …beim Durchblättern hab ich mich natürlich gefragt, welches mein ultimatives Mama-Kleidungsstück wäre, das ich in meiner nicht zu aufgeräumten, aber trotzdem äußerst vorzeigbaren Altbauwohnung präsentieren würde, und ich fürchte, das wäre für mich eher so generell: Ersatzkleidung.

Eigentlich wollte ich ja über meinen neuen Stil als Mutter schreiben. Grundsätzlich wird ja suggeriert, dass modebewusste Frauen, und ja, ich würde sagen, so eine bin (war?) ich, nach der Geburt ihrer Kinder ihren Stil wandeln, anpassen, alles natürlich total persönlichkeitstreu und individuell.

Nun. Dazu kann ich sagen: Im Kofferraum unseres Familienvans befindet sich ein schmutziger Jutebeutel mit drei Sätzen Kinderkleidung in mini, mittelklein und etwas größer. Und ein sauberes T-Shirt für mich. Damit ist ganz gut zusammengefasst, um was meine Gedanken kreisen, wenn es um das Thema Anziehsachen geht.

Bademantel oder Schutzanzug?

Vor allem achte ich bei meinem individuellen Mama-Look darauf, dass ich so wenig eingesaut wie möglich im Büro erscheine. Das ist leider ziemlich schwierig, das weiß jeder, der Kinder zwischen etwa sechs Monaten und drei Jahren hat, die morgens nicht nur Wasser frühstücken dürfen, und der morgens die Wohnung verlassen muss, um einen Arbeitsplatz aufzusuchen.

Manchmal denke ich, ich müsste einfach den Bademantel anbehalten, bis ich das Haus verlasse, und ihn verlottern lassen, bis er vor Haferflockenschleim und Brocken geriebener Birne hart geworden ist, und erst an der Haustür in meine dort bereitgelegten Büroklamotten schlüpfen. Ist logistisch (Haare, Makeup…) aber auch doof.

Aber sich nochmal umziehen ist auch keine Lösung. Am besten wäre eigentlich so ein Einweg-Schutzanzug, mit dem Schädlingsbekämpfer oder Leute in der Chemiefabrik arbeiten. Nochmal umziehen würde im Übrigen bedeuten, die Masse an zu waschenden Textilien, die eh kaum noch zu bewältigen ist, nochmal zu vergrößern. Und an einem Tag zwei Outfits zu verschwenden geht auch nicht, so viel anzuziehen habe ich nämlich gar nicht mehr, seit jede Einkaufstour, die ich zu dem Zweck antrete, meine Garderobe aufzustocken, mit Entzückungsschreien in der Kinderabteilung von COS oder ähnlichen Orten endet.

Kleidung nur monatlich wechseln?

Manchmal wünschte ich, ich würde die Kleidungsfrage so pragmatisch handhaben wie das vierjährige Kind: Einfach immer dasselbe anziehen. Und damit meine ich nicht, mehrfach die gleiche Bluse, Pullover, Hemd, Rock, Hose im Schrank zu haben, wie das manche erwachsene Menschen (Architekten?) ja offensichtlich tun, weil sie jeden Tag gleich aussehen in ihrer Büro-Uniform und wir davon ausgehen, dass sie diese Kleidungsstücke aus hygienischen Gründen mehrfach angeschafft haben. Das vierjährige Kind also zieht immer für eine bestimmte Zeitspanne, meist ein, zwei Monate, seine Kita-Uniform an, aber im Gegensatz zur Büro-Uniform ist bei der Kita-Uniform jedes Kleidungsstück nur in einfacher Ausführung vorhanden. Das Kind sagt also jeden Morgen als erstes nach dem Wachwerden: „Du hast aber nicht meine rote Dsins (=Jeans) gewaschen? Bittebittebitte, darf ich sie heute noch einmal anziehen? Bitte! Nur EINmal noch, dann darfst du sie waschen!” Und wisst ihr was? Ja, es ist mir egal. Soll es. Mir ist auch wirklich egal, dass das Kind in seinem Leben noch keine Unterhose anhatte. Es weiß mich zu vertrösten: „Weißt du Mama, ich warte noch, und wenn ich erwachsen bin, dann werde ich Unterhosen anziehen”.

Und zieht die rote Jeans einfach so lange an, bis es beschließt, die Kita-Uniform zu wechseln. Ihr wollt nicht wissen, in welchem Zustand die rote Dsins ist, wenn sie nach etwa vier Wochen zum ersten Mal die Waschmaschine von innen sehen darf.

Aber, wo das Kind schon Recht hat: Wenn ich mir jedes Mal was Neues anziehen würde, nur weil etwas schmutzig ist und eklig aussieht, dann könnte ich gleich eine Wäscherei aufmachen. Ich will aber natürlich auch nicht ständig jovial-mitleidige Kommentare kassieren („Du weißt schon, dass dein Kleid am Rücken total verschmiert ist“) , deshalb mach ich es so: Ich lass die dreckigen Sachen einfach an. Und bevor irgendjemand im Büro mich darauf aufmerksam machen kann, gehe ich in die Offensive und sage „Uups, fällt mir ja gerade erst auf, dass mein Kleid mal wieder total versaut ist, ihr wisst ja, kleine Kinder und Essen und so….“ Da hat natürlich jeder Verständnis.

Mit fällt gerade auf, was in meinem Leben noch fehlt: Mein Jute-Ersatzkleidungsbeutel im Büro. Falls doch mal ein Außentermin ansteht, zu dem man nicht in einem Kleid erscheinen möchte, das mit Kinderzahnpasta- und Haferbreischlieren durchsetzt ist.

Bild: Depositphotos.com

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